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Madoff hat gestanden : „Ich schäme mich“

  • -Aktualisiert am

„Es tut mir zutiefst leid, ich schäme mich”, sagte Madoff Bild: REUTERS

Bernard Madoff hat sich vor einem Gericht in Manhattan in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. Dem Börsenmakler werden Wertpapierbetrug, Geldwäsche und Meineid vorgeworfen. „Ich schäme mich“, sagte Madoff. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 150 Jahren.

          Der New Yorker Börsenmakler Bernard Madoff hat sich am Donnerstag vor einem Bundesgericht in Manhattan im gegen ihn laufenden Betrugsverfahren in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. Madoff werden in elf Punkten unter anderem Wertpapierbetrug, Geldwäsche, Meineid und falsche Angaben gegenüber der Börsenaufsicht vorgeworfen. „Es tut mir zutiefst leid, ich schäme mich“, sagte Madoff in seiner Stellungnahme vor dem Gericht.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Richter Denny Chin lehnte einen Antrag der Verteidigung ab, Madoff bis zur Verkündung des Urteils gegen Kaution Untersuchungshaft zu ersparen. „Ich habe die Absicht, Sie in Gewahrsam zu halten“, sagte Chin, was zu kurzem Applaus im Gerichtssaal führte, in dem zahlreiche Opfer von Madoff saßen. Madoff war bisher gegen eine Kaution von 10 Millionen Dollar nicht inhaftiert, stand aber in seinem New Yorker Apartment unter Hausarrest.

          Gigantisches Schneeballsystem

          Das Strafmaß für den 70 Jahre alten früheren Verwaltungsratschef der elektronischen Börse Nasdaq soll am 16. Juni verkündet werden. Madoff droht eine gesetzliche Höchststrafe von 150 Jahren. Rechtsexperten rechnen allerdings mit einer deutlich geringeren Strafe um 20 Jahre.

          Für die Madoff-Opfer ist der erste Tag vor Gericht ein Freudentag

          Madoff hatte seit den achtziger Jahren ein gigantisches Schneeballsystem betrieben und seinen Kunden laut Anklageschrift in Kontoauszügen zuletzt eine Anlagesumme von insgesamt 64,8 Milliarden Dollar vorgegaukelt. Der Treuhänder, der seine Maklerfirma Bernard L. Madoff Investment Securities derzeit liquidiert, hat bisher aber nur eine Milliarde Dollar gefunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen mögliche Mitwisser. Ungeklärt ist auch die Frage, wo das Geld der Investoren geblieben ist.

          SEC stark in der Kritik

          Bei einem Schneeballsystem werden Anleger nicht mit Gewinnen aus Investitionen ausgezahlt, sondern mit dem Geld neuer Investoren. Ziehen zu viele Kunden Gelder ab, bricht das System zusammen. Madoff war im vergangenen Dezember verhaftet worden, nachdem er seinen Söhnen den Betrug gestanden hatte. Damals war zunächst von einer Summe um 50 Milliarden Dollar die Rede gewesen. Die Söhne hatten daraufhin ihre Anwälte informiert.

          Madoff betrieb sein Wertpapierhaus seit den sechziger Jahren und gehörte zeitweise zu den größten Maklern an der Nasdaq. Er galt als einer der Pioniere im elektronischen Handel und hatte an der Wall Street ein entsprechend hohes Renommee. Zeitweise saß er in Beratungsgremien für die Börsenaufsicht SEC. Die SEC war stark in die Kritik geraten, weil deren Mitarbeiter den Betrug trotz jahrelanger Hinweise nicht aufgedeckt hatten. Die neue SEC-Vorsitzende Mary Schapiro hat am Mittwoch gegenüber einem Unterausschuss des Senats eine verschärfte Kontrolle von Investmentgesellschaften angekündigt.

          Auch deutsche Anleger betroffen

          Die Vermögensverwaltung, die im Mittelpunkt des Betrugsverfahrens steht, betrieb Madoff unabhängig von seiner Börsenmaklerfirma. Madoff hat aber einen Teil des von Anlegern eingesammelten Geldes als Gebühren abgezweigt, um seine Maklerfirma zu unterstützen. Madoff verwaltete nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft rund 4800 Konten für Kunden, zu denen Privatanleger, wohltätige Organisationen, Pensionskassen und Hedge-Fonds gehörten. Zu den Geschädigten gehören Stiftungen des Filmregisseurs Steven Spielberg oder des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel. Neben amerikanischen Anlegern hatten auch europäische Großbanken in Spanien, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz eigenes Geld oder Geld ihrer Kunden bei Madoff angelegt.

          Auch deutsche Anleger sind betroffen. Eine Umfrage des Bundesverbands Investment (BVI) unter seinen Mitgliedsgesellschaften hatte ergeben, dass 220 Millionen Euro in Investmentfonds nach europäischem Recht angelegt wurden, die dem Schneeballsystem Madoffs zuzuordnen sind. Betroffen sind vor allem die Kunden kleiner Vermögensverwalter, die über ihre Dachfonds in den irischen Thema International Fund und den in Luxemburg aufgelegen Herald (Lux) US Absolute Return investiert hatten.

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