https://www.faz.net/-gqe-8w23y

Cebit-Auftakt : EU-Kommissar Ansip warnt vor digitalem Rückstand

5G ist Voraussetzung für den schnellen Austausch von Daten zwischen Maschinen („Industrie 4.0“), das vernetzte Autofahren oder digitale Angebote im Gesundheitswesen. Bild: Reuters

Die Europäische Union müsse den Aufbau von 5G-Netzen endlich vorantreiben, mahnt Kommissar Ansip in der F.A.Z. Zumindest ihr Minimalziel soll die EU erreichen.

          2 Min.

          Der für Digitale Themen zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Andrus Ansip, hat die EU zum Auftakt der Cebit davor gewarnt, beim Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes abermals ins Hintertreffen zu geraten. Korea wolle sein 5G-Netz 2018 einweihen, Japan werde 2020 folgen. Da müsse die EU zumindest ihr Minimalziel erreichen, den neuen Mobilfunkstandard 2020 in einer Stadt je Mitgliedsland anzubieten, sagte Ansip im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dafür müssten auch die Finanzminister Abstriche in Kauf nehmen. „In der Vergangenheit haben viele Regierungen – auch die deutsche – bei der Versteigerung von Mobilfunklizenzen zu sehr auf die Einnahmen geschaut“, sagte der Este. Den Telekomkonzernen habe deshalb anschließend das Geld für Investitionen gefehlt. „Länder wie mein eigenes haben das anders gehandhabt und am Ende finanziell davon profitiert, weil die Wirtschaft stärker gewachsen ist.“

          „Wir wollen keine Insellösungen“

          5G ist Voraussetzung für den schnellen Austausch von Daten zwischen Maschinen („Industrie 4.0“), das vernetzte Autofahren („Connected Driving“) oder digitale Angebote im Gesundheitswesen. Entscheidend für den Netzausbau sei die bessere Abstimmung der Staaten bei der Versteigerung der nötigen Frequenzen, sagte Ansip: „Wir wollen 5G in ganz Europa und keine Insellösungen.“ Die starke Fragmentierung des EU-Markts sei ein großes Problem für die europäische Digitalwirtschaft. Ansip rief die Europäer aus, offen für den Fortschritt zu sein. Vorschläge wie eine Robotersteuer lehne er strikt ab. „Wollen wir eine Steuer auf den Fortschritt?“, sagte er. „Dann nehmen andere Länder auf der Welt unseren Platz ein und wir können anschließend als Lohnarbeiter für sie arbeiten.“

          Zumindest des schnellen Internets nehmen sich die Unternehmen an: Nach Informationen der F.A.Z. ruft der Kabelnetzbetreiber Unitymedia am Montag auf der Cebit die Ruhrgebietsstadt Bochum zur „ersten Gigabitcity Deutschlands“ aus. Die Kommune soll die erste Großstadt Deutschlands sein, in der fast flächendeckend Internet mit Gigabittempo verfügbar ist. Der Kabelnetzbetreiber, die Stadt und die Stadtwerke haben eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

          Im ersten Quartal 2018 sollen den Plänen zufolge den Bochumern entsprechende Tarifangebote gemacht werden. Preise wurden zunächst nicht genannt. Unitymedia stattet sein Glasfasernetz in Bochum mit neuen Netzelementen aus. Hinzu kommt der neue Netzwerkstandard Docsis 3.1, der Übertragungsraten von bis zu 10 Gigabit je Sekunde ermöglicht. Zum Vergleich: Wer heute eine Internetverbindung mit 100 Megabit hat, erreicht 0,1 Gigabit. Bis zum Ende des kommenden Jahres werden damit mehr als 95 Prozent der Haushalte und Unternehmen in der Lage sein, mit Gigabitgeschwindigkeit zu surfen, heißt es. Das werde den Druck auf die Konkurrenz erhöhen, sagt Unitymedia-Chef Lutz Schüler. Die gibt sich indes gewappnet: Pünktlich zur Cebit verkündet Vodafone, Bayern gar zum Gigabit-Bundesland machen zu wollen. 70 Prozent der Einwohner sollen bis 2019 schnell surfen können.

          Weitere Themen

          Die EZB bleibt im Krisenmodus

          FAZ Plus Artikel: Anleihekäufe : Die EZB bleibt im Krisenmodus

          Die jüngsten Beschlüsse zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank sind rechtlich bedenklich und strategisch äußerst ungeschickt, schreiben die Gastautoren Laus Adam und Hans Peter Grüner.

          Transportbranche warnt vor Lieferengpässen Video-Seite öffnen

          Fehlende Lkw-Fahrer : Transportbranche warnt vor Lieferengpässen

          Der allgemeine Fahrermangel wird durch eine zunehmende Zahl von Corona-Ausfällen verschärft. Ein Branchenverband fordert die Politik angesichts steigender Infektionszahlen dazu auf, schnell Vorkehrungen zu treffen: Wie wäre es zum Beispiel mit Impfangeboten auf Autobahnraststätten?

          Regierung im Funkloch

          Schlechter Mobilfunk : Regierung im Funkloch

          Niemand erfasst, wie es ums Surfen im Zug und auf Autobahnen wirklich steht. Das Digitalministerium verweist auf die „Funkloch-App“, mit der private Nutzer etwaige Lücken melden können.

          Topmeldungen

          Sinnbild für einen narzisstischen Chef: Michael Douglas als Gordon Gekkoim Film „Wall Street“

          Narzissmus im Job : Wenn der Chef nur sich selbst liebt

          Der Vorgesetzte ist dominant, leicht kränkbar oder cholerisch? Schnell liegt der Verdacht einer Persönlichkeitsstörung in der Luft. Doch schwierige Chefs sind nicht immer gleich Narzissten.
          Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)

          Anleihekäufe : Die EZB bleibt im Krisenmodus

          Die jüngsten Beschlüsse zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank sind rechtlich bedenklich und strategisch äußerst ungeschickt, schreiben die Gastautoren Laus Adam und Hans Peter Grüner.
          Im Parlamentarischen Rat vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland war die Zentrumspartei 1948 noch vertreten.

          Comeback nach 64 Jahren : Die Zentrumspartei ist wieder da

          Ein früherer AfD-Abgeordneter beschert der Partei nach 64 Jahren die Rückkehr in den Bundestag. Die älteste deutsche Partei war das politische Sprachrohr der Katholiken im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Wofür steht sie heute?