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Buchhandel : Ein kleiner Verlag findet Amazon gar nicht so schlimm

Webseite von Amazon: Der Online-Händler ist der größte Feind der Buchbranche. Bild: dpa

Amazon ist böse, der kleine Buchhändler um die Ecke hingegen der edle Ritter? Nein, findet ein kleiner Verlag aus Berlin. Er hat ganz andere Erfahrungen gemacht.

          2 Min.

          Wer ist der größte Feind von Buchhandel und Verlagen? Klar: Amazon. Der Online-Händler versuche die Preise zu drücken, wo es nur geht, lautet der Vorwurf. Wer nicht nachgebe, dessen Bücher würden nur mit Verzögerung ausgeliefert. Und aufgrund seiner Marktmacht koste Amazon den kleinen Buchladen um die Ecke die Existenz. Eine ganze Branche hat sich gegen das Unternehmen verschworen.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.

          Eine ganze Branche? Nein, denn ein kleiner Verlag aus Berlin leistet Widerstand gegen diese Rollenverteilung. „Amazon ist böse, 'der kleine Buchladen um die Ecke‘ hingegen ein Segen. Wirklich? Wir haben mit unseren Büchern andere Erfahrungen gemacht“, heißt es in einem Blogeintrag von Manuela Thieme und Chris Deutschländer, den Geschäftsführern des Seitenstraßen Verlags, der derzeit für Aufruhr gesorgt.

          Wofür kassiert der kleine Buchhändler 35 Prozent?

          11 Titel aus dem Bereich Satire und Alltagskomik hat der Verlag im Angebot, darunter „Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut“ oder „War das jetzt schon Sex?“ von Stefan Schwarz. Mehr als 120.000 Mal wurden die Bücher verkauft – „ohne Amazon wären es bei weitem nicht so viele gewesen“, sagt Geschäftsführer Deutschländer. Denn Amazon biete Verlagen die Möglichkeit der Präsenz: „Amazon hat all unsere Bücher im Angebot und bestellt auf Lager, damit sie jederzeit lieferbar sind.“ Mit kleineren Buchhändlern hat er andere Erfahrungen gemacht.

          Die würden in der Regel auf Nummer sicher gehen, sagt Deutschländer. Angebote aus kleinen Verlagen hätten sie oft nicht vorrätig, sondern orderten sie nur, wenn ein Kunde sie im Geschäft bestelle. „Die Sichtbarkeit im Laden ist für uns jedoch sehr wichtig, um überhaupt wahrgenommen zu werden“, sagt Deutschländer. Amazon kassiere für jedes verkaufte Buch 50 Prozent des Preises: Da die Bücher des Seitenstraßen-Verlags meist 9,90 Euro kosteten, blieben 4,95 Euro für Autor, Verlag, Marketing, Versand und Druck. Auch die großen Zwischenhändler des stationären Buchhandels wie KNV, Libri und Umbreit kassierten 50 Prozent, so Deutschländer. Davon behielten sie selbst 15 Prozent, 35 Prozent gingen an den Buchhändler. „Wofür?“, fragen die beiden Autoren in ihrem Blog. „Sie tun oft nichts für das Buch bis auf den einen Anruf oder die eine Mail, um zu hinterlassen: Hier hat ein Leser verbindlich bestellt.“

          Manuela Thieme
          Manuela Thieme : Bild: Stephan Pramme
          Chris Deutschländer
          Chris Deutschländer : Bild: Frieder Krenzlin

          Es gehe ihnen nicht darum, Frust abzuladen, sagt Deutschländer. Auch er kenne tolle, kleine Buchläden, von denen so oft die Rede ist und die ihre kleinen Bastionen gegen Hektik und Effekthascherei verteidigen. Und natürlich könne nicht jeder Buchhändler immer alle Bücher vorrätig haben. „Was mich ärgert ist: Selbst Buchhändler, die wissen, dass sich unsere Titel bei ihnen gut verkaufen, nehmen sie nicht.“ Natürlich sei auch Amazon kein Wohltäter. Aber wem er nun 50 Prozent vom Verkaufspreis zahle, sei ihm dann auch egal.

          Die Autoren schildern auch einige Alltagserfahrungen: So hatte eine Buchhandlung in Thüringen einen der Autoren zu Gast. Zehn Exemplare des Buches bestellte sie vor, sie seien rasant weggegangen. Nachschub wollte sie jedoch nicht bestellen. Bei einer anderen Lesung in Potsdam fragte der Buchhändler gar, ob nicht der Autor die Bücher mitbringen könne, dann müsse er nicht extra eine Kiste schleppen. „Was, bitte sehr, ist eigentlich seine Leistung?“, fragen Thieme und Deutschländer.

          Mit solchen Vorwürfen und ihrem Blogbeitrag haben die beiden Autoren viele kleine Händler gegen sich aufgebracht. Einige hätten bereits zum Boykott des Seitenstraßen Verlags aufgerufen, sagt Deutschländer. „Dann müssen wir unsere Bücher eben künftig nur noch über Amazon verkaufen. Das ist auch nicht perfekt, aber wir würden es überleben.“

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