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F.A.Z. exklusiv : Bundesregierung ruft zum Kampf gegen Cyber-Attacken

Will über die Risiken der Digitalisierung aufklären: Finanzminister Wolfgang Schäuble Bild: dpa

Die Bundesregierung sorgt sich um die Sicherheit des globalen Finanzsystems. Finanzminister Schäuble wird das Thema auf einer wichtigen Konferenz nun erstmals öffentlich zur Sprache bringen.

          Die Bundesregierung will eine internationale Allianz schmieden, um Anschläge aus dem Internet auf einzelne Banken und den gesamten Geldkreislauf zu verhindern. „Cyber-Attacken auf Finanzinstitute sind nicht das Problem einzelner Institute. Sie sind ein Angriff auf die Integrität des internationalen Finanzsystems, die wir nicht tolerieren dürfen“, hieß es am Dienstag in Regierungskreisen in Berlin.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Deutschland will diese Bedrohungslage auf der Ebene der Finanzminister und Notenbankchefs der zwanzig wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) zum Thema machen. „Wir streben dazu eine Wohlverhaltenserklärung an“, berichtete eine mit der Planung vertraute Person dieser Zeitung. „Erste Gespräche dazu haben wir auf Arbeitsebene aufgenommen, erste Reaktionen waren wohlwollend.“

          Schwerpunkt Digitalisierung

          Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) besucht am heutigen Mittwoch eine G-20-Fachkonferenz der Deutschen Bundesbank zu den Chancen und Risiken, die mit der Digitalisierung der Finanzwirtschaft verbunden sind. Er wird in Wiesbaden vor internationalem Publikum mit dem SAP-Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner diskutieren. Es ist davon auszugehen, dass er diese Gelegenheit nutzen wird, erstmals öffentlich mehr zu sagen über die identifizierten Gefahren und die von ihm geplanten Gegenmaßnahmen.

          Die Bundesregierung hat das Thema „Chancen und Risiken der Digitalisierung“ zu einem Schwerpunkt ihrer G-20-Präsidentschaft gemacht. Dahinter steht die Einschätzung, dass moderne Techniken im Finanzbereich neue Möglichkeiten eröffnen, beispielsweise einen besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen für immer mehr Menschen in der Welt. Man erhofft sich davon mehr Chancengleichheit und letztlich auch einen Beitrag zu mehr globaler Stabilität.

          Ein Stichwort, das auf internationalen Konferenzen in diesem Zusammenhang immer öfter zu hören ist, heißt „finanzielle Inklusion“. Dahinter steht genau dieses Ziel: Wie kann man es erreichen, dass breite Kreise der Bevölkerung an der Digitalisierung teilhaben können?

          Schutz vor Angriffen übers Internet

          Das Finanzministerium will mit den G-20-Partnern nicht nur über die Vorteile der Digitalisierung reden, sondern eben auch über die damit verbundenen Gefahren. So eröffnen sich Kriminellen ganz neue Betätigungsfelder, wenn potentiell nahezu alle Transaktionen digital zu überwachen, wenn immer mehr Informationen über einzelne Menschen öffentlich werden können.

          Besonders heikel ist dies, weil die Verbrecher nicht länger physisch dort auftauchen müssen, wo sie zuschlagen wollen. Sie können von nahezu überall auf der Welt ihren Angriff starten – ein Laptop und eine Internetverbindung reichen in solchen Fällen. Deswegen hält es die Bundesregierung für zwingend geboten, die Regulierung auf internationaler Ebene anzupacken. Nur so hält es Berlin für möglich, angemessen auf die neuen Herausforderungen zu reagieren.

          Finanzmärkte sollen widerstandsfähiger werden

          Aus diesen Gründen misst die Bundesregierung dem Thema Sicherheit im Internet während ihrer Präsidentschaft eine so große Bedeutung bei. Cyber-Attacken stuft sie als ein großes Risiko für das globale Finanzsystem ein.

          Dahinter steht die schlichte Tatsache, dass die internationalen Finanzmärkte eng miteinander vernetzt sind. Das führt dazu, dass eine solche Attacke auf ein einzelnes Institut immer auch Auswirkungen auf andere Institute und Staaten haben wird. So hofft sie auf internationale Unterstützung für ihren Schwerpunkt „Cyber Security“. In einem ersten Schritt will die Bundesregierung erreichen, dass die Finanzmärkte widerstandsfähiger gegen Angriffe aus dem Internet werden. Dazu gehört nach ihrer Einschätzung eine Art Bestandsaufnahme, um bestehende Sicherheitslücken zu identifizieren.

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