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Nach Wikileaks-Enthüllungen : Der digitale Waffenschrank der CIA

  • -Aktualisiert am

Die tatsächliche Entwicklungsarbeit der Hacking-Werkzeuge und die Einsatzbetreuung erledigen oft die Vertragspartner der CIA, denen auch der aktuelle Leak zugeschrieben wird. In diesem Sektor arbeitet übrigens heute auch Michael Hayden, der es einigen seiner Vorgänger gleichtat und nach dem Ausscheiden aus den Geheimdiensten nun zu deren kommerziellem Berater mutiert ist.

Wenn man das aufgedeckte CIA-Angriffsarsenal zusammenfassen will: Es ist der handfeste Beweis, dass die Fundamente der Informationsgesellschaft auf Sand gebaut sind und die Geheimdienste und ihre Vertragspartner sie systematisch unterminieren. Im Namen des Kampfes gegen Terroristen werden Unsicherheiten der digitalen Technologien nicht nur ausgenutzt, sondern strategisch befördert. Dass eine staatliche Behörde buchstäblich auf einem geheimen Waffenlager an ausnutzbaren Sicherheitslücken sitzt und statt ihre Schließung zu veranlassen die Ausnutzbarkeit noch optimiert, ist der eigentliche Sündenfall – und eine gigantische Fehlallokation von Geldern.

CIA bestätigt Authentizität der Dokumente nur indirekt

Denn die Geheimdienste mit ihrem überaus auskömmlichen Budget haben einen ganz eigenen grauen Markt geschaffen, der die Ausnutzung von Sicherheitslücken in den Computern als Produkt anbietet. Die Milliarden sind ein zu verlockendes Angebot, das nur wenige der Unternehmen in diesem Markt ausschlagen.

Die offizielle Stellungnahme der CIA bestätigt die Authenitizität der geleakten Dokumente nur indirekt. Sie spricht wie der ehemalige Direktor und heutige Berater Hayden davon, dass Spionage und Überwachung nicht gegen US-Amerikaner gerichtet werden. Die jüngsten Leaks würden allerdings Geheimdienstpersonal in Gefahr bringen und zugleich politischen Gegnern in die Hände spielen.

Welche anderen Gefahren aber durch das erkleckliche Arsenal an Schadsoftware lauern und wem diese Risiken drohen, gehört genauso zur Diskussion um die systematische Ausnutzung von Sicherheitslücken. Denn praktisch besitzt jedes System solche Einfallstore, die sich für Spionage ausnutzen lassen oder ein Übernehmen der Geräte möglich machen.

Praktisch jedes digitale Artefakt kann zum Verräter werden

Wir reden hier von Mobiltelefonen, Fahrzeugen und Fernsehern, also von Allerweltsgeräten, die in Wohnungen, Büros und auf der Straße im Einsatz sind. Die Tatsache, dass sie Computer sind, macht sie angreifbar und zu potentiellen Wanzen. Die CIA-Angriffswerkzeuge zielen in ihrer Mehrzahl auf Alltagsgeräte, auf die vernetzten Objekte unseres digitalen Lebens.

Am Beginn des Zeitalters des „Internet of Things“ ist die traurige Realität, dass praktisch jedes digitale Artefakt zum Verräter werden kann. Dieser Zustand führt zu einem weitverbreiteten Vertrauensverlust in die vernetzte Zukunft. Hersteller und Politik müssen sich bald entscheiden, ob sie diese Unsicherheit weiter dulden und noch befördern wollen. Die Alternative ist ein Beschneiden des Geheimdienstmarktes und zugleich umfangreiche Investitionen in tatsächliche digitale Sicherheit durch systematisches Schließen von Sicherheitslücken.

Der jüngste Leak spitzt eine schon länger währende Diskussion zu: Werden die auf den CIA-Ziellisten stehenden Technologieunternehmen weiter damit leben, dass ihre Produkte von den Geheimdiensten als Wanzen gegen ihre Kunden verwendet werden und dass sie immer höhere Summen zur Abwehr der Spione aufwenden müssen? Das Wettrennen läuft seit den Snowden-Leaks schon einige Jahre, das Ergebnis bleibt aber offen.

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