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Kommentar : Facebook ausgesperrt

Facebook will Indien mit kostenlosem Internet überziehen. Doch die indischen Behörden verhindern das. Was für ein Fehler.

          Es gilt als Sieg des Staates über die Herrschaft der großen Internet-Konzerne: Indische Aufsichtsbehörden haben Facebook verboten, allen Indern kostenloses Internet anzubieten.

          Der Argwohn war groß. Denn Facebook wollte den Armen Indiens nicht das ganze Internet zugänglich machen, sondern nur ausgewählte Seiten. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte: Er beschränke das Angebot auf die Seiten, die nicht zu viel Datenverkehr verursachen und deshalb nicht so teuer werden – zum Beispiel Facebook selbst, Google und Wikipedia. Gegner allerdings argwöhnten, dass Facebook so die Kontrolle darüber übernehmen möchte, welches Internet die Inder bekommen. Kleine Start-Ups könnte Mark Zuckerberg ausschließen. Die Netzneutralität sei in Gefahr!

          Die Aufsichtsbehörden haben diesen Bedenken nachgegeben, das halbe Internet feiert jetzt den Sieg der Netzneutralität. Aber was ist das für ein Sieg?

          Eine Milliarde Menschen bleibt ohne Internet

          Rund eine Milliarde Inder hat bisher keinen Zugang zum Internet, ist abgeschnitten von Bildung und wichtigen Informationen, die ihnen das tägliche Leben erleichtern können. Diese Milliarde Menschen hätten wenigstens Zugang zu einem Teil des Internets bekommen können.

          Es waren private Unternehmen und die Marktwirtschaft, die die Staaten in Südostasien aus ihrer Armut befreit haben – nicht staatliche Almosenprogramme. Auch in Indien ist jetzt nicht absehbar, dass die Bürger ihr kostenloses Internet irgendwo anders herbekommen können.

          Hätte Facebook dagegen erst mal angefangen, wäre vielleicht bald auch Google auf die Idee gekommen, ein ähnliches Angebot einzurichten – vielleicht mit den Seiten, die Facebook sperrt. Solche Überlegungen gibt es bei Google schon. Doch auch sie haben jetzt einen Rückschlag erlitten. Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man in Deutschland. In Indien gibt es jetzt keine Konkurrenz, kein Geschäft – und für die meisten Menschen kein Internet.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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