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Müllexporte nach Südostasien : Der große Streit um tausende Tonnen Müll

Philippinische Zollbeamte untersuchen kanadischen Müll. Bild: Reuters

Südostasien wird vom Plastikmüll aus den Industrieländern überrollt. Malaysia will das nicht weiter hinnehmen. Und der philippinische Präsident drohte Kanada wegen des Mülls zwischenzeitlich sogar mit Krieg.

          3 Min.

          Nach Malaysia wollen nun auch die Philippinen Plastikmüll aus den Industrieländern an diese zurücksenden. Malaysia hatte schon zu Wochenbeginn angekündigt, den Kunststoffabfall nicht länger zu akzeptieren. In den vergangenen Jahren hatte sich das Land zudem gegen den radioaktiven Restmüll aus der Aufarbeitung seltener Erde aus Australien in einer Fabrik in Malaysia stark gemacht. Zeitgleich gehen Malaysia und Indonesien die Europäische Union aufgrund deren Verbot von Palmöl scharf an. Mit all diesen Entscheidungen beweisen die Länder Südostasiens ein rasch wachsendes Selbstbewusstsein dem Westen gegenüber.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hatte die Abfall-Debatte zu einem nationalen Notfall hochgespielt: Zwischenzeitlich drohte der lautstarke Präsident Kanada sogar mit „Krieg“, nähme es seinen Plastikmüll nicht zurück. Nachdem Manila seinen Botschafter aus Ottawa abgezogen hatte, erklärte sich Kanada bereit, die sechs Jahre alten Überreste in 69 Containern zu akzeptieren. Das Frachtschiff Bavaria machte sich nun mit 1500 Tonnen altem Plastikmüll von Subic Bay auf den Weg nach Vancouver. Deklariert als Plastikschrott, der sich wiederaufarbeiten lasse, enthielt der Müllberg in Wahrheit auch Haushaltsmüll, Elektroschrott, Windeln und medizinische Abfälle, die grundsätzlich abgelehnt werden. Duterte hatte öffentlich angekündigt, die Schiffsladung auf eigene Rechnung nach Kanada bringen zu lassen, um sie dort vor der Küste abwerfen zu lassen.

          Tonnenweise Plastik im Ozean

          Malaysia hatte zuvor angekündigt, 3000 Tonnen Plastikmüll nach Amerika, Australien, Kanada und Saudi-Arabien zurück zu senden. Dieser Müll sei nicht wiederaufzuarbeiten. „Müll wird gehandelt unter der Annahme, dass man ihn rezyklieren kann“, sagte Yeo Bee Yin, Malaysias Umweltministerin. Umweltgruppen, die seit Jahren gegen den „Müll-Tourismus“ Front machen, sehen die jetzigen Rücksendungen nur als Spitze des Eisbergs. Inzwischen haben die malaysischen Behörden weitere 265 Container mit herrenlosem Plastikmüll aus Hongkong, Kanada, Belgien, Amerika und auch Deutschland im Hafen Penangs gefunden. Ministerin Yeo erklärte, ihr Land sei “nicht die Müllkippe der Welt”. Sie fuhr fort: „Malaysier haben ein Recht auf klare Luft und sauberes Wasser und eine reine Umwelt, so wie die Bürger der entwickelten Länder.“ Die stark belasteten, illegal eingeführten oder verunreinigten Rückstände würden „gnadenlos‘“ zurückgesandt.

          „Asien-Pazifik ist das Epizentrum für die Verschmutzung der Gewässer mit Plastik. Sie belastet die Produktivität der Meereswirtschaft, die entscheidend zum Abbau von Armut ist“, sagte Takehiko Nakao, der Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) gerade. Zehn Ströme der Welt transportieren bis zu 95 Prozent des Plastiks in die Meere. Acht davon fließen in Asien. Mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Ozeanen – eine Lastwagenladung in jeder Minute. China, Indonesien, Vietnam und die Philippinen sind die schlimmsten Verschmutzer.

          Müll ist ein Politikum

          Neben dem eigenen Plastikabfall leiden die Länder Südostasiens auch durch eine Umleitung der Handelsströme: Denn bislang war China der größte Importeur von Müll der Industrieländer. Nach einem Einfuhr-Bann wurden bis zu 7 Millionen Tonnen Plastikmüll jährlich umgeleitet. Damit endeten immer größere Mengen statt in China in Südostasien. Thailand, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region, aber will ab 2021 keinen Plastikmüll mehr einführen. Im selben Jahr soll die Basler Konvention greifen, mit der die Vereinten Nationen das Verschiffen von Plastikabfall als Handel mit Giftmüll qualifiziert. Damit wird der Export deutlich erschwert werden. Sie war von Norwegen angeschoben worden, Amerika, als einer der großen Verursacher, hat sie aber nicht unterschrieben. Die Hälfte des gesamten amerikanischen Plastikmülls endet derzeit in Malaysia.

          Inzwischen ist der Müll ein Politikum: viele Beobachter glauben, Duterte habe Kanada nur zur Rücknahme gezwungen, weil Ministerpräsident Justin Trudeau zuvor die Verletzung der Menschenrechte durch den philippinischen Präsidenten angeprangert hat. Immerhin hatten Umweltschützer schon seit sechs Jahren erfolglos auf die Rücksendung gedrängt – die nun auf einmal ganz schnell ging. Auch wenn Europa noch nicht direkt angegangen wurde, erwarten viele, dass Indonesien oder Malaysia in sehr naher Zukunft auf den Müll aus Europa als Druckmittel zurückgreifen werden.

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