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Klage : Leg Dich nicht mit Klimaforschern an!

Ob das reicht? Eine Solaranlage in Boulder City in Nevada. Bild: AFP

Sonst droht die Klage. Ein Stanford-Forscher verklagt Kollegen und die Akademie der Wissenschaft wegen eines Aufsatzes auf zehn Millionen.

          2 Min.

          Wenn es um die Energiewende geht, verträgt der Professor  keinen Widerspruch. Mark Z. Jacobson, Energieexperte der Stanford-Universität, hat die Nationalakademie der Wissenschaft und einen Forscher auf die Zahlung von zehn Millionen Dollar Schmerzensgeld wegen übler Nachrede verklagt. Die Klage, die der Forscher Ende September bei einem Gericht in Washington eingereicht hat, wurde jetzt bekannt. Er fordert darin auch, die Institution soll einen wissenschaftlichen Aufsatz des verklagten Autoren, der in dem Wissenschaftsjournal PNAS der Akademie erschienen ist, zurückziehen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          In dem inkriminierten Papier  widerspricht der leitende Autor Christopher Clack der von Jacobson propagierten These, die Vereinigten Staaten könnten mit Sonnen- und Windenergie sowie mit Wasserkraft den gesamten Energiebedarf des Landes von ungefähr 2050 an günstig decken. Clacks Aufsatz nennt 20 weitere Co-Autoren, die gemeinsam zu dem Schluss kommen, dass Jacobsons Papier aus dem Jahre 2015 bedeutende Schwächen in der Analyse hat. Der Stanford-Wissenschaftler nutze ungeeignete Modelle, habe Fehler in den Modellen und ziehe unplausible und von seiner Forschung nicht gestützte Schlussfolgerungen.

          Jacobson beklagt, Clack und die Wissenschaftsakademie hätten wider besseres Wissen mit Absicht falsche Stellungnahmen veröffentlicht. Clack wies dagegen darauf hin, dass sein Aufsatz nicht nur dem strengen „peer review“- Prozess des Journals unterzogen worden sei, bei dem Jacobsons Kritik Berücksichtigung gefunden habe. Er sei überdies zweimal zusätzlich sorgfältig redigiert worden. Der Washington Post sagte Clack, er hätte sich gewünscht, Jacobson hätte den Konflikt in wissenschaftlichen Journalen ausgetragen statt in Gerichtssälen. Jacobson war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

          Jacobsohns Thesen sind in Mode

          Die Akademie hatte Jacobsons Antwort auf den kritischen Aufsatz auch veröffentlicht, konnte den Professor damit aber nicht beschwichtigen. Jacobsons Position, dass die Vereinigten Staaten sich allein mit Energie aus Wind, Sonne und Wasser versorgen kann, hat politisch Flügel bekommen. Der linke Demokrat Bernie Sanders hatte sich für die Idee stark gemacht, auch in Hollywood fand die These Anklang unter Schauspielern, die sich zwischen Drehterminen gerne ernsthaften Themen widmen, wie Leonardo diCaprio und Mark Ruffalo. Jacobsons Klage ist inzwischen auch von Forschern kritisiert worden, die mit seiner These sympathisieren. 

          Eine Rolle spielen auch Konflikte in der amerikanischen Umweltbewegung, für Jacobson eine wichtige Quelle ist. Eine lautstarke Gruppe glaubt, dass fossile Energie realistisch nur dann verschwinden kann, wenn  Atomkraft ausgebaut wird. Der von Jacobson vorgeschlagene Ausbau der Wasserkraft bringe große ökologische Schäden.

          Jacobson muss sich trotzdem nicht alleine mit seiner Klage fühlen: Michael Mann, bekannter Klimaforscher, hat ebenfalls Klage gegen einen missliebigen Text und seinen Autoren eingereicht, über die noch vor einem Gericht in Washington zu entscheiden ist. Darin geht es um einen Kommentar des kanadischen Autors Mark Steyn, dessen Blog unter Skeptikern der These, dass Menschen den Klimawandel bewirken, viele Anhänger hat. Mann ist weltbekannt geworden für die Darstellung des in der Wissenschaft umstrittenen Hockey-Stick-Effekts bei der globalen Temperaturentwicklung, demzufolge das Klima nach langer gradueller Abkühlung plötzlich deutlich wärmer wird. Steyn hatte die Darstellung in einem Kommentar betrügerisch genannt.       

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