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Manager : Die Versager

  • -Aktualisiert am

Nach außen geschlossen: Kritik aneinander äußern deutsche Manager kaum Bild: dpa

Wissen die Manager nicht, was sie gesellschaftspolitisch anrichten? Warum geißeln die guten die schlechten höchstens unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Weil das Bestrafungssystem in der Kaste ein anderes ist.

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          Wissen die Manager denn nicht, was sie gesellschaftspolitisch anrichten? Sehen die guten Manager nicht, dass die Minderheit der schlechten die Mehrheit der guten in den Abgrund führt, dass die Manager in einer Demokratie Gefahr laufen, den Boden unter den Füßen zu verlieren? Scheinbar ungerührt stecken Manager alle Schläge weg, die in Zeiten wie diesen auf die Kaste einprasselt, frei nach dem Motto: „Alle in einen Sack, der Knüppel trifft schon den Richtigen.“

          Von außen betrachtet sind die Reihen der Manager fest geschlossen. Keiner schert aus, niemand geißelt das Fehlverhalten zum Beispiel von Thomas Middelhoff, der Arcandor ausgenommen hat. Aus den Führungsetagen der Wirtschaft hört man auch keine Kritik an dessen Nachfolger Karl-Gerhard Eick, der für sein sechsmonatiges, vergebliches Rettungsbemühen eine Rechnung über fünf Jahre ausgestellt hat. Selbst über nachweislich gescheiterte Manager wie Jürgen Schrempp (der mit Visionen von Daimler-Chrysler), Werner Seifert (der mit der Deutschen die Londoner Börse übernehmen wollte) oder Ron Sommer (der die Telekom-Aktie dem armen Kleinaktionär andrehte) verlieren aktive Manager kein schlechtes Wort. Ähnliches gilt für Manager, die mit der Staatsanwaltschaft um ihren Ruf und ihr Vermögen ringen wie Heinrich von Pierer, der als Herr der schwarzen Kassen bei Siemens gilt.

          Kritik nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit

          Sogar die wachsende Schar jener, die vor Gericht landen, wird von der eigenen Kaste allenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit kritisiert. Dazu zählen Klaus Zumwinkel, der neben dem Finanzamt auch die Postmitarbeiter getäuscht hat, Utz Claassen, der nach nicht einmal fünf Jahren beim Versorger EnBW als Mittvierziger um die Höhe seine Frührente streitet, oder Ulrich Schuhmacher, der als Rennfahrer von Infineon womöglich als erster früherer Dax-Vorstandsvorsitzender im Gefängnis landen könnte.

          Niemand in den Reihen der Manager geißelt sein Fehlverhalten: Thomas Middelhoff

          Die Liste der Versager, der Selbstbediener und der Kriminellen unter den Managern wird länger, während die Liste der Kritiker aus der Wirtschaft so gut wie leer bleibt. Was folgt daraus? Versagen die oft beschworenen Selbstheilungskräfte des Marktes auch hier? Nein, ganz im Gegenteil. Die Managerkaste reagiert, und zwar umgehend, hart und unerbittlich. Die Strafe besteht nicht darin, diejenigen öffentlich zu schmähen, die ohnehin schon am Pranger stehen, auch weil man selbst mit Versagern nicht in Verbindung gebracht werden möchte.

          Lebenslange gesellschaftliche Ächtung

          Aber es gibt andere, empfindlichere Strafen. Die erste ist die Arbeitslosigkeit. Natürlich droht den Versagern nicht der Absturz auf Hartz IV. Doch sie bekommen in der Regel keine zweite Chance für eine Führungsaufgabe in der Wirtschaft. Man muss das nicht bedauern, darf aber vermerken, dass den Versagern außer nachrangigen Tätigkeiten als (Investoren-)Berater alle Türen verschlossen bleiben.

          Die zweite Sanktion ist die gesellschaftliche Ächtung, und die gilt ebenfalls lebenslang. Wer den ungeschriebenen Komment der Manager verletzt, der bekommt in dieser Gesellschaftsgruppe keinen Fuß mehr auf den Boden. Man mag als Außenstehender darüber lächeln, wenn Einladungen im Winter nach Kitzbühel oder im Sommer nach St-Tropez ausbleiben, weil man ohnehin nie eine bekommen hat und auch keinen Wert darauf legt. Aber für schwache Manager bilden Geld und gesellschaftliche Anerkennung den Mittelpunkt des eigenen Koordinatensystems. Doch wer allein aus persönlichem oder materiellem Ehrgeiz die Karriereleiter erklimmt, der hat sich auch nie einer echten unternehmerischen oder gesellschaftlichen Aufgabe gestellt.

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