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Nextdoor expandiert : Nachbarschaftshilfe als Internetgeschäft

  • -Aktualisiert am

Klopft nun auch in Europa an die Tür: Nextdoor-Gründer Nirav Tolia Bild: Reuters

Die amerikanische Plattform Nextdoor drängt nach Europa. Hier könnte sie aber das Geschäftsmodell lokaler Medien zerstören.

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          Sie sind alle wieder mit dabei. Wie damals, als die noch wenig bekannten Start-up-Hoffnungen Google, Facebook oder Twitter mit Beteiligungskapital aufgebaut wurden für ihren späteren Erfolg auf dem Weltmarkt. Auch jetzt sehen die Investorengurus von Benchmark Capital, Greylock Partners, Shasta Ventures oder Pinnacle das Potential für den ganz großen Wurf. „Nextdoor.com“ heißt die Internetplattform, die in den Vereinigten Staaten exponentiell wächst. Gerade sind noch einmal 110 Millionen Dollar Risikokapital in das Unternehmen aus San Francisco geflossen. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört zu den Financiers. Der Wert des sozialen Netzwerkes, das sich mit Nachbarschaftshilfe beschäftigt, wird inzwischen auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt, obwohl noch gar kein Geschäftsmodell für Einnahmen greift.

          Das ändert nichts an der Strategie einer erheblichen Ausweitung, erst einmal nur über immer mehr Reichweite. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung steht der Sprung in den europäischen Markt bevor. Auf Anfrage bestätigt die Unternehmenszentrale in Kalifornien, dass Nextdoor demnächst in den Niederlanden aktiv werden wird. Mitarbeiter werden dafür schon auf der eigenen Internetseite gesucht. Für weitere Investitionen in Europa gebe es derzeit keine Pläne, sagte eine Sprecherin. Doch zu hören ist, dass Holland, bekannt für eine hohe Online-Affinität der Bevölkerung und ausgeprägte Akzeptanz sozialer Netzwerke, nur der erste Schritt für viel größere Sprünge ist.

          Das gilt gerade im Hinblick auf Deutschland. Manch ein Experte geht noch weiter und glaubt, dass Nextdoor an den europäischen Verlagen vorbei das nächste Plattform-Geschäft aufbauen könnte. „Was das bedeutet, haben die Medienkonzerne schon mit Facebook, Youtube, Google, Netflix und Co. erfahren“, sagt Philipp Götting, selbst Unternehmer mit einer fast identischen Geschäftsidee wie Nextdoor. Das mittelfristige Potential würde bei der Entwicklung zur lokalen Nachrichtenseite liegen – und dann zum Lokalmedium der Zukunft. Damit könnte dann auch die Werbegeldmaschine angeworfen werfen. Mit Kleinanzeigen wie bei Google, die über Algorithmen auf den jeweiligen Nutzer zugeschnitten sind.

          Götting gründete vor zwei Jahren in Berlin mit zwei Freunden das Portal „WirNachbarn“. Es ist ein Mini-Facebook für den Kiez. Es soll den Kontakt zu Nachbarn verbessern und das Zusammenleben in einem Viertel oder einer Stadtteilgemeinschaft unter den Bewohnern fördern. Daraus ergibt sich das mögliche Geschäft. „Das Bedürfnis nach Nachbarschaftshilfe und weniger Anonymität wächst bei den Menschen. Vielerorts tun sich die Leute aber schwer, ihre Nachbarn um einen Gefallen oder Unterstützung zu bitten. Wir bieten ein modernes Instrument, um sich einfach und unkompliziert auszutauschen“, sagt Götting.

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          95 Prozent der Deutschen bezeichnen sich als hilfsbereit

          Worum geht es? Über das Netzwerk kann zum Beispiel ein Bohrer ausgeliehen, eine Fahrgemeinschaft gegründet, die entlaufene Katze gesucht, ein Straßenfest organisiert oder auch Beobachtungen zu Diebstahlrisiken weitergegeben werden. Im digitalen Zeitalter wird das soziale Netzwerk im Internet somit für reale Begegnungen genutzt und verbindet Menschen, die in physischer Nähe leben. Nach einer Emnid-Studie bezeichnen sich 95 Prozent der Deutschen als hilfsbereite Nachbarn. 40 Prozent haben Lust, sich mehr zu engagieren. „WirNachbarn“ wächst ebenfalls, aber nicht in den gewaltigen Dimensionen von „Nextdoor“.

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