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Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit : OECD fordert von Frankreich mehr Reformen

Heikle Schulwahl: Die Schüler von Elitegymnasien machen Karriere, andere haben es später schwer. Bild: REUTERS

Die Lohnstückkosten steigen weiter, die Sozialabgaben zählen zu den höchsten der Welt. Das Bildungssystem zementiert die sozialen Unterschiede. Jetzt mahnt die OECD die Regierung in Paris, endlich Strukturreformen einzuleiten.

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          Frankreich habe wichtige Reformen auf den Weg gebracht, müsse aber zur Modernisierung seiner Wirtschaft noch ehrgeiziger werden und schneller voranschreiten. Diesen Aufruf richtete der OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Mittwoch bei der Vorlage eines Berichts über die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs an die Regierung in Paris. Als wichtige Baustellen nannte er unter anderem das Bildungswesen sowie den Arbeitsmarkt, der zwischen Beschäftigten mit hohem Kündigungsschutz sowie solchen mit geringer Absicherung gespalten sei.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit forderte der Generalsekretär vor allem dazu auf, die Steigerung der Lohnstückkosten einzudämmen. „An dieser Messgröße lassen sich die Anstrengungen eines Landes direkt ablesen“, sagte Gurria. Spanien, Griechenland, Portugal und Irland hätten seit der Euro-Krise ihre Lohnstückkosten gesenkt – nicht aber Frankreich und Italien. Auch in Deutschland steigen sie wieder, allerdings nach jahrelanger Stagnation von einem deutlich niedrigeren Niveau aus. „Die französische Wirtschaft verliert auf den Weltmärkten mehr Marktanteile als alle anderen Länder des Euroraums mit Ausnahme von Italien“, warnte der OECD-Ökonom Hervé Boulhol.

          OECD-Generalsekretär Angel Gurria

          Die Lohnkosten übersteigen die Produktivität in Frankreich seit vielen Jahren. Besonders stark waren die Anstiege Ende der neunziger Jahre, dann aber auch wieder seit 2009, berichtet die OECD. Dafür macht sie die Tarifpartner und die Regierung verantwortlich. Die Sozialabgaben, die Arbeitgeber für ihre Beschäftigten abführen, seien die höchsten unter den 34 OECD-Ländern, erklärte Boulhol. Die Ökonomen der OECD räumen ein, dass eine Senkung der Lohnstückkosten den für das Wachstum wichtigen Konsum der Haushalte einschränken würde. Doch die Regierung müsse sich entscheiden zwischen einer auf den kurzfristigen Erfolg orientierten Politik und langfristigen Strukturreformen. Die OECD plädiert für dauerhafte Strukturreformen.

          „Die Arbeitskosten im Niedriglohnbereich sind noch zu hoch“

          Für die hohen Lohnstückkosten macht die Organisation auch den hohen staatlichen Mindestlohn verantwortlich, der in Frankreich um 80 Prozent über dem Durchschnitt der OECD liegt. Länder wie die Niederlande und Australien hätten noch höhere Mindestlohnkosten, doch für die jungen Arbeitnehmer herrschten in diesen Ländern Ausnahmen. In Frankreich dagegen litten besonders die vielen Schulabbrecher unter dem einheitlich hohen Mindestlohn.

          „Die Arbeitskosten im Niedriglohnbereich sind noch zu hoch, um die Nichtqualifizierten anzustellen“, heißt es in dem OECD-Bericht. 150.000 junge Menschen verlassen jährlich das französische Bildungssystem ohne jeden Abschluss. Die OECD kritisierte die wachsende Spreizung. Am oberen Ende würde eine kleine Zahl von Absolventen der „Grandes Ecoles“ Karriere machen, doch gleichzeitig blieben viele Junge auf der Strecke. 16,6 Prozent der Franzosen zwischen 20 und 24 Jahren hätten heute gar keinen Schul- oder Berufsabschluss. Die berufliche Lehre sei nicht ausreichend verbreitet. Die Verlierer des Bildungssystems stammten dabei oft aus Familien, deren Eltern bereits zu den Benachteiligten gehörten.

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