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Erst rettete er den Euro, jetzt soll er das Kunststück mit Italien wiederholen: Ex-EZB-Chef Mario Draghi Bild: AP

Mario Draghi in Italien : Sind Technokraten die besseren Politiker?

Der frühere EZB-Chef Mario Draghi ist der vierte Ökonom, der Italien als Regierungschef aus der Krise führen soll. Es gibt gute Gründe für ein Experten-Kabinett – aber auch manche dagegen.

          7 Min.

          Wenn in einem Land die Wirtschaft darniederliegt und den Politikern nichts mehr einfällt, taucht oft ein Außenseiter auf. Ein charismatischer Anführer tritt vor das Volk, hält eine flammende Rede, verbreitet erst Hoffnung, dann Zuversicht, dass sich alles zum Guten wendet. In Italien ticken die Uhren anders. Da wird ein alter Mann in dunklem Maßanzug zum Präsidenten gerufen und bekommt den Auftrag, eine neue Regierung unter seinem Vorsitz aufzubauen. Was ihn qualifiziert? Er ist Experte, in der Regel ein Ökonom. Macht ihn das auch zum Richtigen für diesen Job?

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.

          In diesen Tagen trägt dieser Mann einen prominenten Namen: Mario Draghi, der Wirtschaftsprofessor, der fünf Jahre an der Spitze der italienischen Zentralbank und weitere acht Jahre Präsident der EZB war, hat kein Parteibuch und hat auch nie eine demokratische Wahl gewonnen. Und trotzdem hat der 73-Jährige die Mehrheit des Parlamentes hinter sich versammelt. Selbst die Linkspopulisten der Fünf-Sterne-Bewegung und die rechte Lega stehen an seiner Seite. Man stelle sich das alles mal in Deutschland vor: Jens Weidmann soll auf Wunsch von Frank-Walter Steinmeier Bundeskanzler werden und ein neues Kabinett bilden, und alle Parteien, inklusive der AfD, finden das okay.

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