https://www.faz.net/-gqe-6wwpq

Manroland : Konzern wird zerschlagen

  • -Aktualisiert am

Der im Insolvenzverfahren befindliche Druckmaschinenbauer Manroland hat in Offenbach nach 1900 Mitarbeiter, dort befindet sich auch der Firmensitz Bild: REUTERS

Der insolvente Druckmaschinenbauer Manroland wird in drei Teile aufgespalten. Die Pläne gehen mit einem massiven Stellenabbau einher.

          2 Min.

          Der insolventen Druckmaschinenbauer Manroland wird in drei neue Gesellschaften aufgespalten, die Lübecker Industriegruppe Possehl übernimmt dabei den Kernstandort Augsburg mit der Fertigung großer Rollenoffsetmaschinen für den Zeitungs- und Zeitschriftendruck. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Diese Entscheidung wurde im Gläubigerbeirat von Manroland einstimmig getroffen, hieß es am Abend. Der zweite große Standort Offenbach (Bogenoffsetmaschinen) soll zum 1. Februar in eine neue Gesellschaft eingebracht werden, an der leitende Vertriebsmanager von Manroland beteiligt werden. Hier bleibt der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider Mitbesitzer und Gesellschafter und wird die Suche nach Investoren fortsetzen.

          „Für Offenbach beginnt jetzt die zweite Runde aber auf einer gesicherteren Basis“, sagte Schneider. Dabei setze er auch auf die Hilfe des Landes Hessen in Form von Bürgschaften von 20 bis 25 Millionen Euro. Dazu gebe es Gespräche mit der hessischen Landesregierung. Das Konzept für Offenbach sei nun so gesichert, dass keine Verluste mehr entstehen, sagte Schneider. Jetzt könne auch weiter mit einem chinesischen Staatskonzern über den Kauf der Bogen-Produktion verhandelt werden. Ein chinesischer Staatskonzern habe Interesse am Gesamtkonzern Manroland gezeigt, aber die Entscheidungen hätten zu lange gedauert.

          Der dritte Standort Plauen, der ebenfalls als eigene Gesellschaft fungieren soll, wird mit einem langfristigen Liefervertrag an Augsburg angebunden. Possehl wolle sich auch an der dortigen Neugesellschaft beteiligen, dies sei aber noch nicht vertraglich gesichert. Darüber hinaus sei Plauen aufgefordert, „sich intensiv um Drittaufträge zu bemühen, und da gibt es auch gute Ansätze“, sagte Schneider.

          Höhere Abschlusssicherheit geboten

          Die Aufspaltung und Teilübernahme durch Possehl werde viele Arbeitsplätze kosten, räumte Schneider ein. Nach vorläufigen Plänen sollen in Augsburg 1500 Stellen verbleiben, in Offenbach 750 und in Plauen 290. Aktuell hat Manroland noch mehr als 6000 Beschäftigte. Der bisherige Konzernchef Gerd Finkbeiner soll von Possehl einen Beratervertrag erhalten, in Augsburg wird aber vorläufig der Possehl-Chef Uwe Lüders das Ruder übernehmen.

          Possehl erhielt in den Schlussverhandlungen den Vorzug vor dem amerikanischen Finanzinvestor Platinum Equity, der ein Angebot für den gesamten Manroland-Konzern abgegeben hatte. Die Possehl-Offerte habe eine wesentlich höhere Abschlusssicherheit geboten, sagte Schneider. Der Finanzinvestor habe auch kein Konzept vorgelegt, wie viele Menschen an den drei Standorten künftig beschäftigt werden sollten. Gegen Platinum dürften sich insbesondere die Vertreter der Gewerkschaft IG Metall und des Betriebsrats im Gläubigerausschuss gewehrt haben. Possehl dagegen habe mit der IG Metall bereits eine Sanierungsvertragsvereinbarung geschlossen, die auch eine Beteiligung der Mitarbeiter an künftigen Gewinnen vorsieht, sagte der Insolvenzverwalter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.