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Unter Zugzwang : Was kommt jetzt, Apple?

  • -Aktualisiert am

Der Konzern muss langsam knabbern. Besser aber nicht an sich selbst. Bild: AP

Es ist keine zehn Jahre her, da war ein iPhone eines der faszinierendsten Dinge, die man besitzen konnte. Sogar im Zug wurde man darauf angesprochen. Dann wurde das Gerät zur Normalität. Und was wird nun aus Apple?

          Eine Fahrt im ICE vor gut acht Jahren. Ein Mann im Abteil starrt fasziniert auf das Gerät, das eine Frau in der Hand hält. „Ist das dieses iPhone?“, getraut er sich irgendwann zu fragen. Und: „Darf ich es mal ansehen?“ Sie reicht das Gerät rüber, jetzt will das ganze Abteil gucken. Anfang 2008 war das iPhone eines der faszinierendsten Dinge, die man besitzen konnte. Noch knapp ein Jahr später, Anfang 2009, führt ein Politiker, ein Alt-68er, nach dem Interview stolz sein neues weißes iPhone vor. Damit zeigte er, dass er erstens cool und zweitens nicht gerade armutsgefährdet war.

          Was folgte, ist Wirtschaftsgeschichte. Schlangen vor den wenigen Läden, kreischende Fans, wahnsinnige Gewinne, eine Expansion von Apple-Shops weltweit und der Aufstieg Apples zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Von 2009 bis 2014 verdreifachte Apple seinen Börsenwert.

          Und nun ein Sprung ins Frühjahr 2016. Lidl hat ein neues Angebot in einzelnen Läden und auch online. Der Discounter bietet das iPhone 5 an, in Gold und Weiß, zu reduziertem Preis. Das iPhone ist jetzt, nur neun Jahre nach seiner Erfindung, ein Wühltischprodukt. Es ist der Wahnsinn, wie schnell das gegangen ist.

          Das iPhone ist normal geworden

          Als Erstes sollte man darüber aber nicht jammern, sondern Apple Respekt zollen. Das iPhone zeigt, mit welch unglaublicher Effizienz und Schnelligkeit der Konzern arbeitet. In wenigen Jahren hat ein nicht für Handys, sondern für Computer und iPods bekannter Hersteller weltweit sein Handy in die Märkte gedrückt. So effizient, so zielgenau – natürlich auch so attraktiv –, dass man es nun fast überall sieht. Rund 14 Prozent der weltweit verkauften Smartphones sind von Apple, und das schon seit Jahren. Mit welchem einzelnen Produkt ist das jemals so zügig gelungen? Mal ganz abgesehen davon, dass Apple nicht nur sein Produkt in den Markt drückte, sondern nebenbei einer ganz neuen Produktklasse zum Durchbruch verhalf: dem Smartphone. Damit hat der Konzern unser Leben verändert, was jeder bestätigen kann, der auch schon einmal fast gegen einen Laternenpfahl gelaufen ist, weil er so eifrig aufs Handy starrte.

          Zeitreise in die Vergangenheit: Unter stehendem Beifall seiner Anhänger stellt Steve Jobs 2011 in San Francisco das iPad 2 vor.

          Je mehr iPhones man aber verkauft, desto weniger exklusiv werden sie für die Besitzer. Irgendwann sah man 16jährige Schüler mit iPhones herumlaufen – es waren die ausgemusterten älteren Modelle ihrer Eltern. Dann wurde das Telefon zur Normalität auch in der Straßenbahn, und noch einmal etwas später war es auf einmal mindestens genauso schick, ein Samsung zu besitzen.

          Das iPhone ist normal geworden. Ökonomen nennen das, womit Apple jetzt kämpft, einen zunehmend gesättigten Markt. Im vergangenen Quartal musste Apple erstmals nachlassende Verkaufszahlen fürs iPhone bekanntgeben. Im Vergleich zum Vorjahr sanken sie um 16 Prozent. Das ließ den Kurs der Apple-Aktie nach unten rauschen. Fast 20 Prozent verlor sie innerhalb eines Monats. In der vergangenen Woche verlor Apple dann auch noch den Titel wertvollster Konzern der Welt an Google, ist jetzt nur noch Nummer zwei.

          Die Hoffnung stirbt zuletzt

          Das bedeutet nicht, dass es Apple schlechtgeht. Der Konzern steht gut da. Er ist derzeit der Musterschüler in der Unternehmer-Klasse – allerdings der Musterschüler, der gerade an den viel zu hohen Erwartungen seiner reichen Eltern scheitert. Apple wird demnächst nicht die nächste Revolution à la iPhone, iPod, iPad liefern. Die Apple Watch ist es nicht. Und ob das Apple-Auto, über das alle reden, jemals kommt, weiß keiner. Jetzt hat Apple erst mal in einen Uber-Rivalen in China investiert.

          Es wird normaler, langweiliger für den Konzern. Apple kennt das schon und war früher nicht gut darin. Seine Geschichte ist eine von frühem Aufstieg, tiefem Fall und grandiosem Wiederaufstieg. Wenn sich die Firma diese Kultur bewahrt, wird es nicht zum zweiten Microsoft. Dann liefert Apple irgendwann in fernerer Zukunft mindestens noch eine gute Idee. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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