https://www.faz.net/-gqe-7wzei

Kartendienst „Street View“ : Google fotografiert wieder in Deutschland

Sie fahren wieder: Google-Auto mit Kameraufsatz Bild: AFP

Der Suchmaschinenkonzern schickt seine Kameraautos wieder auf Deutschlands Straßen. Die Fotos will Google diesmal allerdings nur intern verwenden. Sagt Google.

          Dass selbst die allwissend scheinende Suchmaschine Fehler machen kann, zeigt sich mitten im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Nicht weit von den Bauten im Zuckerbäckerstil an der Frankfurter Allee liegt die Silvio-Meier-Straße, benannt nach dem linken Aktivisten und Hausbesetzer, den Rechtsradikale im Jahr 1992 getötet hatten. Die Straße wurde erst vor knapp anderthalb Jahren nach Meier benannt, zuvor ehrte sie als Gabelsbergerstraße den gleichnamigen Erfinder einer Kurzschrift.

          Dieser Namenswechsel schlägt sich zwar auch in den Angeboten von Google nieder. Wer im Kartendienst „Maps“ des amerikanischen Suchmaschinenkonzerns nach der alten Gabelsbergerstraße sucht, landet direkt in der neuen Silvio-Meier-Straße. Schaut er sich im dazugehörigen Street-View-System die Fotoaufnahme der Straße aber genauer an, stößt er auf Straßenschilder mit dem ehemaligen Namen. Kein Wunder: Die Fotos sind mehr als acht Jahre alt.

          Auch wegen solcher nicht gerade selten vorkommender Umbenennungen von Straßen schickt Google seine einstmals stark umstrittenen „Street-View“-Kamerawagen seit diesem Montag wieder durch deutsche Großstädte. Wie der deutsche Ableger des Unternehmens in einem Beitrag auf dem hauseigenen Profil im sozialen Netzwerk Google+ mitteilte, finden die Fahrten zunächst in den Zentren größerer Städte statt. Dazu zählt das Unternehmen neben Berlin etwa Hamburg, München, Frankfurt und Köln. Aber auch in Nürnberg, Duisburg oder Bochum werden die Autos mit den darauf montierten Kameras zu sehen sein. Im kommenden Jahr sollen die Fahrten dann auf weitere Regionen in Deutschland ausgeweitet werden. An den veralteten Street-View-Fotos der Berliner Silvio-Meier-Straße werden die Fahrten aber nichts ändern. Google betont, dass es die neuen Aufnahmen nur intern verwenden wolle und es keine Pläne habe, sie auf Street View zu veröffentlichten.

          Eigene Fahrten seien nicht zu ersetzen

          Stattdessen will das Unternehmen seinen Kartendienst Maps mit den Fahrten verbessern. Anders als im Falle der Silvio-Meier-Straße will sich Google nicht darauf verlassen, dass auch alle Änderungen von Straßennamen öffentlich angezeigt werden. Gleiches gelte zum Beispiel auch für Verkehrsführungen, die sich inzwischen verändert haben könnten, heißt es bei Google.

          Der Suchmaschinenkonzern bietet über Maps auch einen Navigationsdienst an, dessen Genauigkeit zum Beispiel davon abhängt zu wissen, ob eine Straße inzwischen eine Einbahnstraße oder eine Sackgasse ist. Dazu kommen Informationen und Adressen zu Restaurants oder Geschäften, die auf den virtuellen Karte eingetragen sind. Um all diese Angebote auf den neusten Stand zu bringen, seien eigene Kamerafahrten nicht zu ersetzen, teilt Google mit.

          Weil das Unternehmen die Bilder nur intern verwenden will, sei „ein Widerspruch gegen die Veröffentlichung nicht möglich“, teilte Johannes Caspar mit, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Caspar kümmert sich innerhalb der deutschen Landesdatenschützer besonders um alle Angelegenheiten rund um Google, auch weil der deutsche Ableger des Unternehmens in Hamburg sitzt.

          Laut Caspar sollen aufgenommene Gesichter und Autokennzeichen auf den Fotos unkenntlich gemacht werden. Außerdem sollen die Aufnahmen so gespeichert werden, dass diese Merkmale nicht wiederhergestellt werden können. Ihm gegenüber habe Google auch klargestellt, während der Fahrten keine Funknetze zu erfassen.

          Als Google „Street View“ in Deutschland vor gut vier Jahren einführte, hatte es zuvor starke Kritik gegeben - auch deshalb, weil Google beim Fotografieren der Straßen persönliche Daten von Internetnutzern aus offenen Funknetzen (W-Lan) erfasst hatte. Später entschuldigte sich Google für die Datensammelei. Grund dafür sei eine fehlerhafte Software gewesen.

          Google ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das aktuelle Aufnahmen von deutschen Straßen produziert. Kameraautos des Kartendiensts Here von Nokia sind nach eigenen Angaben in diesem Monat unter anderem in Bergisch Gladbach, Dortmund oder Oberhausen unterwegs. Und auch in Berlin stehen im Dezember noch Fahrten an, vielleicht auch durch die Silvio-Meier-Straße.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdogans Akademiker : Der Rest ist Propaganda

          Wer dachte, eine Tagung des Zentrums für Türkeistudien in Essen würde die Lage der Universitäten am Bosporus kritisch beleuchten, sah sich getäuscht: kein Wort von Erdogans Säuberungen, nur Lob für den Potentaten.

          AKK zu Wahl in Görlitz : Schon wieder vertwittert

          Wieder sorgt die CDU-Vorsitzende mit einem Tweet für Ärger. Die Niederlage der AfD in Görlitz sei ein Zeichen für die Stärke der CDU, twittert AKK – und unterschlägt dabei, dass vor allem ein breites überparteiliches Bündnis den AfD-Sieg verhindert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.