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Markennamen : Wem gehört "Havana Club"?

  • Aktualisiert am

Hinter der Rum-Idylle brodelt es heftig Bild: dpa

Die WTO greift in den Streit um Markennamen ein. Wer darf seinen Rum "Havana Club" nennen - Pernod Ricard oder Bacardi?

          2 Min.

          Kubanischer Rum steht für Südsee, Strand und Sonnenschein. Nicht ganz so idyllisch wie dieses Bild ist das Geschäft mit dem goldbraunen Getränk, in das nun die Welthandelsorganisation (WTO) klärend eingegriffen hat. Anlass für das Einschreiten der WTO ist die grundlegende Frage, ob die US-Regierung bestimmen kann, wen sie als Besitzer eines Markennamens anerkennt - wem, zum Beispiel, gehört der Name „Havana Club“?

          "Natürlich uns", sagt Pernod-Ricard, der drittgrößte Spirituosenhersteller der Welt. Der französische Konzern ging 1993 ein Joint Venture mit der kubanischen Regierung ein. Seitdem vertreibt er kubanischen Rum unter dem Label „Havana Club“ in über 80 Ländern der Erde - nur nicht in den USA.

          Kubanischer Rum in den USA

          Das amerikanische Embargo gegen Kuba verhinderte bisher den Import kubanischen Rums. Doch irgendwann wird auch dieses, seit vier Jahrzehnten bestehende Embargo aufgehoben. Und dann will Pernod-Ricard mit „Havana Club“ auf den amerikanischen Markt, der für ein Drittel des weltweiten Rumkonsums steht.

          "Havana Club" auf den Bermudas?

          Doch auf diesen Markt zielt auch Bacardi. Der auf den Bermudas angesiedelte Rumdestillateur kaufte den Markennamen 1996 von den ursprünglichen Besitzern, der Familie Arechabala, obwohl diese die Rechte an dem Namen „Havana Club“ niemals erneuerte. Bacardi ließ den Markennamen ebenfalls in den USA registrieren. Beide Firmen behaupten nun, rechtmäßige Besitzer von „Havana Club“ zu sein.

          Man kann Rum von den Bermudas nicht unter dem Namen „Havana Club“ verkaufen,“ erregt sich Jean Rodesch von Pernod-Ricard, „meines Wissens liegt Havanna auf Kuba.“ Er geht davon aus, dass seine Firma das Recht an dem begehrten Markennamen auch in den USA behalten wird. Und dass Pernod-Ricard irgendwann tatsächlich seinen kubanischen Rum dort verkaufen kann.

          Das Embargo bleibt

          Doch vor den Gewinn haben die Götter die Geduld gesetzt. Zuerst muss der amerikanische Kongress ein 1998 erlassenes Gesetz ändern, das den Besitz von Markennamen regelt, die von der kubanischen Regierung konfisziert wurden. Dieses Gesetz benachteiligt das WTO-Mitglied Kuba und muss deshalb geändert werden. Allerdings hat die WTO den USA keine Zeitvorgaben gemacht. Wie schnell ein neues Gesetz verabschiedet wird, hängt in erster Linie vom guten Willen der amerikanischen Regierung ab. Und selbst dann ist erst einmal nur der Name gesichert, das Embargo auf kubanische Produkte bleibt bestehen.

          Wer lacht zuletzt?

          Wenn man sich mit der kubanischen Regierung arrangiert, muss man in Amerika immer noch mit Komplikationen rechnen, lehrt das Beispiel von Pernod-Ricard. Wer zuletzt den Namen „Havana Club“ auf seine Etiketten drucken darf, bleibt abzuwarten. Klar ist nur, dass man den kubanischen Rum fast überall auf der Welt trinken kann - nur nicht in den USA.

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