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Mannesmann-Prozeß : Mannesmann-Richter rügen Zeugen für Gedächtnislücken

  • Aktualisiert am

Deutsche-Bank-Chef Ackermann (re.) Bild: AP

Im Mannesmann-Verfahren will die Staatsanwaltschaft mit neuen Beweisanträgen einen sich abzeichnenden Freispruch für die angeklagten Top-Manager verhindern.

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          Der Mannesmann-Prozeß ist am Donnerstag zunächst wie geplant mit der Vernehmung von vier Zeugen fortgesetzt worden. Ein deutlich geringeres Zuschauerinteresse und eine ungewohnt entspannte Atmosphäre bei allen Beteiligten waren aber die Folge einer Zwischenbilanz, die die Strafkammer am Vortag gezogen hatte.

          Demnach erwarten die Richter keine Verurteilung der sechs Angeklagten mehr. Die Staatsanwaltschaft erklärte sich davon weiterhin "überrascht" und begründete damit, daß sie noch keine Erklärungen abgeben oder Anträge stellen könne. Damit waren ihre Sitzungsvertreter allerdings auch bisher ausgesprochen zurückhaltend.

          Richterin mißtraut ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsräten

          Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer machte ungewöhnlich deutlich, daß sie den Aussagen insbesondere der früheren Aufsichtsratsmitglieder von der Arbeitnehmerbank mißtraut. Diese berufen sich in dem Prozeß teilweise so weitgehend auf Erinnerungslücken, daß Koppenhöfer am Mittwoch einen Zeugen mit der Aufgabe nach Hause schickte, sich vor seiner nächsten Vorladung noch einmal seine früheren Aufzeichnungen durchzulesen. Der Mann - inzwischen freigestellter Betriebsrat - wollte sich nicht einmal mehr daran erinnern können, wann er überhaupt dem Aufsichtsgremium von Mannesmann angehört hatte.

          Auch am Donnerstag machte das Gericht Arbeitnehmervertreter nachdrücklich auf ihre Pflicht aufmerksam, ihr Gedächtnis zu "strapazieren", um sich keines Aussagedelikts strafbar zu machen. "Das hier ist kein Prozeß über einen Verkehrsunfall", wies Koppenhöfer einen früheren Aufsichtsrat zurecht. Auch fragte sie, ob die Arbeitnehmervertreter sich vor der Hauptverhandlung untereinander abgesprochen hätten.

          Ihre Fragen zielen immer wieder darauf, wie es nach der Übernahme zu einer Presseerklärung der IG Metall mit falschen Angaben gekommen war und ob Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Arbeitnehmer falsch informiert hatte. Dies hat der damalige Vertreter der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat vor Gericht ausgesagt.

          Essers Anwalt legt neues Rechtsgutachten vor

          Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Ralph Wollburg, der den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser in dessen Zivilklage auf Schadensersatz und Schmerzensgeld wegen der Strafverfolgung durch das Land Nordrhein-Westfalen vertritt, stellte derweil ein neues Rechtsgutachten vor. Demnach verstießen die nachträglichen Mannesmann-Prämien nicht gegen das Interesse des Unternehmens, sagte Wollburg.

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