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F.A.Z. exklusiv : Luftwaffe plant weiter mit Pilotenausbildung in Bremen

Ihn lernen Piloten weiter in Bremen fliegen: Ein Militärtransporter A400M am 6. August in Velizy Villacoublay Bild: EPA

Zumindest die Schüler fürs Militär werden der traditionsreichen Flugschule in Bremen erhalten bleiben. Das teilte das Verteidigungsministerium der F.A.Z. mit. Die zivilen Flugschüler melden sich derweil in einem Brief zu Wort.

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          Das Verteidigungsministerium ist am Mittwoch Befürchtungen des Betriebsrats der Bremer Flugschule von Lufthansa Aviation Training entgegengetreten, dass nach der Lufthansa auch noch die Luftwaffe ihre Pilotenausbildung aus Bremen abziehen könnte. „Das kann ich so nicht bestätigen“, teilte ein Sprecher der Luftwaffe der F.A.Z. mit. Der Vertrag laufe zwar Ende des Jahres aus, und es gebe auch eine Ausschreibung. Dort würden aber als Ausbildungsorte weiterhin Bremen und Goodyear im amerikanischen Bundesstaat Arizona genannt.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Lorenz Hemicker

          Die Luftwaffe bildet in Bremen die Besatzungen der Militärtransporter und der Regierungsflugzeuge aus. Piloten und Waffensystemoffiziere der Kampfflugzeuge Eurofighter und Tornado durchlaufen hingegen ihre Ausbildung zunächst in den Vereinigten Staaten. Anschließend wird sie in Schleswig und Laage fortgesetzt.

          Die Lufthansa hatte am Dienstag angekündigt, dass sie die Ausbildung an der traditionsreichen Einrichtung in Bremen auslaufen lassen will. Zivile Piloten reagierten auf die Nachricht des Konzerns am Mittwoch geschockt, obwohl sie längst auf die Krisenlage eingestimmt waren. Flugschüler werfen dem Lufthansa-Konzern vor, in der Krise überhastet mit einer Tradition zu brechen. Die Lufthansa habe jahrzehntelang ihren Nachwuchs selbst ausgebildet und argumentiert, nur so das höchste Ausbildungsniveau sicherstellen zu können, heißt es in einem Brief aus Flugschülerkreisen, der der F.A.Z. vorliegt. Von diesem Grundsatz solle nun abgewichen werden.

          Die Betroffenen sehen sich vor eine Entscheidung gestellt, in der beide Alternativen unattraktiv sind. Ihnen wird angeraten, die Ausbildung abzubrechen und sich beruflich neu zu orientieren. Im Gegenzug soll auf die üblichen Rückzahlungen der Ausbildungskosten von bis zu 80.000 Euro verzichtet werden. Für die bisherigen Flugschüler blieben dann keine Schulden, der Traum vom Fliegen hätte sich allerdings erledigt. Allerdings dürfen die Flugschüler darauf bestehen, fertig ausgebildet zu werden. Die Hoffnung auf eine Anschlussbeschäftigung bei Lufthansa wäre in diesem Fall zwar nahezu aussichtslos, die Rückzahlungsforderung bliebe aber.

          Kritik kommt auch von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, da offenbar beabsichtigt ist, Ausbildungseinheiten nicht mehr von eigenen Fluglehrern, sondern von eingekauften externen Dienstleistern durchführen zu lassen. An der 1956 gegründeten Verkehrsfliegerschule lernte auch der heutige Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr. In der Vergangenheit war die Schule schon mal in Frage gestellt worden, damals wurde aber ein Weg gefunden, um die Ausbildung fortzuführen. Die Flugschule selbst war bis jetzt für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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