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Luther und Fidal : Deutsche und französische Anwälte gründen neues Netzwerk

In Frankreich ist Fidal die größte Wirtschaftskanzlei. Mit den Anwälten von Luther will man die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Netzwerken auf ein neues Niveau bringen. Bild: dpa

Es ist ein Ausrufezeichen für den internationalen Kanzleimarkt nach dem Brexit: Mit Luther und Fidal kooperieren deutsche und französische Anwälte enger miteinander. Ihr Netzwerk unyer steht auch Tech-Dienstleistern offen.

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          Die deutsche Großkanzlei Luther und die französische Wirtschaftskanzlei Fidal wollen noch enger miteinander kooperieren und gründen ein gemeinsames globales Netzwerk. Die Organisation hört auf den Namen „unyer“ und soll neben den beiden Gründungspartnern künftig weitere internationale, professionelle Beratungsunternehmen aufnehmen. Im Gegensatz zu vielen Kanzleinetzwerken und sogenannten Best-Friends-Vereinbarungen öffnet sich unyer auch anderen Beratungsberufen und insbesondere Tech- und IT-Unternehmen. Hingegen soll es in jedem Land aber nur ein Mitglied geben.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als Rechtsform haben sich Luther und Fidal sich für einen Schweizer Verein entschieden. Das gewährt beiden Partnern unterhalb der Dachorganisation weiterhin eine finanzielle Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, auch gibt es dadurch keine haftungsrechtlichen Überschneidungen. Kumuliert kommt unyer auf einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro. Innerhalb der Organisation arbeiten 2000 Anwälte in mehr als 10 Ländern in Europa und Asien. Erklärtes Ziel ist es, mit dem Netzwerk in den kommenden Jahren in den 20 größten Volkswirtschaften der Welt präsent zu sein.

          Offen für andere Beratungsberufe

           „Wir sind sehr stolz, heute die Gründung einer wirklich einzigartigen globalen Organisation bekannt zu geben: unyer", sagt Christine Blaise-Engel, Senior Partnerin von Fidal, die zugleich Vorstandsvorsitzende von unyer wird. Den jetzigen Schritt begründet die französische Anwältin damit, dass die neue Organisation und ihr Ansatz alle Anforderungen der Kunden in einem sich drastisch verändernden Umfeld erfüllt. „Mit unyer können wir alle Dienstleistungen in allen Rechtsgebieten und darüber hinaus anbieten."

          Luther und Fidal sind beides fachlich breit aufgestellte Kanzleien. Neben der Beratung mittelständischer und inhabergeführter Unternehmen ist Luther in Deutschland vor allem für die Arbeit im Bereich Gesundheitswesen, Energiewirtschaft und bei Schiedsverfahren sehr anerkannt. Mit 420 Anwälten und Steuerberatern zählt man zu den größten Einheiten im Markt. In Deutschland wurde zuletzt ein Umsatz von 187 Millionen Euro erzielt.

          Globalisierung wichtiger Treiber

          „Unsere stärkste Motivation bei der Gründung von unyer war eine breitere Internationalität und Exklusivität, die andere Organisationen nicht in diesem Umfang haben“, sagt Markus Sengpiel, Ko-Managing Partner von Luther, der bei unyer auch im Leitungsgremium tätig ist. Durch mehr Größe, einer überzeugenden Branchenexpertise und einer ausgeprägten Innovationskraft schaffe man einen „Game-Changer“, betont der Wirtschaftsanwalt aus Köln.

          Der internationale Zusammenschluss, zumal mit einem Partner aus einer großen, europäischen Volkswirtschaft, mag ein Treiber für den Schritt gewesen sein. Wie aus Kanzleikreisen zu hören ist, haben die Luther-Partner mit großer Mehrheit für die engere Kooperation mit Fidal und die Gründung von unyer gestimmt. Dabei ist es nicht der erste Versuch von Luther, sich international aufzustellen. Über den Zusammenschluss mit Ernst & Young (jetzt EY) war man das grenzüberschreitende Geschäft gewohnt. Im Anschluss gehörte Luther dem Taxand-Netzwerk an und arbeitete eng mit der britischen Kanzlei Pinsent Masons zusammen. Im Vorfeld des Brexit gab es zudem längere Gespräche mit Addleshaw Goddard über eine Fusion. Luther wollte jedoch eigenständig bleiben.

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          Mit Fidal hat man die größte Wirtschaftskanzlei Frankreichs an der Seite. Die traditionsreiche Einheit genießt den Ruf die „Steuerrechtskanzlei“ des Landes zu sein. In 90 Standorten arbeiten mehr als 1400 Anwälte für die Sozietät, alleine knapp 400 davon in Paris. Lange Jahre kooperierte Fidal eng mit der Rechtsberatung von KPMG. Als die Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Jahr 2019 einen eigenen Rechtsberatungsarm in Frankreich eröffnete, leitete dies das Ende der Verbindung ein. Die Fronten verhärteten sich zudem, als KMPG Avocats rund 130 Anwälte von Fidal abwarb. Wechsel von Teams zwischen Einheiten sind üblich, aber selten in dieser Größenordnung. Der Streit eskalierte und wurde mit Vehemenz in der Öffentlichkeit ausgefochten. Erst im September 2020 erklärten beide Parteien die Auseinandersetzung für erledigt.


          Im Anschluss haben sich die Franzosen intensiv um ihre Neuaufstellung gekümmert. Zum Jahresbeginn schloss sich Fidal als Mitglied dem internationalen Steuernetzwerk WTS Global, das global in 100 Ländern vertreten ist. Auf Anhieb ist Fidal dort das größte Mitglied geworden, neben der Steuerberatungsgesellschaft WTS Deutschland. In dieser Netzwerkaktivität erkennt Luther aber keinen Widerspruch für die junge unyer-Organisation. Man fokussiere sich mit seinem Beratungsangebot auf den Bereich Rechtsberatung, heißt es auf Nachfrage. Daher sehr man keine Konflikte mit WTS Global. „Luther hat ein gutes Verhältnis zu WTS und arbeitet auch bei einzelnen Mandaten nach einer klaren und sich ergänzenden Aufgabenverteilung mit WTS zusammen“, sagte eine Sprecherin der Kanzlei.

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