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Mannesmann-Prozeß : Prämien waren „das kleinste Problem“

  • Aktualisiert am

Deutsche-Bank-Chef Ackermann und seine Anwälte Kempf (l.) und Volk (re.) Bild: dpa

Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone haben nach Aussage des Deutschland-Chefs von Goldman Sachs, Dibelius, die umstrittenen Prämien keine Rolle gespielt.

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          Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone haben nach Aussage des Deutschland-Chefs der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, die umstrittenen Prämien keine Rolle gespielt. Die Verteidiger im Mannesmann-Prozeß wehren sich unterdessen gegen die Ausweitung der Anklage.

          Dibelius, der als Vodafone-Berater im Übernahmekampf engagiert war, sagte am Mittwoch als Zeuge vor dem Düsseldorfer Landgericht, der britische Mobilfunkkonzern sei in der Schlußphase des Übernahmekampfes überzeugt gewesen, die Oberhand gewonnen zu haben. Dennoch sei das Unternehmen an einer freundlichen Übernahme interessiert gewesen.

          Problem der „echten Kontrolle“

          „Eine feindliche Übernahme hätte eine relativ häßliche, rechtlich dominierte Geschichte werden können“, sagte der 44jährige Investmentbanker. Denn das Mannesmann-Management hätte Vodafone noch Monate lang Knüppel zwischen die Beine werfen können.

          Das Kernproblem sei damals gewesen, „echte Kontrolle“ über den Mannesmann-Konzern zu erlangen und die verschiedenen nationalen Aktienrechte unter einen Hut zu bringen. Die Berater hätten ständig diskutiert, ob Mannesmann noch „ein Kaninchen aus dem Hut zaubern“ könne.

          Deshab sei es das Vodafone-Interesse gewesen, Esser und sein Team zumindest für eine Übergangszeit an Bord zu halten und ihre Unterstützung zu gewinnen. In dieser Situation wäre es nach Meinung des Branchenkenners „absolut natürlich gewesen“, den Topleuten einschließlich Esser Bleibeprämien zu zahlen.

          Dennoch seien finanzielle Zuwendungen seines Wissens nie Teil der Verhandlungsmasse beim Übernahmepoker gewesen. Mögliche Kompensationen für das Mannesmann-Team waren „unser kleinstes und letztes Problem“, sagte Dibelius.

          Anwälte versuchen Ausweitung der Anklage zu verhindern

          Klaus Volk, Anwalt des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann, und Jürgen Welp, Anwalt des ehemaligen Mannesmann-Vorstands Klaus Esser, betonten, eine Ausweitung der Anklage sei schon aus rechtlichen Gründen unzulässig, da den Angeklagten de facto neue Taten zur Last gelegt würden. Ähnlich argumentierten die Verteidiger der übrigen Angeklagten.

          Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche angesichts des sich abzeichnenden Freispruch der Angeklagten beantragt, nachträglich auch einige weniger schwerwiegende Tatvorwürfe in das Verfahren einzubeziehen. Dazu gehört etwa die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft unzulässig Vergabe von Prämien in Höhe von 11,5 Millionen Euro an Nicht-Vorstandsmitglieder.

          Vor dem Düsseldorfer Landgericht müssen sich neben Esser und Ackermann auch der frühere Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie zwei weiteren Managern wegen des Vorwurfs der „gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall“ beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen laut Anklage die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.

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