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Alan Greenspan wird 90 : Der Magier der Geldpolitik

Soll eine Wirtschaftskrise abgewendet und damit seine hohe Reputation an der Wall Street begründet haben: Alan Greenspan Bild: Reuters

Lange Zeit war er die überragende Persönlichkeit der Fed, jetzt feiert Alan Greenspan seinen 90. Geburtstag. Sein Ruhestand ist nicht so süß, wie er sein könnte.

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          Alan Greenspan ist besorgt. Nie habe es in seinem Leben so viele Ungewissheiten gegeben wie heute, sagte er jüngst zwei Reportern von Bloomberg TV. Solche Auftritte sind selten geworden. Der langjährige Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), der an diesem Sonntag 90 Jahre alt wird, führt heute ein ruhiges Leben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Er hat ein Büro in Washingtons Innenstadt ein paar hundert Meter vom Weißen Haus entfernt, wohnt aber mit seiner Frau, der Fernsehreporterin Andrea Mitchell, in dem Stadtteil Palisades. Gelegentlich sieht man ihn im Kino, etwa im Film „Der Unterhändler“, der im Berlin der fünfziger spielt. Darin tragen Männer dunkle Anzüge, die jenen gleichen, die Greenspan zu tragen pflegte. Auch seine abgewetzte lederne Aktentasche, die er stets dabeihatte, hätte prima in den Film gepasst.

          Seine Reputation hat schwer gelitten

          Alan Greenspans inzwischen raren Auftritte sind seinem Alter geschuldet. Es mag aber auch andere Gründe geben: Seine Reputation als Magier der Geldpolitik hat schwer gelitten. Seine größten Kritiker sehen in seiner Niedrigzinspolitik und seiner Unterstützung für die Deregulierung der Finanzindustrie die zentralen Ursachen für die Finanzkrise.

          Entscheidende Jahre für Greenspans Geldpolitik begannen nach 2001. Die amerikanische Wirtschaft schlitterte nach guten Jahren in eine Rezession. Die Konsumenten wurden vorsichtiger, Unternehmen zögerten Investitionen hinaus. Dann attackierten arabische Terroristen am 11. September 2001 das World Trade Center in New York und weitere Einrichtungen.

          Das versetzte die Wirtschaft in Schockstarre, binnen zwei Monaten gingen knapp eine Million Arbeitsplätze verloren. Greenspan senkte die Leitzinsen auf 1,75 Prozent im Dezember 2001 und danach auf ein Prozent, ein Niveau, das die Vereinigten Staaten in 46 Jahren nicht gesehen hatten. In den folgenden Jahren beließ die Fed die Leitzinsen auf dem Niedrigniveau, obwohl die Wirtschaft wieder ansprang. Noch vor der Finanzkrise traten Kritiker auf, die der Politik des billigen Geldes als Ursache die Blase auf dem Häusermarkt ansahen. Dass ein Platzen der Blase die Weltkonjunktur in die Depression schicken würde, hatten diese Kritiker nicht auf dem Plan.

          Er war die überragende Persönlichkeit der Fed

          Im Jahr 2004 reagierte Greenspan mit Leitzinserhöhungen, was an langfristigen Hypothekenzinsen kaum etwas änderte. Greenspans Zeit als Chef der Fed endete am 31. Januar 2006, knapp 20 Jahre nachdem der republikanische Präsident Ronald Reagan ihn im Jahr 1987 ins Amt gebracht hatte. Seine erste große Tat war es, die Leitzinsen deutlich nach unten zu setzen, als im Jahr 1987 die Börsenkurse einbrachen. Greenspan wendete, so zumindest geht die Deutung, damals eine Wirtschaftskrise ab und begründete damit seine starke Position und hohe Reputation an der Wall Street. Die weniger günstige Interpretation lautet, dass er im Finanzdistrikt die fatale Vorstellung verfestigt habe, er werde die Investoren schon raushauen, wenn die Kurse einbrächen.

          Greenspan war die überragende Persönlichkeit der Fed, es herrschte lange die Vorstellung, dass er die Geldpolitik allein nach eigenem Gutdünken bestimmte. Sein Nachfolger Ben Bernanke betonte nicht umsonst, dass er die geldpolitischen Entscheidungen von ökonomischen Daten abhängig mache. Greenspan muss seit der Finanzkrise mit Kritik leben, die seinen Ruhestand gewiss nicht versüßt.

          Der Kolumnist Paul Krugman wirft ihm vor, seine unselige Rolle in der Erzeugung der Krise nie eingeräumt zu haben. Ganz stimmt das nicht: Vor einem Senatsausschuss hat er zugegeben, sich getäuscht zu haben, was die Bereitschaft der Wall Street angehe, sich selbst zu regulieren. Zum Gesamtbild des Geldpolitikers gehört auch, dass in seiner Zeit neben zwei kurzen Rezessionen eine lange Phase der wirtschaftlichen Expansion fiel, die Amerika lange nicht mehr erlebt hatte.

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