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Rhetorik : Welcher Manager redet am besten?

Mit Helm: Telekom-Chef Höttges spricht auf der Hauptversammlung im Mai 2018. Bild: dpa

Sprachwissenschaftler haben mit ihren Studenten die Reden der deutschen Spitzenmanager auf den Hauptversammlungen untersucht. Die Chefs der Autohersteller schnitten schlecht ab - bis auf einen.

          2 Min.

          Lob für Ihre rhetorischen Fähigkeiten bekommen deutsche Spitzenmanager selten. Jetzt darf sich der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges freuen. Laut einer Untersuchung der Technischen Universität Dresden ist er der beste Redner zumindest unter den Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Unternehmen. Er verwende viele Beispiele und „griffige Metaphern“. Er könne auch „Anekdoten geschickt integrieren“, zudem spreche er „authentisch und lebendig“. Insgesamt beeindrucke Höttges durch ein einen „temperamentvollen Redevortrag“ und ein „rhetorisches Feuerwerk“ loben die Forscher, die zum dritten Mal die Reden der deutschen Spitzenmanager auf den Hauptversammlungen untersucht haben. Höttges nutze eine Fülle rhetorischer Mittel wie Anaphern, Triaden, Metaphern und Klimaxe.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bewertet wurden von den drei Sprach- und Literaturwissenschaftlern und ihren Studenten unter anderem Verständlichkeit, roter Faden, Redeeröffnung, Abwechslung, Spannung, Humor, Stilistik, Inszenierung, Reaktionsfähigkeit und Redeschluss. Außerdem untersuchten sie die mediale Aufbereitung der Reden für Zuhörer und Zuschauer im Internet.

          Neben Höttges überzeugten auch der Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart und Daimler-Chef Dieter Zetsche. Bei Degenhart lobten die Germanisten eine „abwechslungsreiche Dramaturgie“. Er könne sehr glaubhaft seine persönliche Verbundenheit mit dem Unternehmen vermitteln. Seine Mimik und Gestik wirke allerdings „eher gemütlich als aufmunternd und visionär“, urteilten die Sprachwissenschaftler. Punkten konnte der Continental-Chef aber mit der Inszenierung seiner Rede auf der Bühne und dem passenden Lichtdesign.

          Conti-Chef Elmar Degenhart präsentiert einen Roboter auf der Hauptversammlung
          Conti-Chef Elmar Degenhart präsentiert einen Roboter auf der Hauptversammlung : Bild: dpa

          Zetsche lobten sie ebenfalls für seine überdurchschnittliche Verständlichkeit. Von den Spitzenmanager der großen deutschen Autohersteller schnitt er mit großen Abstand am besten ab. Beachtenswert sei, dass Zetsche, obwohl er für einen Automobilhersteller spreche, nicht die kommunikativen Fehler machen würde, die BMW-Chef Harald Krüger und VW-Chef Herbert Diess unterliefen. Die beiden schnitten in der Untersuchung besonders schlecht ab – etwa wegen Schuldzuweisungen an andere, aber auch wegen fehlender Verständlichkeit.

          Dieter Zetsche
          Dieter Zetsche : Bild: dpa

          Krüger, der in der Rangliste den letzten Platz belegte, könne nur wenig überzeugen, wenn es darum geht, Zusammenhänge genauer zu erklären: Die Erfolge seines Unternehmens würden zwar in der Rede durchaus formuliert, doch wegen Mimik, Gestik und Sprechweise gelinge es Krüger nicht, die Erfolge auch „erlebbar“ zu machen. Weil er sich im Diesel-Betrug nicht mitverantwortlich fühle, arbeite er „mit Rechtfertigungen und Bemäntelungen“, was die Forscher rhetorisch gar nicht goutierten.

          Harald Krüger auf der BMW-Hauptversammlung
          Harald Krüger auf der BMW-Hauptversammlung : Bild: dpa

          VW-Chef Diess hat im Diesel-Skandal ohnehin die schlechteste Ausgangslage, kommt aus der Rolle aber kaum raus. Er arbeite zwar mit aufmunternden Stilmitteln, spreche sachlich und beteure, dass VW „anständiger“ werden müsse, doch er könne den Erfolgskurs nicht „glaubhaft übermitteln“.

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