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Monopolkommission : Die Zähmung der Internet-Giganten

Auf dem Weg zum gefährlichen Monopolisten? Die Marktmacht von Amazon spaltet die Gemüter. Bild: dpa

Monopole im Internet haben auch ihr Gutes – aber nur so lange, wie sie um ihre Vorherrschaft kämpfen müssen. Die Monopolkommission plädiert für mehr Schlagkraft in der Wettbewerbskontrolle.

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          Es gibt Monopolunternehmen, an denen kommt auch der Vorsitzende der Monopolkommission im täglichen Leben nur schwer vorbei. Die Suchmaschine von Google zum Beispiel. Da geht es Daniel Zimmer wie den meisten Deutschen, die fast automatisch Google ansteuern, wenn sie im Internet recherchieren. „Das ist ein sehr rationales Verhalten. Google gilt vielen als Datenkrake, trotzdem nutzen die Leute Google, weil es einfach gute Suchergebnisse liefert“, sagt der Bonner Wirtschaftsjurist und Regierungsberater.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Europäer haben ein zwiespältiges Verhältnis zu den amerikanischen Internetkonzernen. Sie nutzen fleißig die Angebote, aber deren Marktmacht ist ihnen suspekt. Der Einzelhandel sieht sich vom Online-Kaufhaus Amazon an die Wand gedrückt, Facebook dominiert die sozialen Netzwerke. Apple steht mit am Pranger, wenn sich Politiker, Datenschützer oder die Vorstände europäischer Konzerne über die digitale Vorherrschaft der amerikanischen Giganten ereifern.

          Zimmer ist Wissenschaftler, und aus seiner Sicht wird in der Debatte über die Zähmung der vermeintlichen Bösewichte zu viel pauschaliert und vermengt. So etwa in dem jüngsten deutsch-französischen Vorstoß: Die Wirtschaftsministerien in Berlin und Paris fordern eine Weiterentwicklung der europäischen Wettbewerbsregeln, um amerikanische Monopole im Internet zu verhindern. Zimmer warnt aber vor Schnellschüssen. „Viele Unternehmen in der digitalen Welt tendieren zum Monopol. Aber das ist nichts grundsätzlich Schlechtes. Es ist ja gerade die Aussicht auf Monopolrenditen, die Erfindergeist und Innovationen antreibt“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Stromversorgung und Telekommunikation als Vorbild

          Das klingt ein wenig nach den Thesen von Peter Thiel. Der einflussreiche Mitbegründer des Bezahldienstes PayPal und Facebook-Investor glaubt, dass herkömmliche Vorstellungen von Wettbewerb in der Hightech-Welt des Silicon Valley ausgedient hätten. Kreative Zukunftslösungen seien nur im Monopol möglich, die Ideologie des Wettbewerbs führe zu Stillstand, argumentiert er. Thiel konstruiert einen Gegensatz, für Zimmer stehen Monopole und Wettbewerb nicht unbedingt im Widerspruch. „Stillstand bekommen wir dann, wenn sich ein Anbieter auf seinem Monopolmarkt nicht mehr anstrengen muss. Und damit das nicht geschieht, brauchen wir einen funktionierenden Wettbewerb um die Monopolmärkte.“ Andere Anbieter müssten potentiell die Chance haben, den Markt und die Kunden zu übernehmen.

          Daniel Zimmer
          Daniel Zimmer : Bild: Stefan Boness/Ipon

          So weit die Theorie. Aber wie steht es darum in der Praxis? Ein wichtiger Treiber für Internetmonopole sind Netzwerkeffekte: Plattformen werden, wie Facebook oder das Online-Auktionshaus Ebay, umso attraktiver, je mehr Nutzer sich auf ihnen tummeln. Auch die Kostenstruktur begünstige monopolistische Strukturen, erläutert Zimmer: Steht die Plattform einmal, lässt sie sich mit vergleichsweise geringem Aufwand erweitern, um zusätzliche Nutzer zu integrieren. Ein konkurrierender Anbieter müsste hingegen ein komplett neues Netz aufbauen, was sich meist nicht rechnete. Das erinnert an natürliche Monopole in der realen Welt, etwa die Stromversorgung oder die Telekommunikation. Dort sorgt der Staat für Wettbewerb, indem er den Monopolisten zwingt, seine Leitungen anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

          „An erster Stelle bleibt die Fusionskontrolle gefragt“

          Braucht Europa oder Deutschland also eine Regulierungsbehörde, die Internetmonopole für Konkurrenten öffnet? „Das Prinzip eines diskriminierungsfreien Zugangs könnte dort zur Anwendung kommen, wo ein Unternehmen das Tor zum Internet kontrolliert“, sagt Zimmer. Aber welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, damit ein Engpass vorliegt, der staatliches Eingreifen begründet? Könnte eine Aufsichtsbehörde Einfluss darauf nehmen, wie Google seine Trefferlisten gestaltet, weil davon abhängt, welche Handwerksbetriebe oben stehen und von Interessenten gefunden werden? Um solche Fragen dreht sich ein Gutachten zur Digitalwirtschaft, das die Monopolkommission im Frühjahr vorlegen will.

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