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Künstliche Intelligenz : Was wird der Mensch?

Tatsächlich hat Mayfield großen Wert darauf gelegt, seinen Hausroboter, der noch in diesem Jahr für rund 700 Dollar auf den Markt kommen soll, zu einem freundlichen Geschöpf zu machen. Am Design hatte ein früherer Angestellter des zum Unterhaltungskonzern Walt Disney gehörenden Zeichentrickstudios Pixar großen Anteil, und Kuri erinnert an den Roboter „Eve“ aus dem Pixar-Film „Wall-E“.

Kuri soll ein Helfer und Gefährte im Haushalt sein, eine Art nützliches zusätzliches Familienmitglied. Der Roboter kann zum Beispiel mit Kindern Verstecken spielen und sie begrüßen, wenn sie aus der Schule zurückkommen. In Abwesenheit seiner Besitzer kann er dank integrierter Kameras auch das Haus überwachen und warnen, wenn ihm etwas verdächtig vorkommt. Er ist auf Rollen unterwegs und lernt Dinge über den Haushalt seiner Besitzer, etwa wem welches Zimmer gehört, versteht Stimmenkommandos, gibt aber selbst nur niedliche Pieptöne von sich. Mayfield-Vorstandschef Michael Beebe sagt, ihm sei es wichtig gewesen, Kuri eine liebenswerte Persönlichkeit zu geben. Zum Beispiel, dass er mit dem Kopf nicken kann, wenn man ihn streichelt. Beebe beteuert, es sei nicht zu befürchten, dass sein Roboter jemals von selbst eine finstere Seite entwickeln könnte: „Er hat ein inniges Wesen und würde nicht einmal sarkastisch sein.“

Andere Roboter in Las Vegas wirkten zumindest äußerlich ähnlich harmlos wie Kuri, und gegen die von ihren Herstellern genannten Einsatzgebiete lässt sich schwerlich etwas einwenden. Der vom französischen Unternehmen Yumii entwickelte Roboter „Cutii“ ist dazu gedacht, älteren Menschen das Leben angenehmer zu machen, indem er etwa erleichtert, mit Familienmitgliedern oder Pflegepersonal zu kommunizieren. Der vom amerikanisch-chinesischen Unternehmen Avatar Mind hergestellte Roboter „iPal“ soll ebenfalls Gefährte für ältere Menschen sein, darüber hinaus aber auch helfen, autistische Kinder zu therapieren. „Das heißt nicht, dass wir echte Therapeuten ersetzen wollen,“ beteuert Vorstandschef John Ostrem. Aber der Roboter könne deren Arbeit unterstützen und sie womöglich sogar entlasten.

Die wichtigste Frage der Menschheit

Und so herrschen in Las Vegas vor allem Technologie-Optimismus und der Glaube daran, dass künstliche Intelligenz das Leben der Menschen besser machen wird. Reinhard Ploss, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Chipherstellers Infineon, warnt davor, diese Technologie von vorneherein zu verteufeln, da sie ohne Zweifel viel Potential für Gutes habe. Gerade in Deutschland gebe es eine Neigung, die Diskussion auf etwaige Bedrohungen zu beschränken. Schreckensszenarien einer von Maschinen regierten Welt hält er für übertrieben: „Künstliche Intelligenz wird uns nicht entmündigen.“

Stephen Hawking ist sich da offenbar nicht so sicher. Zu seiner 100-Jahre-Prognose über den Aufstieg intelligenter Computer fügte er hinzu: „Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden – und möglicherweise auch das letzte.“ Seine Befürchtung, wie er sie einmal gegenüber der BBC äußerte, ist, dass eine dann startende technische Evolution viel schneller abliefe als die biologische und deshalb intelligente Maschinen ihre Dominanz ausbauen würden. Das ist nicht nur eine düstere Prognose, sondern auch eine allzu vage. Und schon gar keine, auf die Menschen keinen Einfluss hätten. Der israelische Historiker Yuval Noah Harari schreibt: „Die wichtigste Frage der Menschheit ist: Was wollen wir werden?“

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