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Ex-Vorstände im Aufsichtsrat : Vom Chef zum Oberkontrolleur

Auch der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche wollte nach seinem Abtritt eigentlich noch an die Spitze des Aufsichtsrats rücken. Erst nach Protesten von Investoren nahm Zetsche von der Idee Abstand. Bild: EPA

Viele Vorstandsvorsitzende rücken nach ihrer aktiven Zeit noch gerne an die Spitze des Aufsichtsrats desselben Unternehmens. Doch dieser Werdegang verliert an Glanz.

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          Noch immer ist es eine für Spitzenmanager typische Karriere: Ehemalige Vorstandsvorsitzende wechseln nach der vorgeschriebenen zweijährigen „Abkühlphase“ an die Spitze des Aufsichtsrats. Allerdings werden solche Wechsel seltener: Der Anteil der Aufsichtsratsvorsitzenden im deutschen Leitindex Dax, die zuvor auch Vorstand desselben Unternehmens waren, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das geht aus einer Auszählung der Personalberatung Spencer Stuart hervor. Im Jahr 2020 war nur noch jeder dritte amtierende Aufsichtsratschef (33 Prozent) zuvor Vorstand im selben Unternehmen, im Jahr 2016 waren es noch 43 Prozent, im Jahr 2012 mit 47 Prozent sogar noch fast die Hälfte. „Die Zahl der Eigengewächse im Aufsichtsrat wird weiter zurückgehen“, prophezeit Ralf Landmann, der Deutschlandchef der Personalberatung, der als Headhunter für Unternehmen geeignete Kandidaten finden muss.

          Tatsächlich drängen Investoren und Stimmrechtsberater immer stärker auf unabhängige Aufsichtsräte, die ohne Beißhemmung und ohne Rücksicht auf alte Seilschaften dem Management harte Fragen stellen können. Den Gegenwind von Investoren bekam zuletzt der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche zu spüren. Er scheiterte mit seinem ursprünglichen Plan, nach dem Ende seiner aktiven Managerlaufbahn und vor der Rente noch an die Spitze des Daimler-Aufsichtsrats zu wechseln.

          Technologie und Digitalkompetenz gesucht

          So war es lange Zeit eigentlich verabredet. Doch nach massivem Widerstand von Investoren, die einen echten Neuanfang für den Stuttgarter Autohersteller forderten und nicht wollten, dass Zetsche seinen Nachfolger Ola Källenius kontrolliert, machte Zetsche einen Rückzieher und kündigte an, den Posten doch nicht mehr anzustreben. Stattdessen soll im Frühjahr nun Bernd Pischetsrieder an die Spitze des Daimler-Aufsichtsrats gewählt werden, früherer Vorstandsvorsitzender von BMW und Volkswagen.

          Dass die Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat desselben Unternehmen seltener werden, dafür gibt es laut Landmann noch zwei weitere Gründe: Um die digitalen Umbrüche der Geschäftsmodelle bewältigen zu können, sei sektorfremde Expertise in den Kontrollgremien sehr gefragt. „Viele Unternehmen suchen Kandidaten, die Erfahrungen aus anderen Branchen einbringen können“, sagt der Headhunter, gerade Technologie und Digitalkompetenz seien gesucht, damit die Kontrolleure die Digitalstrategie des Vorstands nicht nur verstehen, sondern auch kompetent hinterfragen könnten. Zudem hätten viele deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren Altersgrenzen für ihre Vorstände und Aufsichtsräte eingeführt: „Ehemalige Vorstandsvorsitzende stoßen schnell an diese Altersgrenzen.“

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