https://www.faz.net/-gqe-8p37c

Künstliche Intelligenz : Was wird der Mensch?

Zur gegenwärtigen Begeisterung für das Thema haben vor einigen Jahren der Computerexperte Andrew Ng von der Stanford-Universität und der Google-Mitarbeiter Jeff Dean beigetragen. Sie hatten 16.000 Prozessoren zusammengeschaltet und dann ein Programm zehn Millionen Youtube-Videos anschauen lassen, also einer gewaltigen Datenmenge. Der Computer hat dabei von selbst Unterscheidungen gelernt. „Wir haben ihm während des Trainings nie gesagt ,Das hier ist eine Katze’“, sagte Dean danach. „Er erfand im Grunde das Konzept einer Katze.“ Das ist der Kern der neuen Forschung. Die Hoffnung dabei: Computer sollen selbständig lernen, indem sie mit einer dem menschlichen Gehirn nachempfundenen Software ausgestattet werden.

Das wahre Gesicht: Die Roboterfrau Ava (Alicia Vikander) im Kinofilm Ex Machina ist nicht so unschuldig, wie es scheint.

Heute dringt künstliche Intelligenz in viele Gebiete vor. Große Autokonzerne ebenso wie junge Start-Up-Unternehmen tüfteln an Fahrzeugen, die sich selbst steuern. Der Supercomputer Watson von IBM kann helfen, Krebspatienten zu behandeln. Er hat in einem Experiment sogar teilweise bessere Therapien vorgeschlagen als Fachärzte. Google wiederum lässt seit kurzem seinen Übersetzungsdienst mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Das ist bedeutender, als es klingt, denn: Wie leicht wir mit Computern kommunizieren können, entscheidet mit darüber, wie sehr wir sie in unseren Alltag lassen.

Wie können die Menschen Schritt halten?

Die Fachleute des Analysehauses IDC erwarten, dass künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren ein Zigmilliarden-Markt werden wird. IDC-Forscher Frank Gens sagte unlängst, künstliche Intelligenz sei heute in einer ähnlichen Ausgangslage wie das Internet Mitte der neunziger Jahre: Etwas, das für sich besteht, aber schließlich in viele Produkte und Dienste integriert sein werde. „Dahin bewegen wir uns – künstliche Intelligenz überall.“

Das war in dieser Woche auch auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas klar. Dort wurden auch die möglichen Kehrseiten der Technologie nicht unterschlagen. „Wir müssen darüber nachdenken, wie die Menschen Schritt halten können,“ sagte Vivienne Ming, die selbst ein auf künstliche Intelligenz spezialisiertes Start-Up-Unternehmen gegründet hat. Kaum eine Tätigkeit oder Hierarchieebene in der Arbeitswelt sei davor gefeit, von künstlicher Intelligenz überflüssig gemacht zu werden.

Und was ist mit der Angst, dass Computer sich womöglich einmal gegen den Menschen richten? Mayfield Robotics, eine im kalifornischen Silicon Valley beheimatete Firma, die zum deutschen Industriekonzern Robert Bosch gehört, spricht das zumindest an, wenn auch auf eine wohl nicht ganz ernst gemeinte Weise. Mitarbeiter stellten auf der CES einen Hausroboter namens „Kuri“ vor, der mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Auf einer dazu gehörenden Internetseite wird in Videos aufgezählt, was das Gerät alles nicht tut. An einer Stelle heißt es: „Kuri wird nicht versuchen, die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu zerstören. Oder einen Todesstrahl aussenden, der eine ganze Stadt paralysiert. Oder die Menschheit unter irgendeinem Roboterrecht versklaven.“ Während das gesagt wird, ist ein Film zu sehen, in dem bösartige Roboter genau solche Dinge tun. „Kuri ist nicht wie andere Roboter. Und das ist eine sehr, sehr gute Sache,“ sagt der Sprecher am Ende beschwichtigend.

Weitere Themen

Lufthansa solle aufhören zu „zocken“ Video-Seite öffnen

UFO stellt Ultimatum : Lufthansa solle aufhören zu „zocken“

Die Kabinengewerkschaft UFO will den Arbeitskampf bei der Lufthansa wieder aufnehmen, sollte die Fluggesellschaft nicht zu Kompromissen bereit sein. Sollte Lufthansa weiter „zocken“, werde man sich schon in naher Zukunft auf erneute Streiks einstellen müssen.

Topmeldungen

Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.