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Managergehälter : Vorstände achten zunehmend auf Fixgehalt und Pensionen

Top-Verdiener 2011: VW-Chef Martin Winterkorn Bild: dapd

Die durchschnittliche Vergütung der Dax-Vorstände ist einer neuen Studie zufolge im vergangenen Jahr um fast acht Prozent auf 3,14 Millionen Euro gestiegen. Damit erhalten die Manager rund das 54-Fache eines gewöhnlichen Angestellten.

          Die Bezüge von Deutschlands Top-Managern kennen nach Meinung von Aktionärsschützern vor allem eine Richtung: die nach oben. Um 7,9 Prozent stieg die durchschnittliche Vergütung in den Dax-30-Vorständen im vergangenen Jahr, auf nunmehr 3,14Millionen Euro, heißt es in einer am Dienstag vorgestellten Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München. Damit erhalten die Manager rund das 54-Fache eines gewöhnlichen Angestellten.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Zwar stünden den gestiegenen Bezügen vielfach auch gestiegene Gewinne gegenüber. Doch nicht immer gebe es einen Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Bezahlung: So habe etwa die Lufthansa im vergangenen Jahr die Fixgehälter um 40 Prozent erhöht. Dies gleiche einen Teil der Rückgänge in der variablen Vergütung aus, die durch die schlechte Geschäftsentwicklung entstanden seien. Nach außen sende das Unternehmen damit kein gutes Signal, hieß es.


          „Alle wollen ein höheres Fixgehalt“, fasste DSW-Präsident Ulrich Hocker die Begehrlichkeiten von Deutschlands Managern zusammen. Im Mittel stiegen die Fixgehälter 2011 um 4,4 Prozent auf 882.000 Euro. Dies verspreche nicht nur mehr Sicherheit in unsicheren Bonus-Zeiten – es diene auch dem Ziel, die Grundlage für spätere Pensionszusagen zu erhöhen. „In den Vertragsverhandlungen haben die Pensionen mittlerweile einen Stellenwert, wie ihn früher die Aktienoptionen hatten“, sagte Hocker. Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne erhielten zuletzt Pensionszusagen von jährlich 638000 Euro.

          Aktionärsschützer fordern Obergrenze

          Nach Ansicht der Aktionärsschützer sollten die Unternehmen nicht nur diese Zahlen deutlicher machen. Auch sollte jedes Unternehmen eine Obergrenze beziffern, auf die ein Gehalt bestenfalls steigen kann. Vorstandsbezüge von mehr als 10 Millionen Euro im Jahr seien eine Gefahr für den sozialen Frieden im Land, sagte Hocker. Im vergangenen Jahr schoss Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit 16,6 Millionen Euro weit darüber hinaus, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann blieb mit 9,5 Millionen Euro nur knapp darunter. Auch hinsichtlich der Einmalzahlungen für den Fall, dass ein Vorstand vorzeitig ausscheidet, sei mehr Transparenz und Maßhalten empfehlenswert.

          Zum wiederholten Mal sprach sich die DSW dafür aus, für Vergütungsberichte einen einheitlichem Standard vorzugeben, damit diese besser vergleichbar würden. Lob gab es für die Vorstände der M-Dax-Konzerne. Dort sanken die Bezüge aller Vorstandsmitglieder 2011 im Schnitt um 1,7 Prozent. Die Regeln seien klarer und es gebe weniger Ausweichbewegungen hin zu anderen Gehaltskomponenten.

          Im internationalen Vergleich liegt die Vergütung der deutschen Konzerne im oberen Mittelfeld. Vorstandschefs hierzulande kamen 2011 auf durchschnittlich 5,1 Millionen Euro. In Frankreich zahlten Konzerne ihren Vorstandsvorsitzenden 3,4 Millionen Euro, in der Schweiz 4,9Millionen Euro. Die durchschnittliche Jahresvergütung der Konzernlenker im amerikanischen Dow-Jones-Index betrug dagegen umgerechnet 12,1 Millionen Euro.
           

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