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Rekordgewinn : Apple erwirtschaftet mehr als Island

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Ruhiges Reykjavik: Islands Bruttoinlandsprodukt beträgt beinahe 15 Milliarden Dollar - Apple hat gerade einen deutlich höheren Gewinn gemeldet. Im Quartal. Bild: AFP

18 Milliarden Dollar Gewinn hat Apple in nur drei Monaten gemacht - ein Rekord. Dafür könnte der iPhone-Hersteller in Deutschland ganze Konzerne kaufen. Für die Politik reicht diese Summe aber nicht wirklich.

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          Apple ist eine richtige Geldmaschine geworden. 18 Milliarden Dollar Gewinn in nur einem Quartal meldet der iPhone-Konzern nun - soviel Geld hat noch nie in der modernen Wirtschaftsgeschichte ein Unternehmen in so kurzer Zeit verdient. Kein Ölkonzern. Und auch kein staatlich gelenktes Unternehmen. 18 Milliarden Dollar sind eine stolze Summe - ganz Island zum Beispiel erwirtschaftet weniger als das in einem ganzen Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt rund 15 Milliarden Dollar und verteilt sich auf knapp 320.000 Einwohner - Apple hat etwas mehr als 90.000 Mitarbeiter.

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          Wenn sich die Apple-Führung nun entschlösse, dieses Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren, könnte sie in Deutschland zum Beispiel schon in der ersten Reihe der Unternehmen kräftig zuschlagen - und das noch ohne einen Cent Kredit, alles Cash. Im Standardwerte-Aktienindex Dax zum Beispiel gibt es mit der Lufthansa, Thyssen, Lanxess, Infineon und K+S eine ganze Serie an Unternehmen, die (auch in Dollar gerechnet) an der Börse gerade deutlich geringere Summen kosten als 18 Milliarden Dollar. Die Lufthansa zum Beispiel ist am Markt derzeit umgerechnet etwas weniger als 8 Milliarden Dollar Wert - ob Apple-Chef Tim Cook aber Lust darauf hat, sich mit den Flugkapitänen über ihre üppigen Ruhestands-Regeln zu streiten den Konzern im Luftfahrtwettbewerb des 21. Jahrhunderts neu auszurichten, darf bezweifelt werden.

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          Wenn es kein Einstieg in die deutsche Realwirtschaft sein soll, dann vielleicht ein Engagement in der Finanzbranche? Für die Commerzbank immerhin wären schon beinahe 13 Milliarden Dollar fällig, gemessen an aktuellen Börsenkursen. Aber auch die in der Finanzkrise gestrauchelte Bank wird sich ein Technologieführer aus dem Silicon Valley sicher nicht ans Bein binden - obwohl sich hier vielleicht Synergieeffekte anbieten oder Werbung kombinieren ließe: Wer ein Konto aufmacht, bekommt statt Zinsen ein günstiges Handy?

          Möglich wäre auch ein Einstieg in Immobilien. Gerade ist die Europäische Zentralbank in ihren neuen Turm im Frankfurter Ostend eingezogen. Ein moderner Bürokomplex in einer der beliebtesten deutschen Städte in der Wachstumsregion Rhein-Main, Kostenpunkt rund 1 Milliarden Euro? Vielleicht wäre das ja was. Bislang zumindest ist Apple nicht als Immobilien-Investor aufgefallen - und dann ergäbe sich mit der Abhängigkeit von einem einzigen Mieter ja auch ein gewisses Klumpen-Risiko.

          In der deutschen Politik könnte Apple mit ziemlich genau 18 Milliarden Dollar übrigens ein fulminantes Signal in der Energiewende setzen. Denn diese Summe, schätzte einmal die Unternehmensberatung Arthur D. Little, müssen die deutschen Kraftwerksbetreiber mindestens zahlen für den Abbau aller Atomreaktoren. Dann wäre zumindest dieses Finanzierungsfrage geklärt - Apples Gewinn aber auch einfach weg.

          Nicht nur in der Energiepolitik, auch in der deutschen Sozialpolitik ist übrigens nicht mit einem Einsatz Apples zu rechnen. Womöglich auch deswegen, weil den deutschen Sozialsystemen nicht wirklich viel geholfen wäre mit 18 Milliarden Dollar. Apple könnte damit zwar ungefähr ein Dreivierteljahr lang das Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) übernehmen. Wirklich hinten und vorne nicht mehr reicht dieses Geld aber für die wachsende Zahl de deutschen Rentner. Die gesetzliche Rentenversicherung braucht jedes Jahr einen riesigen Milliarden-Zuschuss aus dem Staatshaushalt, damit alle Renten ausgezahlt werden können. Diesen Zuschuss würde Apple nicht einmal dann stemmen können, wenn es ein ganzes Jahr lang in jedem Quartal 18 Milliarden Dollar Gewinn machte.

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