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Manager auf Bildungsreise : Auf Pilgerfahrt ins Silicon Valley

Auf der Suche nach der ganz großen Lösung
 

Einblicke in die Labors, in denen an intelligenten Kontaktlinsen, Autos, Häusern und mehr geforscht wird, bekamen die Gäste zwar nicht. Was sie aber bekamen, waren Einblicke in eine Arbeitsatmosphäre, die Innovationen hervorbringt. „Wir in Deutschland versuchen, etwas 10 Prozent besser zu machen. Im Silicon Valley versuchen sie, etwas zehnmal besser zu machen“, berichtet Terruhn. Man will den „Moonshot“, die ganz große Lösung.

Zwar kann der Werber weder 20 Prozent seines Umsatzes noch 20 Prozent der Arbeitszeit seiner Mitarbeiter ins Experimentieren stecken, wie das mancher Internetkonzern macht. Trotzdem hat sich sein Arbeitsalltag seit der Reise verändert: „Wenn jemand eine Idee hat und es gleich wieder heißt, das funktioniert sowieso nicht, das ist zu teuer, sage ich: stopp! Überlegen wir doch erst mal: Was könnten wir damit erreichen?“ Gut 3500 Euro ließ sich Serviceplan die Reise pro Person kosten - 1000 Euro für den Flug, 2500 Euro fürs Hotel. Eintritt verlangen die Internetkonzerne noch nicht. Terruhn sagt, das Geld sei gut investiert: „Der Output ist enorm.“

Timotheus Höttges, auch er einer der Valley-Pilgerer, beeindruckte besonders, dass die Gründer im Silicon Valley ihre Ideen nicht bis zur Marktreife geheim halten, sondern es einen regen Austausch und Verbesserungsvorschläge in der Szene gibt. Sechs Wochen nahm sich Höttges für seine Erkundungstour Zeit, bevor er Anfang vergangenen Jahres den Vorstandsvorsitz der Deutschen Telekom übernahm, er belegte unter anderem einen Sommerkurs an der renommierten Stanford-Universität, an der einst Larry Page und Sergey Brin die Idee zu Google entwickelten.

„Das Valley ist das Kraftzentrum der Branche“

Der Vorstandsvorsitzende des deutsch-chinesischen Modehauses Esprit hat es sich zur Tradition gemacht, einmal im Jahr auf Bildungsreise in Kalifornien zu gehen - eine Woche lang Firmenbesuche und Ideen sammeln. Das Silicon Valley sei ein Magnet für die gesamte Industrie, sagt José Manuel Martínez. „Wir müssen dorthin, sonst verpassen wir den Lauf der Zeit.“ Mode und Hightech sind in den vergangenen zehn Jahren eng aneinandergerückt, jetzt verschmelzen sie.

„Wir sehen das Aufkommen von diesen Wearable-Computern“, sagt Martínez. „Und da reden wir nicht nur von Uhren, Armbändern und allerlei Accessoires. Wir reden von Jacken, Hosen, T-Shirts.“ Stecknadelkopfgroße Sensoren werden quasi in die Stoffe eingewebt. Kunden können alle möglichen Daten erfassen lassen und über Apps auf ihre Handys oder Computer transferieren. „Was wir da im Valley an Visionen und Innovationen erleben, ist phantastisch“, schwärmt der Manager.

Die Anziehungskraft ist so groß, dass manches deutsche Softwarehaus wichtige Teile seiner Entwicklungsabteilung nach Kalifornien verlagert hat. Bernd Leukert zum Beispiel, der Entwicklungsvorstand von SAP, hat eines seiner wichtigsten Büros  im Silicon Valley, genauer gesagt: in Palo Alto, der Keimzelle der technischen Entwicklung. Hier lässt Europas größtes Softwarehaus Tausende von Entwicklern für sich arbeiten.

Leukert verbringt rund die Hälfte seiner Arbeitszeit im Valley. „Das Valley ist das Kraftzentrum der Branche; wenn man innovativ sein will, muss man dort sein“, sagt auch Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG. Die ist seit der Übernahme von mehreren Valley-Firmen ebenfalls mit einer Dependance vor Ort.

Der Springer-Reisegruppe gefiel es im Silicon Valley so gut, dass aus dem halben fast ein ganzes Jahr wurde. Zu einer Strategietagung flog zwischenzeitlich die gesamte Führungsriege inklusive Firmenpatriarchin Friede Springer aus Berlin ein. In Youtube-Videos huldigt der Konzern der Klassenfahrtstimmung im Reisebus. Sein Fazit: Nicht alles, was gut ist, entsteht in einer Garage in Kalifornien. „Aber hinfahren kann man ja trotzdem mal.“

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Es berichten Julia Löhr, Stephan Finsterbusch und Carsten Knop

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