https://www.faz.net/-gqe-t0by

Madonna : Die Pop-Unternehmerin

Madonna-Plakate hängen schon - noch bevor die Kollektion in den Läden auftaucht Bild: AP

Madonna kooperiert mit dem schwedischen Modeunternehmen H&M. Mit einer cleveren Marketing-Strategie bringt sie die Mode, ihre neue Tour und Platte auf einen Nenner.

          2 Min.

          Jetzt also Madonna. Auch wenn eine Überraschung eigentlich keine mehr ist, wenn sie zu Beginn der Herbstsaison mit Sicherheit kommt, hätten die Schweden eine schlechtere Wahl treffen können. Als sich das Modeunternehmen H&M vor zwei Jahren eine Kollektion von Karl Lagerfeld entwerfen ließ, wurden sie allseits für ihren Marketing-Coup gelobt.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nachdem die lieblose H&M-Linie von Stella McCartney - deren Name ungleich größer war als ihr Design - zu Beginn des vergangenen Winters nicht auf Trendsetter-Körpern, sondern auf dem Grabbeltisch gelandet war, stand zur Jahresmitte nun unweigerlich die Frage im Raum, wen die Schweden in diesem Jahr verpflichten würden.

          Um Modedesign geht es nur am Rande

          Bei der Kooperation, die von den Schweden ganz unskandinavisch pathetisch eine „Traumhochzeit in der Musik- und Modewelt“ genannt wird, geht es jedoch nur am Rande um das Modedesign des Popstars. Angeblich hat Madonna zwar gemeinsam mit H&M-Chefdesignerin Margareta van den Bosch einen lilafarbenen Trainingsanzug entworfen, auch wenn es schwer vorstellbar ist, daß die Queen of Pop eigens ins kalte Stockholm flog, um sich mit Frau van den Bosch hinter den Zeichentisch zu klemmen.

          Madonna soll vor allem das tun, was sie am allerbesten kann: verkaufen. Denn die Dame hat den Midas-Griff des Pop-Business: Was sie berührt, wird Trend, egal ob es Musik, Bücher, Konzertkarten oder so sperrige Dinge wie Ashtanga-Yoga und jüdische Mystik sind. Nur bei der Schauspielerei hat ihre Fähigkeit bisher versagt.

          Lila Trainingsanzug für Fünfzehnjährige

          Aber in Sachen Mode ist Madonna, neben der laut Robbie Williams alle anderen wie Amateure wirken, wirklich ein Vollprofi. Dank ihr wird die märchenhafte PR-Geschichte von der sogenannten Off-Stage-Kollektion, in die Madonna und ihre Crew laut H&M-Dictum schlüpfen werden, sobald sie die Bühne verlassen und sich ihrer Jean-Paul-Gaultier-Outfits entledigt haben, funktionieren.

          Selbst in Madonnas lilafarbenem Trainingsanzug, der fast jede Trägerin wie eine ballonseidene Milka-Kuh aussehen läßt, werden wir in diesem Herbst noch viele Fünfzehnjährige zwischen Flensburg und Freiburg bewundern können.

          Alterslose Supermutti

          Bei Madonna ist es auch irrelevant, daß sie mit ihren 47 Jahren angeblich zu alt für die jugendliche Zielgruppe von H&M sei, wie der New Yorker Werbeexperte Jerry Della Femina unlängst moserte. Denn Madonna ist alterslos. Als eine Art Ursula von der Leyen der Popbranche ist sie gleichzeitig Superstar und Supermutti und hat auch immer irgendeine Botschaft zu verkünden, selbst wenn die so häufig wechselt wie ihre Haarfarben.

          Denn was Madonna anpackt, macht sie perfekt. Genau eine Woche bevor die Kollektion morgen in den Läden hängt, wurde Madonna beim Spaziergang durch London im H&M Outfit abgelichtet. Das ist kein Zufall, sondern Planung, gute Organisation und viel Cleverness.

          Mode, Platte, Tour - alles paßt zusammen

          Fast könnte man vermuten, daß ihr aktueller modischer und musikalischer Rückgriff auf Abba, die erfolgreichste schwedische Band aller Zeiten, Teil einer großen Werbestrategie war. Kurz nachdem Madonnas Welt begonnen hatte zu klingen und auszusehen wie schwedischer Discopop der siebziger Jahre, wurde auch schon ihre Kooperation mit dem schwedischen Modehaus verkündet - die prompt im gleichen Retro-Design verpackt wurde wie die neue Tour und die neue Platte.

          Auf die Frage, warum Madonna so erfolgreich sei, hat einer ihrer Produzenten einmal gesagt: „Wenn ihr schlaft, arbeitet Madonna.“ Ihr Vermögen, das auf etwa 600 Millionen Dollar geschätzt wird, hat sie sich weder ersungen noch ertanzt. Ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und ihr Aussehen sind global gesehen eher Durchschnitt, und für 20 Jahre Erfolg hätte das alles schon gar nicht gereicht.

          Das Einmaleins des Marketing verinnerlicht

          Trotzdem gilt sie mit 250 Millionen verkauften Tonträgern als erfolgreichste Sängerin. Denn sie ist vor allem eine smarte Unternehmerin. Katholisch von Geburt, aber mit calvinistischem Arbeitsethos ausgestattet, hat sie sich selbst als Marke geschaffen und sich dann immer wieder neu akzentuiert.

          Wie kein anderer Künstler hat sie das Einmaleins des Marketing verinnerlicht: Bekannte Marken müssen sich zwar ständig wandeln, ihrem Kern aber immer treu blieben.

          Weitere Themen

          Was wissen Sie von 2019?

          Gewinnspiel : Was wissen Sie von 2019?

          Der Jahresrückblick als Quiz mit einem Auto als Hauptpreis: Was haben Sie sich gemerkt von Managern, Marken und der Politik? Noch drei Tage können Sie teilnehmen.

          Tipps für die Auswahl von E-Wallets Video-Seite öffnen

          Mobil Bezahlen : Tipps für die Auswahl von E-Wallets

          In E-Wallets kann man Geld speichern und damit mobil bezahlen. Besonders wichtig bei der Auswahl: die Sicherheitsstandards des Anbieters. Nutzer sollten aber auch auf bestimmte Funktionen und mögliche Gebühren achten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.