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Wer bekommt das Facebook-Geld? : Mark Zuckerberg wird politisch

Um Worte ist er nicht verlegen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Bild: AP

Krankheiten heilen und Ausbildung verbessern: Mit solchen Zielen gründete der Facebook-Chef seine wohltätige Organisation. Aber mittlerweile nimmt er sich zunehmend politischer Themen an.

          Vor knapp zwei Jahren sorgte Mark Zuckerberg für einen Paukenschlag: Anlässlich der Geburt seiner ersten Tochter kündigte der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks Facebook an, im Laufe seines Lebens 99 Prozent der Aktien zu spenden, die er zusammen mit seiner Frau Priscilla Chan hält. Als Vehikel für seine wohltätigen Aktivitäten rief das Ehepaar die „Chan Zuckerberg Initiative“ ins Leben. Diese Organisation soll dazu beitragen, Erziehung zu verbessern, saubere Energien zu fördern und Krankheiten zu heilen. Wie so oft im Silicon Valley sind die Ziele sehr kühn: Zuckerberg und Chan haben zum Beispiel das Ziel ausgegeben, bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Krankheiten zu besiegen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In jüngster Zeit nimmt sich Zuckerbergs wohltätige Organisation aber auch mehr und mehr politischer Themen an, und dafür macht sie offenbar auch erhebliche finanzielle Mittel frei: Wie die Online-Publikation “Vice News“ jetzt schrieb, hat die Chan Zuckerberg Initiative 45 Millionen Dollar zugesagt, um Gruppen zu unterstützen, die für eine Reform des Gefängniswesens sowie für die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum kämpfen. Der Großteil dieser Summe sei in diesem Jahr geflossen. Zuckerbergs Organisation hat auch in Stellenausschreibungen bekundet, sie wolle verstärkt in Unternehmen investieren, die ihre politischen Initiativen unterstützen könnten.

          Sie hat außerdem mehrere prominente Mitarbeiter mit Verbindungen zur Politik rekrutiert. Beispielsweise David Plouffe, einstiger Berater des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama, der Anfang dieses Jahres angeheuert wurde, um sich um politische Themen zu kümmern. Oder Kenneth Mehlman, der George W. Bush in der Kampagne für seine Wiederwahl als amerikanischer Präsident 2004 unterstützt hat und jetzt in Zuckerbergs Gruppe auf ehrenamtlicher Basis ein Beratungsgremium für politische Fragen führt.

          Mit Blick auf Gefängnisreform geht es dem Ehepaar Chan-Zuckerberg darum, die Zahl der Inhaftierten in den Vereinigten Staaten zu senken. Hier sind mehr als zwei Millionen Menschen im Gefängnis, so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Zuckerbergs Gruppe unterstützt unter anderem die Organisation „Just Leadership USA“, die erreichen will, dass es 2030 nur noch halb so viele Menschen in amerikanischen Gefängnissen gibt wie heute. Im Bemühen um erschwinglichen Wohnraum gaben der Facebook-Chef und seine Frau Geld Geld an eine Institution der University of California in Berkeley, die auf die Entwicklung innovativer Konzepte auf diesem Gebiet spezialisiert ist. Sie investierten auch in ein Start-up-Unternehmen, das Lehrern bei der Anschaffung eigener Immobilien finanziell unter die Arme greift.

          Kampf für neue Einwanderungsgesetze

          Neben Gefängnisreform und Wohnungsbau steht auch Einwanderungspolitik, derzeit eines der politischen Zündstoffthemen schlechthin in Amerika, auf der Agenda des Paares. Es unterstützt zum Beispiel die einst von Zuckerberg mitgegründete Organisation „FWD.us“, die sich den Kampf für neue Einwanderungsgesetze auf die Fahnen geschrieben hat.

          Den politischen Aktivitäten des Ehepaares kommt die ungewöhnliche Struktur seiner Organisation zugute. Die Chan Zuckerberg Initiative ist keine traditionelle Stiftung, sondern eine „Limited Liability Company“, eine amerikanische Variante der deutschen GmbH. Mit dieser Organisationsform ist es einfacher, Lobbyarbeit zu betreiben. Außerdem erleichtert es, in gewinnorientierte Unternehmen zu investieren.

          Zuckerberg ist in jüngster Zeit immer wieder nachgesagt worden, er könnte selbst Ambitionen auf eine politische Position haben, womöglich sogar auf das Amt des amerikanischen Präsidenten. Er zeigt sich in der Öffentlichkeit zunehmend politisch und positionierte sich zum Beispiel im Frühjahr bei einer Rede an der Eliteuniversität Harvard als Gegenpol zur „America First“-Philosophie von Donald Trump.

          Ohne den Präsidenten beim Namen zu nennen, sprach er vom „Kampf unserer Zeit“, in dem „die Kräfte von Freiheit, Offenheit und globaler Gemeinschaft“ denjenigen von „Autoritarismus, Isolationismus und Nationalismus“ gegenüberstünden. Zuckerberg hat sich in diesem Jahr außerdem zum Ziel gesetzt, alle amerikanischen Bundesstaaten zu besuchen, in denen er noch nicht war. Er veröffentlichte Bilder von seinen Reisen und wirkte dabei wie ein Politiker, der auf einer Wahlkampagne durchs Land zieht. Zuckerberg selbst hat freilich wiederholt dementiert, dass er einmal amerikanischer Präsident werden will.

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