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Gesundheitsfragen : Dr. Google arbeitet bei Wikipedia

Gehen die Menschen noch zum Arzt, wenn sich so viele Gesundheitsinfos im Netz finden lassen? Bild: dpa

Ein Kratzen im Hals und sofort wird im Internet nach der Ursache geforscht. Vertrauen die Menschen mittlerweile zu sehr auf Dr. Google? Oder gehen sie trotzdem noch zum Arzt?

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          Trotz des schnellen Vordringens digitaler Informationsangebote sind die Deutschen in der Auswahl ihrer Quellen für Gesundheitsinformationen konservativ: Gesprächen mit Ärzten und Therapeuten vertrauen sie am meisten, Broschüren von Krankenassen und Apotheken werden an zweiter Stelle genannt. Das Internet liegt nach dem neuen „Gesundheitsmonitor“ der Bertelsmann-Stiftung und der Krankenkasse Barmer/GEK nur auf Platz 5. Es kommt hinter Gesprächen mit Freunden und Familie sowie Informationen aus Zeitung, Funk und Fernsehen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Nur gut jeder Dritte (38 Prozent) macht sich im Netz schlau, wenn er ein Gesundheitsproblem hat. Das aber passiert umso eher, wenn man mit seinem Arzt unzufrieden ist, haben die Forscher herausgefunden. Wer im Internet nach Gesundheitsinformationen sucht, landet in den meisten Fällen bei Wikipedia. Das Online-Lexikon werde von zwei Dritteln der Vielnutzer und immer noch von mehr als der Hälfte der Gelegenheitsnutzer zuerst angeklickt, heißt es in der Untersuchung. Eine „differenzierte Suchstrategie“ können die Autoren da nicht erkennen. Mehr als die Hälfte der Interessenten bediene sich immer zuerst einer Suchmaschine.

          Weshalb im Ergebnis Wikipedia die meisten Treffer bekommt, liegt für die Autoren auf der Hand: Das Online-Lexikon steht in den Trefferlisten der Suchportale meistens ganz oben. Andere Anbieter von Gesundheitsinformationen folgen in der Gunst der Nutzer aber schon mit geringem Abstand: 40 und mehr Prozent der Internetnutzer tummeln sich auf Internetseiten von Krankenkassen, Krankenhäusern, Ärzten und Ratgeber-Seiten. Apotheken-Seiten liegen knapp dahinter. Auffällig ist, dass Gesundheitsblogs, die medizinische Online-Beratung, soziale Netzwerke wie Facebook oder Bewertungsportale für Ärzte und Krankenhäuser nur von weniger als einem Siebtel der Internetgemeinde für hilfreich gehalten und deshalb selten angeklickt werden.

          Als „vertrauenswürdige Quelle“ fällt Google zurück

          Die Ergebnisse bestätigen ähnliche Befragungen zum Nutzerverhalten. So hatte im vergangenen November der Krankenhauskonzern Asklepios fragen lassen und erfahren, dass das Internet als erste Informationsquelle im Krankheitsfall so wichtig sei wie Auskünfte von Freunden und Familie. Doch bei der Frage nach vertrauenswürdigen Quellen fiel Dr. Google von Rang eins auf Platz vier, hinter die „echten“ Mediziner, die Krankenversicherung und den Freundes- und Familienkreis. Allerdings legen die Daten auch nahe, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern könnte. Denn Ältere schätzen das Internet weniger denn Jüngere als Informationsquelle. Bekanntlich sind Ältere öfter krank und eher auf ärztliche Betreuung angewiesen. Im Zeitablauf werden damit automatisch mehr Internetaffine in die Arztpraxen kommen oder sich extern im Netz informieren. Wer Gesundheitsinformationen ins Internet stellt, muss umgekehrt damit rechnen, dass diese heute eher von jüngeren Interessenten wahrgenommen werden.

          Mit Blick auf die soziale Herkunft gilt: Angehörige der Mittel- und Oberschicht sind eher im Internet unterwegs als sozial Schwache oder Menschen mit einem niedrigen Ausbildungsniveau. Hingegen konnten die Forscher keinen signifikanten Unterschied zwischen Männern und Frauen entdecken.Damit stellen sich zwei alte Fragen neu: die nach dem Zugang und die nach der Qualität der Informationen. Gerade Ältere und sozial Benachteiligte, so empfehlen die Autoren, brauchten „niedrigschwellige Online-Angebote“, die in Inhalt, Aufmachung und Nutzbarkeit speziell auf sie zugeschnitten seien. Mehr Angebote allein seien aber auch kein Ausweg, solange sie keine verlässlichen Informationen lieferten.

          Eine „qualitätsgesicherte Meta-Suchmaschine für gesundheitsbezogene Online-Angebote“ wird ebenso zur Lösung vorgeschlagen wie eine unabhängige Kontrolle und Zertifizierung bestehender Internetseiten. Allerdings räumen die Autoren ein, dass dies teuer und aufwendig sei. Am Ende hänge es auch von der Fähigkeit der Nutzer ab, im Internet nach validen Informationen zu suchen, heißt es in der Untersuchung. Auf Ärzte und andere Gesundheitsberufe komme da eine weitere Herausforderung zu: eine Lotsenfunktion in der Patienteninformation zu übernehmen und zu wissen, welche „laiengerecht aufbereiteten und qualitativ hochwertigen Internetseiten den Patienten im konkreten Bedarfsfall zur vertiefenden Information zu empfehlen wären“.

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