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Luftverkehr : Seelenmassage für die Lufthansa

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Jürgen Weber muss allein aus der Krise finden Bild:

Wer üppige Gaben erhofft hatte, wurde enttäuscht. Der Kanzler beschränkte sich bei seinem Lufthansa-Besuch weitgehend auf freundliche Worte.

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          Viel zu verteilen hatte der Bundeskanzler in Frankfurt diesmal nicht. Im Gegensatz zu seinem umstrittenen Auftritt beim angeschlagenen Baukonzern Philip Holzmann vor gut zwei Jahren beschränkte sich Gerhard Schröder bei der Lufthansa im Wesentlichen auf das Mutmachen. „Das Schicksal der Fluglinie liegt uns am Herzen“, beteuerte der Kanzler vor etwa 3.000 Beschäftigten auf einer Mitarbeiterversammlung.

          Was er sonst noch mitbrachte, war weniger als manche erhofft hatten. So vermied er jegliche Äußerung zu staatlichen Ausgleichszahlungen für Einbußen der Lufthansa direkt nach den Anschlägen vom 11. September. Die Lufthansa will einen Schaden von 180 Millionen Euro erstattet bekommen.

          Keine Gebühren für Versicherungsschutz

          Stattdessen sicherte Schröder der Fluglinie zu, die Bundesregierung werde keine Gebühren für die vorübergehende Übernahme des Versicherungsschutzes von Flugzeugen erheben. Nach den Terroranschlägen in den USA wollten die Versicherungen dieses Risiko nicht mehr zu den üblichen Prämien übernehmen. Da die Risikoübernahme aber derzeit Usus in allen EU-Staaten ist, musste sich Schröder hier nicht sonderlich weit aus dem Fenster lehnen. Der Kanzler stellte zudem eine Überprüfung der für 2002 angekündigten Gebührenerhöhung der Deutschen Flugsicherung in Aussicht.

          „Die Bundesregierung hat ein eminentes Interesse, eine starke Lufthansa als Unternehmen für Deutschland zu erhalten“, sagte Schröder mit Blick auf die rund 55.000 Arbeitsplätze des Konzerns in der Bundesrepublik. Deutschland werde in der EU darauf achten, dass die Lufthansa nicht schlechter gestellt werde als die Konkurrenten. Beihilfen in anderen Staaten, aber auch im Fall des angeschlagenen deutschen Ferienfliegers LTU dürfe es nur im zulässigen Rahmen geben.

          Betriebsrat fordert Entschädigungen

          Lufthansachef Jürgen Weber forderte die Politik auf, europaweit einheitliche Regeln für die Branche zu schaffen. Es gehe darum, sicheren und effizienten Luftverkehr zu gewährleisten und Wettbewerbsverzerrungen entgegenzutreten.

          Der Lufthansa-Betriebsratsvorsitzende Franz-Eduard Macht erinnerte daran, dass die Lufthansa unmittelbar nach dem 11. September durch die Sperrung des US-Luftraums Einbußen von 182 Millionen Euro erlitten habe. Macht sagte, die EU-Kommission habe den Weg frei gemacht, damit nationale Regierungen für diesen Ausfall Entschädigungen zahlen könnten. Doch Finanzminister Hans Eichel „sitzt auf dem Geld und wehrt sich mit Händen und Füßen, der Lufthansa eine Entschädigung in dieser Höhe zu zahlen“.

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