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Manufaktur Shorokhoff in Alzenau : Uhrmacherkunst aus zwei Welten

Alexander Shorokhov in seiner Uhrenmanufaktur in Alzenau Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Alexander Shorokhov setzt in seiner kleinen Manufaktur in Alzenau auf einen eigenen Stil und „Made in Germany“. Ohne seine russischen Wurzeln zu verleugnen.

          Alexander Shorokhov hebt abwehrend die Hand und zeigt ein feines Lächeln. Nein, seine Wurzeln wolle er nicht verleugnen, versichert der Unternehmer aus Alzenau in Unterfranken. Das würde auch kaum klappen: Im Gespräch ist sein leichter russischer Akzent allgegenwärtig. Gleichwohl hat der 1960 in Moskau geborene sportlich-schlanke Mann mit dem Bürstenhaarschnitt seinen Betrieb vor sechs Monaten umbenannt und dabei seinen Namen eingedeutscht. Aus der Poljot V Uhrenvertriebsgesellschaft ist die Alexander Shorokhoff Uhrenmanufaktur geworden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mehr als eine Vertriebsfirma ist das Unternehmen aber schon vor dem Herbst 2010 gewesen. Denn seit Jahren verfeinern die Mitarbeiter unter anderem aus Russland gelieferte Rohwerke von Poljot oder Slava und fertigen Uhren nach den Vorgaben des Chefs. Am Anfang der Geschichte des Unternehmers Shorokhov steht tatsächlich ein Vertriebsbüro. Nachdem er in Moskau das IngenieursStudium abgeschlossen hatte, fing er in einem Bauunternehmen an. Shorokhov stieg alsbald zum Chefingenieur auf, später zum Direktor des Unternehmens. Zugleich lotste ihn die Kommunistische Partei in den Bezirksrat von Moskau. Dort lief ihm der Leiter der traditionsreichen Fabrik Poljot über den Weg.

          Zunächst blieb es bei der Bekanntschaft mit dem Chef des Uhrenkonzerns - auch weil Shorokhov 1991 vom damaligen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow nach Deutschland geschickt wurde. Als einer von 20 „progressiven“ Jungmanagern sollte er sich in Hessen mit der Marktwirtschaft vertraut machen. Danach bot ihm der Poljot-Chef an, in Deutschland einen Vertrieb für die Marke aufzubauen, die zwar im Osten Deutschlands verbreitet gewesen war, aber nicht im Westen. Der Umworbene hatte bis dahin mit Uhren nach eigenem Bekunden zwar nicht viel am Hut gehabt, nahm die Offerte aber an.

          „From Alzenau with Love“

          1992 gründete Shorokhov in Frankfurt die Poljot V Uhrenvertriebsgesellschaft, deren Sitz er später nach Alzenau verlegte. Im Stadtbild der unterfränkischen Kommune fällt das Unternehmen kaum auf. Wer die Adresse nicht kennt, läuft daran vorbei: Es nimmt mehrere Stockwerke in einem barock anmutenden hellen Haus mit Schmuckelementen aus rotem Sandstein ein - nur das Klingelschild deutet auf das Unternehmen hin. Drinnen arbeitet eine Handvoll Uhrmacher an Produkten der Marken Poljot International und Basilika, die der Chef selbst gestaltet hat. Und sie fertigen Uhren seiner Marke Alexander Shorokhoff, des jüngsten Zweigs des Unternehmens.

          Die Namensänderung bezeichnet der Gründer und Gesellschaft als „technische Sache“ - doch stecke mehr dahinter, wie er hinzufügt. Das Unternehmen wolle mit diesem Schritt seine neue Strategie verdeutlichen. Shorokhoff will die Uhren aus seiner Manufaktur mehr auf seine Person ausrichten und nicht mehr so sehr auf seine russischen Wurzeln und Zulieferer aus der alten Heimat. „Ich komme noch oft nach Russland und bleibe Russe, fühle mich aber in Alzenau zu Hause“, sagt er. Angesichts dieser Verbundenheit hat Shorokhov zu einem Doppeljubiläum der Kleinstadt eine lediglich dort vertriebene limitierte Uhr herausgebracht, in einer Stahl- und in einer Goldversion. Und eine Broschüre mit dem Titel „From Alzenau with Love“ beigefügt - in Anspielung auf das bisherige, an einen James-Bond-Film angelehnte Firmenmotto „From Russia with Love.“

          Eigenes Uhrwerke in Planung

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