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Privattaxi-Anbieter : Warum Uber in China an die Börse will

Viel Platz für Uber: Jeden Abend rollen Millionen Autos über die Straßen von Peking. Bild: dpa

Der Privattaxi-Anbieter hat in China mit den Behörden zu kämpfen. Damit er nicht wie Facebook und Google aus dem Land geworfen wird, wählt er eine neue Taktik.

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          Pünktlich ist der Fahrer des Privattaxidienstes Uber an Schanghais Bar No. 3, in zehn Minuten sollte der Fahrgast zu Hause sein in der Französischen Konzession. Doch die Polizei macht daraus eine halbe Stunde. Privattaxis agieren in China in einem rechtlichen Graubereich; bei einer Verkehrskontrolle muss der Fahrer Strafe zahlen. Neben umgerechnet 30 Euro erhält die Staatsmacht vom erwischten Fahrer eine Schimpfkanonade: „Didi-Fahrer zieht ihr nie raus!“

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Didi Kuaidi ist ein chinesisches Unternehmen, das neben der Vermittlung herkömmlicher Taxis im Reich der Mitte auch Fahrten in Privatautos anbietet - so wie sein Konkurrent Uber. Ein Blick auf die Zahlen verrät die Dimension dieses Geschäftsmodells in einem Land mit unterentwickelter Verkehrsinfrastruktur, in dem über 80 Städte mehr als fünf Millionen Einwohner aufweisen, und einem Taximarkt von geschätzt 750 Millionen Fahrgästen. Auf 15 Milliarden Dollar taxieren die Geldgeber den Wert von Didi Kuaidi. Der Wert von Uber kommt auf fast das Vierfache.

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          Dass sich das Größenverhältnis der beiden Unternehmen nun bald zuungunsten Ubers angleichen könnte, darauf deuten in China nicht nur die Berichte über Verfolgung von Uber-Fahrern hin, die es gegenüber den Chauffeuren der chinesischen Konkurrenz Didi Kuaidi dem Vernehmen nach nicht gibt. Die jüngste Polizeirazzia in einem Uber-Büro fand Mitte August in Hongkong statt, davor hatte die Staatsmacht die Uber-Büros in den südlichen Millionenmetropolen Guangzhou und Shenzen auf den Kopf gestellt.

          Auf welcher Seite Chinas Regierung im Kampf um die Taxikunden steht, ist klar: Anfang August berichteten chinesische Staatsmedien, dass Uber-Konkurrent Didi Kuadidi mit einer halben Milliarde Dollar von Chinas Staatsfonds namens „China Investment Corporation“ finanziert wird. Dieser Fonds bezieht seine Mittel aus Chinas Währungsreserven und untersteht dem Staatsrat unter Führung von Premier Li Keqiang. Eigentlich investiert der Fonds selten in Internetunternehmen. Im Fall des Uber-Konkurrenten Didi Kuaidi hingegen machte Peking eine Ausnahme. Vor einer Woche beschwerte sich Uber, der chinesische Internetkonzern Tencent habe Ubers Taxidienst von Tencents Smartphone-App Wechat verbannt, die 600 Millionen Mitglieder hat und auf so gut wie jedem Smartphone Chinas installiert ist. Mag Uber selbst aggressiv gegen Konkurrenten vorgehen und auch bei anderen Regierungen auf der Welt unbeliebt sein. Fakt ist: die Liste ausländischer Weltkonzerne, die dabei gescheitert sind, in den heimischen Markt einzusteigen, ist in China so lang wie nirgendwo sonst. Facebook, Google, Twitter - alle diese Dienste sind im 1,4 Milliarden Menschen zählenden Staat mit der immer noch am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft gesperrt.

          Amerikanische Giganten aus dem Land treiben

          Die chinesische Amazon-Seite hat keine Chance gegenüber dem Lokalmatador Alibaba, der über vier Fünftel des E-Commerce im Land umsetzt. Ausnahmen wie der amerikanische Netzwerkanbieter Cisco bestätigen die Regel. Kaliforniens iPhone-Hersteller Apple konnte sich nur wegen der magischen Anziehungskraft seiner Produkte auf chinesische Konsumenten in China halten. Versuche, die amerikanischen Giganten aus dem Land zu treiben, hat es in Peking allerdings schon oft gegeben. Soll der Technologiesektor doch das hervorbringen, was in der Autoindustrie nie gelungen ist: mächtige chinesische Konzerne, die ungestört von ausländischer Konkurrenz so lange wachsen können, bis ihre Produkte den Weltmarkt aufrollen.

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