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Karl Marx : Bewunderer und Verächter des Kapitalismus

Vor fast fünfzig Jahren eingeweiht: Karl-Marx-Monument in Chemnitz. Bild: dpa

Für manche war der vor 200 Jahren geborene Philosoph und Politaktivist ein genialer Ökonom. Doch lag er mit seinen zentralen Theorien falsch.

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          Mitsamt Sockel ist sie 5,50 Meter hoch und mehr als 2,3 Tonnen schwer: die Bronzestatue von Karl Marx, die derzeit in Trier aufgestellt wird. Bezahlt und gespendet hat sie die Regierung Chinas, zu Ehren des Mannes, der angeblich bis heute die KP China ideologisch leite. Es gab zwar in Trier auch einige Stimmen, die bezweifelten, ob ein solches Geschenk aus Peking angemessen sei; einige Bürger schimpfen über einen „Mega-Marx“ oder gar ein „Marx-Monstrum“ nahe der römischen Porta Nigra in der Moselstadt. Historiker fragen, ob eine Verherrlichung Marx‘ angesichts der Millionen Opfer kommunistischer Systeme im 20. Jahrhundert nicht deplaziert sei. Doch letztlich hat sich der Stadtrat mit breiter Mehrheit von Linkspartei bis CDU für die Statue ausgesprochen, die zu Marx’ 200. Geburtstag am Samstag feierlich enthüllt wird.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Bis heute hat Marx viele Bewunderer: Sie feiern den Philosophen, der die Geschichte neu interpretiert hat, den Ökonomen, der „Bewegungsgesetze“ des Kapitalismus untersucht hat und dessen Scheitern vorhersagte. Gescheitert aber war Marx selbst mit seinen Versuchen, sich selbst an die Spitze einer kommunistischen Bewegung der „Proletarier“ zu stellen, die als Motor der Revolution agieren sollte. Als Marx 1883 starb, war er fast vergessen; wenig mehr als ein Dutzend Anhänger kamen zu seinem Begräbnis auf dem Londoner Highgate-Friedhof. Heute steht dort ein wuchtiges Monument, das die Communist Party of Great Britain 1957 stiftete: „Workers of all lands, unite“, steht auf dem Marmorblock. Darunter Marx’ Spruch: Die Philosophen hätten die Welt nur unterschiedlich interpretiert, es komme darauf an, sie zu verändern. Marx hat ohne Zweifel die Welt verändert.

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