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Vectoring : Das wird die Deutsche Telekom nicht erfreuen

  • -Aktualisiert am

Die Telekom setzt auf Vectoring. Bild: dpa

Die EU-Kommission prüft Internetpläne der Telekom. Es geht um Exklusivrechte für ein Vorhaben, das in ein paar Jahren ohnehin überholt sein könnte, weil es zu langsam ist.

          Das wird die Deutsche Telekom nicht erfreuen: Die EU-Kommission nimmt die Internetpläne des Telekommunikationsanbieters genauer unter die Lupe. Sie wird damit den Vorschlag der Bundesnetzagentur prüfen, der den Ausbau mittels sogenannter Vectoring-Technik gestattet und dazu Exklusivrechte für die Telekom am Schalter-Kasten vorsieht. Ziel sei es, wirkungsvolle Sicherheiten einzubauen, um den Wettbewerb zu wahren und Anreize für Investitionen in zukunftsorientierte Netzwerke zu schaffen, sagte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger (CDU).

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deutschland hinkt mit schnellen Internetanbindungen international zurück. Darüber, wie der Ausbau am besten gelingt, streiten sich Politiker, Unternehmen und Kommunen. Die Telekom, die zu mehr als 30 Prozent dem deutschen Staat gehört, setzt auf das Vectoring-Verfahren: Damit werden alte Kupferleitungen ertüchtigt, mittels einer Zusatzsoftware werden Störsignale unterdrückt und Bandbreiten von bis zu 100 Megabit je Sekunde ermöglicht. Die Telekom will dadurch die Internetverbindungen von etwa 6 Millionen Haushalten in Deutschland für 1 Milliarde Euro verbessern will - und verlangt dafür das exklusive Erschließungsrecht.

          In ein paar Jahren schon zu langsam?

          Allerdings erreicht das Vectoring-Verfahren nicht an die Internetgeschwindigkeiten von Glasfaserleitungen heran. Der Ausbau mittels Vectoring funktioniert in der Regel jedoch schneller und günstiger.

          Doch Beobachter gehen davon aus, dass in einigen Jahren ohnehin Glasfasernetze für höhere Internetgeschwindigkeiten nötig werden. Deswegen fordern auch Politiker und Kommunalvertreter, auf Glasfaser zu setzen und den Internetplänen der Telekom zu widerstehen. Auch fürchten die Rivalen eine Vormachtstellung der Telekom durch die Exklusivrechte.

          Die Bundesregierung mit dem Bundesminister für digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), hat das Ziel verkündet, bis zum Jahr 2018 Internetgeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit je Sekunde in ganz Deutschland verfügbar zu machen. Dabei würden die Internetpläne der Telekom helfen, die bis dahin zumindest sechs Millionen Haushalten Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit je Sekunden bringen würden.

          Dobrindt hat Ende April die ersten 55 Förderbescheide für die Milliardenförderung des Breitbandausbaus verteilt: Um unterversorgte Gebiete mit schnellen Internetverbindungen zu versorgen, erhalten Kommunen jeweils bis zu 15 Millionen Euro für jedes Ausbauprojekt. Insgesamt vergibt das Ministerium in der ersten Runde 420 Millionen Euro Fördermittel und will damit für Investitionen in schnelle Netze in Höhe von 1,2 Milliarden Euro ermöglichen.

          Die Bundesnetzagentur hatte die Vectoring-Pläne der Telekom für sechs Millionen Haushalte in deutschen Innenstädten im November unter Auflagen gebilligt. Der Konzern verpflichtet sich bis 2018 zu Investitionen von 1 Milliarde Euro und bleibt verpflichtet, Konkurrenten den Zugriff auf die Teilnehmeranschlussleitung zu gewähren. Die Telekom darf jedoch diesen Zugang in der unmittelbaren Umgebung ihrer Hauptverteiler verweigern, wenn sie dort Anschlüsse mit der VDSL2-Vectoring-Technologie erschließt.

          Nun prüft die EU-Kommission das Vorhaben – zur Freude der Rivalen der Telekom. „Ein echtes Vetorecht gibt es zwar nicht, doch wir hoffen sehr, dass es nun zu einer vernünftigen Konsenslösung kommt, die den erheblichen Bedenken des Beirats der Bundesnetzagentur, der Politik sowie 25 Wirtschaftsverbänden und Organisationen Rechnung trägt“, sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

          Er fordert eine Auflage für die Telekom, dass diese alle Nahbereiche, in denen sie ausbaut, zu mindestens 90 Prozent mit 50 Megabit je Sekunde versorgt. Die Konkurrenten haben dies zugesagt, wie er sagt: „Die Unternehmen müssen eine Chance haben, weiter zu investieren. Das Gleiche gilt für die Kommunen, die zusammenhängende Gebiete ausbauen wollen und keine Flickenteppiche, bei denen die lukrativsten Gebiete schon von der Telekom versorgt werden dürfen.“ Nach ihren Berechnungen erreicht das Telekom-Angebot in ländlichen Regionen nur eine Ausbauquote von 75 Prozent. „Die Zeiten von Monopolen müssen endlich vorbei sein“, sagte er.

          Telekom: Das verzögert vieles

          Die Kommunen halten es für ein falsches Signal, wenn die Telekom für einen großen Teil der Nahbereiche rund um die Hauptverteiler ein exklusives Recht zum Einsatz der Vectoring-Technologie erhält. Der Städtetag, der Landkreistag und der Verband kommunaler Unternehmen hoffen daher auf die EU-Kommission. „Nur mit dem dringend notwendigen Technologiewandel schaffen wir die Voraussetzungen für die Gigabit-Gesellschaft“, teilten diese am Dienstag mit.

          Ein Sprecher der Telekom verwies darauf, dass sich der Anschluss von Millionen Haushalten an das schnelle Internet durch die Entscheidung aus Brüssel verzögere. Auch die Wettbewerber hätten das Nachsehen, denn solange Vectoring nicht einsetzbar sei, blieben viele Gebiete im Monopol der Kabelnetzbetreiber.

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