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Zehn Jahre iPhone : Happy Birthday, Revolution!

Schaut her, da ist es: Steve Jobs am 9.Januar 2007 bei der Präsentation des ersten iPhones. Bild: AFP

Im Januar 2017 wird das iPhone zehn Jahre alt. Seit dem hat das Smartphone die Welt verändert, wie es niemand vorhergesehen hat. Ein Zurück in die alten Verhältnisse wird es nicht geben.

          Viele denken jetzt in den Tagen des Terrors an den 11. September 2001 zurück, jenes Datum, das damals als Zeitenwende galt. Aber wenn man fragt, welches Ereignis unsere Epoche wirklich umgepflügt hat, die große Politik und den Alltag gleichermaßen veränderte, tief in die Poren der Persönlichkeit eindrang und das Wirtschaftsleben weiterhin auf eine Art und Weise verändern wird, die noch nicht jeder begriffen hat: Dann braucht man die Ziffern nur etwas umzustellen und aus 9/11 den 9. Januar zu machen, versehen mit der Jahreszahl 2007.

          Es war der Tag vor zehn Jahren, an dem Apple-Chef Steve Jobs in San Francisco das erste iPhone vorstellte. Das Smartphone, wie wir es kennen, war geboren. Vorher gab es schon Geräte, die so hießen, die aber über winzige Tastaturen kompliziert zu bedienen waren. Und heute sind andere Anbieter erfolgreicher als Jobs’ Nachfolger, doch ihre Geräte beruhen auf demselben Prinzip.

          Die umstürzenden Folgen hat kaum jemand vorhergesehen. Um das Gerät an sich gab es zwar einen gewissen Rummel. Aber die ersten Lizenzen für mobiles Internet galten schon bald nachdem die Bundesregierung sie im Jahr 2000 versteigert hatte als überbezahlt und überbewertet: Wozu muss man unterwegs ins Netz?

          Ganze Branchen durcheinandergewirbelt

          Unterschätzt haben die meisten, dass das World Wide Web seine volle Durchschlagskraft erst in mobiler Form entwickelte. Vorher schauten die Leute gelegentlich am Arbeitsplatz ins Netz, nun bestimmt die mobile Kommunikation das ganze Leben. Ob es Unterhaltungen mit Freunden sind oder Bankgeschäfte, der Konsum von Nachrichten oder der Weihnachtseinkauf: Alles lässt sich immer und überall erledigen - in der U-Bahn, im Wartezimmer, leider auch am Esstisch mit Freunden oder im Straßenverkehr.

          Das wälzt nicht nur unsere Vorstellung völlig um, wie wir mit Daten umgehen - mit derzeit noch offenem Ergebnis. Es wirbelt auch ganze Branchen durcheinander. Reisebüros und Buchhandlungen, Banken und Versicherungen können sich auf alte Geschäftsmodelle nicht mehr verlassen. Selbst die großen Autohersteller trifft es. Ohne die Möglichkeit, immer und an jedem Ort über Carsharing und U-Bahn-Zeiten informiert zu sein, würden nicht so viele Großstädter auf den eigenen Wagen verzichten. Und das intelligente Auto, vor dem die etablierten Marken jetzt so zittern, beruht im Kern auf Smartphone-Technologie.

          Als wäre das alles nicht schon politisch genug, revolutioniert das Gerät die gesellschaftliche Teilhabe ganz allgemein. Mehr noch als für die westlichen Industrieländer gilt das für den Rest der Welt, für Gegenden, in denen an flächendeckendes Festnetz-Telefon nie zu denken war, von Glasfaser-Internet ganz zu schweigen.

          Ein Zurück in die alten Verhältnisse wird es nicht geben

          Sie haben einen Entwicklungsschritt übersprungen und sind gleich in die Welt der mobilen Daten eingetaucht. Heute bekommt jeder Flüchtling die Informationen in Echtzeit, und wenn der deutsche Innenminister eine Asylprognose abgibt, zeigt sich der Pull-Effekt der Obergrenze: Dann wollen alle noch schnell nach Europa.

          Umgekehrt kann jeder ein Foto hochladen und mit ein paar Klicks global zugänglich machen, im Extremfall sogar die Weltöffentlichkeit damit beeinflussen. Zurzeit konzentriert sich die Debatte sehr stark auf die Schattenseiten dieser Möglichkeiten. Von „fake news“ ist die Rede, von Hass-Posts und kriminellen Machenschaften im Netz. Das alles gibt es. Auch hier bekommen Phänomene, die es zuvor schon gab, durchs Smartphone eine neue Qualität.

          Aber das sollte nicht den Blick verstellen auf die neuen Chancen, die sich eröffnen, auf Demokratisierung und auf Partizipation gerade auch außerhalb unserer eigenen Wohlstandszone. Auf eine paradoxe Art hat das Smartphone eine Welt, die an vielen Enden zu zerfallen scheint, näher zusammengerückt. Ein Zurück in die alten Verhältnisse wird es nicht geben. Höchstens die Möglichkeit, das Gerät an den Feiertagen für ein paar Stunden ruhen zu lassen.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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