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Luxusautos : Porsche & Co. hoffen auf die roten Reichen

Der neue Porsche Panamera auf der Teststrecke Bild: dpa

China ist auf dem Weg zum größten Automarkt der Welt. Luxushersteller gönnen sich auf der Messe in Schanghai einen großen Auftritt. Hier herrscht noch Hoffnung angesichts positiver Zahlen - die sind jedoch nur nach westlichen Maßsstäben wirklich gut.

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          Porsche stellt die Systemfrage: Nicht in Zuffenhausen, nicht in Mailand oder Detroit packen die Schwaben ihren Panamera erstmals aus, sondern ausgerechnet in Schanghai, der Wirtschaftsmetropole der kommunistischen Einparteiendiktatur China. Das Luxusmobil im 94. Stockwerk des Shanghai World Financial Center kurz vor Eröffnung der diesjährigen Automobilmesse in China der Welt vorzustellen macht Sinn: Von den großen Automärkten der Erde wächst nur noch die Volksrepublik. Noch in diesem Jahr könnte sie Amerika als größte Absatzregion ablösen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Während sie daheim sparen, lassen es die Luxushersteller jenseits der chinesischen Mauer in diesen Tagen noch einmal so richtig krachen. Ein paar Stunden vor Porsche wird Daimler einen von AMG auf Hochtouren gebrachten Mercedes im selben Wolkenkratzer vorführen. Denn wenn in Genf, Mailand oder Dallas Absatzflaute bei den Luxuslimousinen herrscht, rücken Schanghai und zunehmend auch Bombay ins Blickfeld. Die Reichen der Schwellenmärkte sollen zumindest teilweise die Flaute in den Industrieländern auffangen.

          Die Aussichten sind gut

          Zur Eröffnung der Auto Schanghai 2009 die von Montag an unter dem doppelsinnigen Motto „Die Kunst der Erneuerung“ mehr als 1.500 Aussteller anzieht, buhlen die deutschen Hersteller um die gutbetuchten Chinesen. Zwar schrumpfte auch die Zahl der roten Milliardäre in Jahresfrist um ein Viertel, ihr Vermögen halbierte sich. Doch den Reichen bleibt noch genug übrig, zudem lieben sie es, ihren Wohlstand zur Schau zu stellen.

          Der Porsche 911 GT3 bei der internationalen Autoshow in New York
          Der Porsche 911 GT3 bei der internationalen Autoshow in New York : Bild: AFP

          Noch wichtiger ist aber für die Massenhersteller: In den Schwellenländern bildet sich eine Mittelschicht heraus, die durchaus die Kaufkraft für Kleinwagen hat. Die Nachfrage scheint unbegrenzt. Gemessen an der Zahl seiner Einwohner hat China erst eine Fahrzeugdichte wie Amerika im Jahr 1925 oder Japan 1965.

          Der Absatz wird nun auch von der Regierung gefördert, um Arbeitsplätze zu schaffen, aber auch um den Flottenverbrauch zu verringern. Peking stärkt den Verkauf von Kleinwagen mit Motoren unterhalb der 1,6 Liter-Marke. „Im Januar und Februar lag der Absatz bei Personenwagen 2,7 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Im März waren es dann schon 5 Prozent. Das geht eindeutig zurück auf das Wiederbelebungsprogramm für den Markt durch die Regierung, das vor allem von Steuererleichterungen geprägt ist“, sagt Qu Hongbin von der Bank HSBC.

          Die Aussichten bleiben gut: „China und Indien werden die Treiber des weltweiten Automobilmarktes bleiben und ihre Größe bis 2014 verdoppeln. China dürfte in den nächsten fünf Jahren von derzeit 5,8 Millionen Einheiten auf etwa 11 Millionen Einheiten zulegen, Indiens Fahrzeugmarkt von 1,5 auf 2,6 Millionen Einheiten“, sagt Mohit Arora von den Marktanalysten JD Power.

          Die Chinesen bemühen sich um die Moderne

          13 Weltpremieren - überwiegend von chinesischen Herstellern - sind für die Messetage in Schanghai geplant. Allein der börsennotierte Hersteller Geely plant die Präsentation von 22 neuen Modellen, gebündelt unter dem Dach von drei neuen Marken, Gleagle, Emgrand und Shanghai Englon. Das trifft besonders die Japaner. Denn von der Tokio Motor Show haben sich die Ausländer weitgehend zurückgezogen.

          In Schanghai aber geben sich Wiedeking, VW-Chef Winterkorn und Daimler-Chef Dieter Zetsche als Chefverkäufer ihrer Autos ein Stelldichein. Fritz Henderson, der neue Cheflenker von General Motors, sagte seine Reise erst am gestrigen Freitag ab, weil er zunächst sein Unternehmen retten muss.

          Auch wenn sie bei den europäischen Crashtests regelmäßig durchfallen, bemühen sich die chinesischen Hersteller ihrerseits um die Moderne: Volkswagen-Partner SAIC will auf der Messe nicht nur ein Elektroauto zeigen, sondern auch den Rover-Nachfolger Roewe mit Hybrid-Motor.

          Das gute Frühjahr nur ein Strohfeuer?

          Unbeeindruckt von den Wirren in der Welt zieht Volkswagen in China seine Kreise. Der Marktführer hat seine Auslieferungen im ersten Quartal um 6 Prozent auf fast 285.000 Wagen gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert.

          Der März war für die Gruppe mit einem Absatz von gut 112.000 Fahrzeugen sogar der beste Monat ihrer Geschichte in China. „Wir haben unsere Planung nach oben angepasst und werden zunächst 50.000 Einheiten mehr produzieren“, frohlockt Winfried Vahland, Präsident von VW in China. Bis 2018 will Volkswagen den Absatz in China auf zwei Millionen Fahrzeuge verdoppeln.

          Allerdings ist der derzeit einstellige Zuwachs gut nur gemessen an westlichen Verhältnissen - noch vor einem Jahr wuchs der chinesische Automobilmarkt um 22 Prozent. Zudem hält sich die Sorge, dass das Frühjahr nur ein Strohfeuer war. „Die Entwicklung des chinesischen Automobilmarktes ist ganz eng an die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes geknüpft“, sagt Ivo Naumann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Alix Partners in Schanghai.

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