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Luftverkehr : "Mit der A 380 beenden wir das Boeing-Monopol"

  • Aktualisiert am

EADS-Co-Präsident Rainer Hertrich Bild: AFP

EADS-Chef Rainer Hertrich über den neuen Airbus-Riesenflieger, Brüsseler Subventionen und deutsch-französische Reibereien.

          4 Min.

          Der Co-Präsident des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS Rainer Hertrich im Interview über den neuen Airbus-Riesenflieger, Brüsseler Subventionen und deutsch-französische Reibereien.

          Herr Hertrich, in wenigen Monaten startet die A 380 zum ersten Testflug. Sitzen Sie dann stolz mit im Cockpit?

          Ich bin als Gast dabei, als Zuschauer. Es fliegen nur wenige Leute direkt mit: Testpiloten, Mechaniker und Meßingenieure.

          Fürchten Sie vielleicht, das größte Passagierflugzeug der Welt könnte bei der Premiere patzen?

          Nein, aber ich bin Vorstandsvorsitzender und nicht Testpilot. Beim Erstflug werde ich nicht gebraucht.

          Wann fliegen Sie selbst mit?

          Wenn dafür Zeit ist. Wichtiger ist, daß die Kunden bald mitfliegen können.

          Steht denn der Zeitplan für die Markteinführung - nachdem die Vergangenheit durch Verzögerungen geprägt war?

          Es bleibt bei unseren Ankündigungen: Erstflug Anfang 2005, erste Auslieferungen 2006. Es gab und gibt keine Verzögerungen.

          Wie läuft der Verkauf des Riesenfliegers in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld?

          Gut. Wir haben bis jetzt von elf Airlines 129 Aufträge vorliegen. Die Fluggesellschaft Emirates ist mit 43 Stück der größte einzelne Abnehmer. Voraussichtlich kommt im laufenden Jahr noch eine weitere, zwölfte Airline dazu.

          Für den Jumbo-Konkurrenten scheinen sich vor allem Asiaten zu interessieren, weniger dagegen die Europäer.

          Richtig ist: Die A 380 ist besonders attraktiv für alle, die von oder nach Asien fliegen. Dazu gehören auch Lufthansa und Air France, die 15 beziehungsweise zehn Flugzeuge geordert haben.

          Ihr Konkurrent Boeing bezweifelt, daß die A 380 ein gutes Geschäft ist. Schon vor einem Jahrzehnt haben die Amerikaner die damaligen Pläne einer gemeinsamen Entwicklung ad acta gelegt.

          Dieses Flugzeug hat für die EADS eine große Bedeutung. Jeder Flugzeughersteller muß versuchen, die ganze Bandbreite abzudecken. Und in dem Groß-Segment war Airbus bislang nicht vertreten. Statt dessen hatte Boeing ein Monopol mit der 747...

          ...bekannt auch als Jumbo-Jet...

          ...und fuhr damit Monopolrenditen ein. In den nächsten zehn Jahren werden wir hier vorne liegen.

          Was heißt das?

          Das schon mehr als 30 Jahre alte Modell 747 wird im Markt bleiben. Mit der A 380 beenden wir jedoch dieses Boeing-Monopol. Damit werden wir vorne liegen.

          Schön - aber rechnet sich der Riese überhaupt, zumal Sie Ihre Kunden mit umfangreichen Rabatten locken müssen?

          Ja, die A 380 rechnet sich. Es gab keine außergewöhnlichen Rabatte. Und unser Geschäftsplan sieht vor, daß sich das eingesetzte Kapital mit rund 20 Prozent verzinst.

          Das hört sich ziemlich ambitioniert an. Vielleicht zu ehrgeizig?

          Nein, es ist ähnlich wie im Automobilbau. Bei den kleinen Autos ist die Gewinnmarge kleiner als bei den großen im Premiumsegment. Das ist im Flugzeugbau genauso.

          Bei Ihrem 555sitzer handelt es sich aber doch nicht um ein Luxus-Verkehrsmittel, sondern um einen Massentransporter.

          Das ist ein völlig falsches Bild, das da gezeichnet wird. Die Passagiere sitzen auf zwei Etagen verteilt. Sie werden ein ganz anderes Raumgefühl gewinnen als etwa in einer Boeing 747. In der A-380-Kabine wird man sich wohler fühlen, weil man einfach mehr Platz haben wird.

          Was sagen Sie zu den Vorwürfen von Boeing, daß die A 380 mit unerlaubten Subventionen gefördert wird?

          Es scheint, daß man wohl von eigenen Problemen ablenken will. Tatsache ist: Wir erhalten rückzahlbare und verzinsliche Darlehen. Sie sind mit dem Welthandelsabkommen und der 1992 geschlossenen Vereinbarung zwischen Amerika und Europa über Großflugzeuge im Einklang. Dagegen sagen Studien, daß die Unterstützung für Boeings Neuentwicklung 7E7 mit diesen beiden Abkommen nicht verträglich ist.

          Wann wollen Sie mit Ihrem Airbus-Jumbo schwarze Zahlen schreiben?

          Wir verdienen ab der ersten Auslieferung. Die Gewinnschwelle des Programms ist bei etwa 250 verkauften Exemplaren erreicht.

          Und wann sind die verkauft?

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