https://www.faz.net/-gqe-8x4yw

Lernende Programme : Wenn die App dir sagt: Umarme deinen Partner

  • -Aktualisiert am

Geh heute noch joggen.

Und bald: Umarme deinen Partner.

Die Technologie steht noch ganz am Anfang

Die erwähnte Studie aus Kalifornien ist die erste großangelegte experimentelle Analyse des Kommunikationsverhaltens von Paaren außerhalb einer Laborsituation. Ein sechsköpfiges Team von Psychologen und Softwareingenieuren der University of Southern California (USC) hat Dutzende Liebende einen Tag lang per Handy und elektronischem Armbändchen überwacht.

Die Teilnehmer mussten ihre Emotionen regelmäßig protokollieren. Später überprüften die Forscher, wie treffsicher der Algorithmus war. Ergebnis: Auch ohne die Protokolle der Paare gelang es dem Programm, vier von fünf Konflikten richtig zu identifizieren.

Die Technologie steht noch ganz am Anfang, das geben die Forscher zu. Der Algorithmus geht derzeit davon aus, dass Streitende laut werden und häufig „du“ in Verbindung mit „immer“ oder „nie“ sagen. Die Realität ist natürlich komplexer. Doch das Team hofft, wie bei jeder lernenden Software, mit einer wachsenden Menge an Daten immer präzisere und individuellere Ergebnisse erzielen zu können. Das Bestreben ist es, einen Algorithmus zu entwickeln, der Konflikte nicht nur erkennt, sondern vorhersagt. Ein Paar soll schon dann eine Warnung erhalten, wenn es selbst noch gar nicht weiß, dass sich gerade ein Streit anbahnt.

„Wir wollen in Echtzeit eingreifen“, sagt die Psychologin Adela Timmons. Die 30-jährige Doktorandin und ihre Kollegen arbeiten aktuell daran, weitere Faktoren in die Analyse aufzunehmen, die Einfluss auf die Stimmung haben können. Wie lange war ein Nutzer online? Wie viel Schlaf hat er in der vergangenen Nacht gehabt? Hat er sich ausgewogen ernährt? Wie viel Sonnenlicht hat er abbekommen?

Wenn die Summe aller verbalen und nonverbalen Daten dann auf einen Konflikt hindeutet, sollen die Nutzer Tipps zur Deeskalation erhalten, etwa die Empfehlung, auf Distanz zu gehen oder eine Runde zu meditieren. „Das ist die Macht von Big Data“, sagt Timmons. „Wir können Faktoren berücksichtigen, die niemandem bewusst sind.“

Nicht der Mensch sagt der Maschine, was sie tun soll

Wer bis hier gelesen hat, findet das womöglich putzig. Meditieren gegen den Ehekrach, na toll. Aber der Grundgedanke ist radikal: Nicht der Mensch sagt der Maschine, was sie tun soll; das geschieht nur beim Programmieren des Codes. Die Maschine sagt dem Menschen, was zu tun ist. Sie kann unendlich viel mehr Informationen verarbeiten und auf dieser Basis bessere Entscheidungen treffen. Sie handelt nicht auf meinen Befehl („Siri, wo ist die nächste Pizzeria?“), sondern proaktiv. Das Kräfteverhältnis verschiebt sich. Der Algorithmus war ein Instrument. Nun wird er zur Autorität, die immer nur mein Bestes will.

Der intellektuelle Überbau zu diesem Wandel ist seit kurzem auf dem Markt und hat zu Recht Wirbel ausgelöst. In „Homo Deus“ läutet der 41-jährige israelische Historiker Yuval Noah Harari das Ende des heutigen Menschen ein. Dieser werde schon bald nicht mehr gebraucht, also ökonomisch. Die künstliche Intelligenz stehe kurz davor, ihn auf jedem Feld abzuhängen, auch in Beziehungsfragen.

Weitere Themen

Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk Video-Seite öffnen

Zwentendorf : Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk

In Betrieb gegangen ist das einzige Atomkraftwerk Österreichs nie, da sich die Menschen in einer Volksabstimmung in den siebziger Jahren gegen die Kernkraft entschieden. Aus Wien kommt nun heftiger Widerstand gegen die Brüsseler Taxonomie-Verordnung.

Topmeldungen

Boris Johnson am Mittwoch in London

Krise bei den Tories : Schach dem Paten

Neue Vorwürfe gegen Boris Johnson: Diesmal sollen seine Leute Abgeordnete „eingeschüchtert“ haben, die sich für ein Misstrauensvotum stark machen. Ein Liberaldemokrat spricht von „Mafia-Methoden“.
Viele Menschen werden nervös, wenn sie vor anderen sprechen müssen. Doch diese Angst kann auch helfen.

Große Auftritte im Beruf : Was gegen Lampenfieber helfen kann

Lampenfieber betrifft viele, die vor Publikum sprechen müssen – auch viele Führungskräfte. Doch dagegen gibt es Hilfe und die Erkenntnis: Die Auftrittsangst kann sogar leistungsfördernd sein.