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Maria Furtwängler : Gesicht mit Botschaft

Ansehnlich: Der stolze Ehemann, die Schauspielerin und eine interessierte Bundeskanzlerin Bild: dpa

Schauspielerin Maria Furtwängler hat nichts gegen Schönheitsoperationen, wie sie sagt. M wie Marke – das Initial ihres Vornamens passt rein zufällig zum neuen Werbevertrag, den sie abgeschlossen hat.

          M wie Marke – das Initial ihres Vornamens passt rein zufällig zum neuen Werbevertrag, den Maria Furtwängler abgeschlossen hat. Und doch zeigt ihr Auftritt als Markenbotschafterin des französischen Kosmetikriesen L’Oréal deutlich, welchen Karriereweg die 41 Jahre alte Schauspielerin mittlerweile gegangen ist. Denn längst hat sie sich selbst ein unverwechselbares Profil in der deutschen Medien-Öffentlichkeit zugelegt, dem sie es verdankt, in einer Kampagne zu stehen neben amerikanischen Kolleginnen wie Andie MacDowell, Penélope Cruz und Jane Fonda. In Deutschland prägten bislang Iris Berben und Topmodell Claudia Schiffer das Erscheinungsbild des Konsumgüterherstellers. „Charakter“ habe Maria Furtwängler, freut man sich in der Düsseldorfer Niederlassung über den Werbecoup. Ein Attribut, das der attraktiven Bayerin zu Beginn der Karriere so mancher absprach.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die blonde Bayerin stammt aus einer Künstlerfamilie, ihr Großonkel war der Dirigent Wilhelm Furtwängler. Als Kind stand sie bereits vor der Kamera, spielte während des Medizinstudiums in der Vorabendserie „Die glückliche Familie“. Anschließend praktizierte sie einige Zeit in München, ehe sie sich eingestand, dass die Schauspielerei doch mehr als eine Nebenbeschäftigung ist, und gab den Beruf als Ärztin auf. Der Durchbruch vor der Kamera gelang ihr 2002 mit der Rolle der „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm. Die erste Folge sahen 10 Millionen Zuschauer. Gegen einige Widerstände auch innerhalb der Sendeanstalt NDR hatte die Fernsehfilmchefin Doris Heinze sie damals durchgeboxt, mit der sie bis heute engen Kontakt pflegt.

          Vitamin B wie Burda

          In der Szene machten Vermutungen die Runde, es seien weniger ihre schauspielerischen Fähigkeiten, die Furtwängler die begehrte Rolle eingebracht hätten, als vielmehr eine gehörige Portion Vitamin B – B wie Burda; der Name ihres Mannes, des einflussreichen Verlegers Hubert, mit dem sie seit 1991 verheiratet ist. Dank dessen Zeitschriftenimperium sei sie auch gegen Verrisse und Klatschgeschichten in anderen Blättern gefeit, wird vermutet.

          Maria Furtwängler, wie das Kosmetikunternehmen sie sieht

          Fakt ist jedoch, dass Tatort-Krimis Marke Furtwängler in der ARD als sichere Bank gelten, was die Einschaltquoten angeht. Die Rolle der Kommissarin gestaltet Furtwängler maßgeblich mit, wie sie selbst erzählt. Ihr Einfluss sei ungewöhnlich groß, berichten Branchenkenner, auch das bringt ihr unter Kollegen und Autoren nicht nur Freunde ein. Die impulsive Darstellerin kümmert das wenig, sie hat Spaß am Gestalten: Wenn die kühle Charlotte langweilig zu werden droht, bekommt sie kurzerhand einen Liebhaber auf den Leib geschrieben, wird anschließend schwanger.

          Ihren letzten Fall hat sie als Kommissarin in Elternzeit mit feinem Gespür gelöst. Und ihre leibliche Mutter Kathrin Ackermann gibt gleichzeitig auch die Fernsehmama Lindholm. Dass Maria Furtwängler auch das Zeug zur Charakterdarstellerin besitzt, bewies sie mit dem Weltkriegsdrama „Die Flucht“. Als Lena Gräfin von Mahlenberg führt sie in dem Zweiteiler einen Flüchtlingszug aus Ostpreußen heraus und die ARD zu imposanten Marktanteilen nahe 30 Prozent. Der Film räumte anschließend beim Deutschen Fernsehpreis ab, Furtwängler erhielt die Auszeichnung als beste Schauspielerin – allerdings für ihre Rolle als Kommissarin. Längst gehört Maria Furtwängler zur Standardbesetzung großer Film- und Mediengalas. Mit ihrer offenen und direkten Art soll sie schon den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton begeistert haben.

          Vergleiche mit Liz Mohn

          Eine noch größere Rolle könnte die Schauspielerin mittelfristig auch abseits des Drehorts spielen. Denn ihr Mann ist bereits 68 Jahre alt, und die beiden gemeinsamen Kinder des Paares sind noch im Teenageralter. Im Familienunternehmen Burda könnte sich deshalb mittelfristig ein Nachfolgelücke auftun. Seit Jahren wird in der fabulierfreudigen Medienbranche darüber spekuliert, Furtwängler könnte wachsenden Einfluss auf den Verlag bekommen. Schon werden Vergleiche mit Bertelsmann gezogen, wo schon seit Jahren Liz Mohn, die resolute Ehefrau des Patriarchen Reinhard Mohn, das Sagen hat. Aufmerksam registrieren Beobachter, dass die Schauspielerin mittlerweile häufiger als früher auf den Branchenkongressen der Medienindustrie gesehen wird. Es wäre eine weitere Karriere für Furtwängler: Burda, ein Unternehmen mit 7000 Mitarbeitern und mehr als 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz, ist mit Blättern wie „Focus“ und „Bunte“ das drittgrößte deutsche Zeitschriftenhaus. Damit würde Maria Furtwängler in ihrer Karriere noch einmal Neuland betreten.

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