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Luxusgüter : „Krieg der Handtaschen“ beigelegt

  • -Aktualisiert am

Läuft künftig für den Pinault-Konzern Bild: Gucci

Frankreichs Luxushäuser LVMH und PPR haben ihren Streit um Gucci beigelegt - für die Kleinigkeit von sechs Milliarden Dollar.

          Der Streit um Gucci hat nach zweieinhalb Jahren Ende gefunden. "Endlich!" könnte man sagen, aber auch "Schade!". Denn die Auseinandersetzung Modehaus zwischen den französischen Luxusmagnaten Bernard Arnault und Francois Pinault um das Mailänder Unternehmen war unterhaltsam wie eine Posse und hatte am Ende nichts mehr gemein mit dem Schein der schönen Welt, in der dieser Streit spielte.

          Beide Protagonisten bezichtigten sich am Ende gegenseitig öffentlich der geistigen Umnachtung, nur um in diesem unsinnigen Streit nicht nachzugeben. Pinault, Chef des Imperiums Pinault-Printemps-Redoute (PPR), schickte dazu regelmäßig seinen Vorstandsvorsitzenden Serge Weinberg vor. Und Arnault schrieb gleich ein ganzes Buch, in dem er sich selber als Frankreichs Herrscher über die schönen, aber nutzlosen Dinge des Lebens stilisiert.

          Kapitalerhöhung mit Folgen

          Aber worum ging es eigentlich in dem „Krieg der Handtaschen“, wie die Luxusposse in der Modewelt gerne genannt wurde? Um eine Kapitalerhöhung und deren Rechtmäßigkeit. Genauer: Bis Anfang 1999 hatte LVMH peu à peu seinen Anteil an Gucci auf 34,4 Prozent ausgebaut und war damit zum Hauptaktionär aufgestiegen. Allen in der Branche war klar: Arnault will Gucci ganz übernehmen. So war der "Wolf im Schafspelz", wie ihn die Financial Times mal nannte, auch bei allen anderen Schmuckstücken seiner Holding vorgegangen.

          Den Mailändern passte das jedoch überhaupt nicht. Sie erhöhten ihr Kapital, gaben neue Aktien heraus und traten 42 Prozent ihrer Anteile an den „weißen Ritter“ PPR ab. Ein weißer Ritter tritt in Übernahmekämpfen als Beschützer des angegriffenen Unternehmens auf, indem es etwa eine Sperrminorität an der Firrma erwirbt. Mit Hilfe der Kapitalerhöhung schmetterte Gucci den Übernahmeversuch von LVMH ab - der LVMH-Anteil war über Nacht auf 20,6 Prozent gesunken. Der Kampf zweier verletzter Egos begann.

          Wie Kinder um Spielzeug

          Arnault und Pinault stritten sich wie Kinder um ein Spielzeug. Arnault versuchte in mehreren Gerichtsprozessen, Pinaults Einstieg bei Gucci rückgängig machen zu lassen. Von Gucci waren beide wie besessen, weil die Edellederfirma ihren Umsatz binnen weniger Jahre um fast 400 Prozent gesteigert hatte. Solange die Aktienkurse, ihre eigenen und die von Gucci, stiegen, konnten sich beide einbilden, hinter einem großen Geschäft her zu sein. Doch mit der Flaute an den Finanzmärkten geriet der Zwist zu einer eitlen Schmierenkomödie.

          Am Montag nun einigten sich die Kontrahenten schließlich darauf, dass PPR in mehreren Schritten die LVMH-Beteiligung von 20,6 Prozent für sechs Milliarden Dollar bekommt. Der PPR-Anteil wird dann bei 53,2 Prozent liegen. PPR wird sofort von LVMH 8,5 Millionen Gucci-Aktien für einen Preis von 94 Dollar pro Aktie kaufen, und Gucci will bis zum 15. Dezember dieses Jahres eine außerordentliche Dividende von sieben Dollar an alle seine Aktionäre außer denen von PPR zahlen. Schließlich beabsichtigt PPR, am 22. März 2004 ein öffentliches Übernahmeangebot für alle Gucci-Aktien für einen Preis von 101,5 Dollar pro Aktie zu machen.

          Der größte Fehler im Leben des Herrn Arnault

          „Wie alle Einigungen ist es ein Kompromiss, aber es ist eine gute Vereinbarung im großen und ganzen“, sagte Antoine Colonna, Luxusgüter-Analystin bei Merril Lynch. Pinault zeigte sich jedenfalls zufrieden. Der PPR-Vorstandsvorsitzende Serge Weinberg begründet das kostspielige und umständliche Verfahren mit den Worten, dass Gucci als "einer der wichtigsten Luxuskonzerne der Welt" die Investition wert sei.

          Arnault bleibt immerhin ein hübscher Veräußerungsgewinn. Der könnte ihn darüber hinwegtröste, dass er nicht rechtzeitig zuschlug. Vor zwei Jahren äußerte er sich im Klatschblatt "Paris Match": Auf die Frage, welches der größte Fehler in seinem Leben gewesen sei, sagte er: "Dass ich Gucci nicht schon 1994 gekauft habe, als es zum Verkauf stand".

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