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Nach Quartalszahlen : Amazon gegen Microsoft

  • -Aktualisiert am

Amazon hat Probleme Bild: AP

Beide Konzerne legten ihre Quartalszahlen mit unterschiedlichen Auswirkungen vor. Die Amazon-Aktie brach um 10 Prozent ein, das Microsoft-Papier stieg um 5 Prozent. Wer ist nun das bessere Unternehmen?

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          Was ist das bessere Unternehmen: Microsoft oder Amazon? Auch wenn die Geschäftsmodelle der beiden Konzerne denkbar unterschiedlich sind, darf man diese Frage stellen. Unbedarft würden wahrscheinlich die meisten Amazon den Vorzug geben. Schließlich gehört die Zukunft dem Onlinehandel, was derzeit nicht nur Karstadt schmerzlich zu spüren bekommt. Und Amazon, als größter Internethändler der Welt, scheint in diesem Verdrängungsspiel die besten Karten zu haben. Dagegen Microsoft: Hat der Konzern nicht erst das Internet verschlafen und dann den Mobiltrend? Und wer braucht noch Windows, wenn unsere Desktop- und Laptopcomputer verschwinden und wir stattdessen Tabletcomputer nutzen, die mit Googles Betriebssystem Android laufen oder mit Apples iOS?

          Tatsächlich ist die Welt nicht ganz so einfach – auch oder gerade nicht der schnelllebige IT-Kosmos. Als Microsoft und Amazon jetzt parallel ihre Geschäftszahlen vorlegten, fällten die Anleger ein Urteil, wie es klarer und vernichtender kaum hätte ausfallen können. Nachbörslich brach der Kurs der Amazon-Aktie um 13 Prozent ein, während sich das Microsoft-Papier um rund 5 Prozent verteuerte. Was war passiert? Amazon-Chef Jeff Bezos hatte getan, was er schon immer tat: Auf immer mehr Hochzeiten spielen und dafür viel Geld ausgeben. Längst ist Amazon nicht mehr nur ein Händler von Büchern und Unterhaltungselektronik. Vielmehr ist sein Unternehmen inzwischen in so vielen Bereichen tätig, dass es unübersichtlich wird: Clouddienste, Drohnen, Smartphones, TV.

          Und jetzt kommt noch die Konkurrenz aus dem Osten dazu: die chinesische Alibaba-Gruppe hat Amazon im vergangenen Monat in Sachen Marktkapitalisierung überholt und macht dazu noch Gewinne. Amazon dagegen wies im vergangenen Quartal einen Verlust von 437 Millionen Dollar auf. Microsoft auf der anderen Seite steckt in einem Umbruch, den Branchenbeobachter gerne sehen. Das Unternehmen setzt längst nicht mehr auf seine Windows-Dominanz, sondern stellt sich in Wachstumsbereichen auf: Das Cloudgeschäft spielt eine immer wichtigere Rolle. Und sogar das lange enttäuschende Hardware-Geschäft, namentlich mit Surface-Tablets, scheint jetzt anzuziehen.

          Das freut die Anleger: Sie trauen Microsoft wieder Chancen im Spiel der Internet- und Computergiganten zu. Dagegen sorgen sie sich, dass Amazon das Spiel zu sehr ausreizen könnte. Vielleicht zu Recht: vielleicht hat Jeff Bezos ein Ass zuviel im Ärmel.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

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