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Luftverkehr : Lufthansa rechnet mit heftigen Turbulenzen

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Krise hat die Lufthansa überwunden. Doch wegen der lahmenden Konjunktur und den Steuerplänen der Regierung rechnet sie mit erheblichen Belastungen.

          Mit dem Ergebnis für die ersten neun Monate zeigte sich Lufthansa-Chef Jürgen Weber zufrieden. Mit einem operativen Ergebnis von 790 Millionen Euro (+172 Prozent) hat die Lufthansa ihre Prognose für das Gesamtjahr bereits erreicht. Doch im vierten Quartal rechnet die Fluggesellschaft mit einem Minus. Das operative Ergebnis für das Gesamtjahr werde mit 700 bis 750 Millionen Euro unter den Neunmonatszahlen liegen, so Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley.

          Im laufenden Quartal rechnet die Lufthansa mit erheblichen Belastungen aufgrund der konjunkturellen Entwicklung. „Wir beobachten jedenfalls eine deutliche Kaufzurückhaltung“, so Kley. Vor allem bei Firmenkunden zeichne sich ab, dass sie insbesondere in Deutschland weniger reisen und in Europa Economy statt Business Class buchen. Die Lufthansa will daher gegebenenfalls weiter Kapazitäten anpassen und sich möglicherweise von Strecken zurückziehen, die sie sich wettbewerbsgerecht fliegen kann.

          Finanzvorstand Kley: Steuerpläne „rechtswidrig und praktisch undurchführbar“

          Die Steuerpläne der Bundesregierung bezeichnete Finanzvorstand Kley „sowohl als rechtswidrig als auch als praktisch undurchführbar“ und behielt sich vor, auf dem Rechtswege dagegen vorzugehen und das Bonusmeilenprogramm ins Ausland zu verlagern. Mit Vorhaben wie einer ausschließlich für den deutschen Hoheitsraum geltenden Mehrwertsteuer auf grenzüberschreitende Europaflüge würden deutschen Luftverkehrsunternehmen zudem Belastungen aufgebürdet, die der internationalen Konkurrenz nicht entstünden. Nach ersten Berechnungen erwartet die Lufthansa aus den Koalitionsvereinbarungen Einbußen von 130 Millionen Euro, Mehrwertsteuerbelastungen und Auswirkungen auf Lohnzusatzkosten nicht eingerechnet.

          Vor dem Hintergrund der laufenden Tarifverhandlungen appellierte Lufthansa-Chef Weber an die Gewerkschaften, einen Abschluss zu erzielen, der eine zurückhaltende Erhöhung der Grundgehälter vorsehe und den vorgesehenen Arbeitsplatzaufbau nicht gefährde. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Lufthansa werden am 11. November erneut über die Forderung von neun Prozent für die 52.000 Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals verhandeln. Der Lufthansa-Konzern mit knapp 91.000 Beschäftigten hat die Kapazitätsanpassungen in der Luftfahrtkrise ohne Entlassungen über Teilzeitarbeit und Gehaltsverzicht geregelt und will im kommenden 1.800 neue Arbeitsplätze für Flugbegleiter und 600 für Hochschulabsolventen schaffen.

          Passagierzahlen erholen sich allmählich

          Mit dem operativen Gewinn von 790 Millionen Euro übertraf die Lufthansa in den ersten neun Monaten sowohl den Vorjahreswert von 290 Millionen Euro als auch die Analystenschätzungen von durchschnittlich 611 Millionen Euro deutlich. 344 Millionen Euro erwirtschaftete die Gesellschaft netto im Vergleich zu 65 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

          Der Konzernumsatz belief sich von Januar bis September auf 12,6 Milliarden Euro und lag damit um 2,7 Prozent über dem Vorjahreswert, aber leicht unter der Analystenschätzungen von 12,76 Milliarden Euro. Im umsatzstärksten Geschäftsfeld, der Passage, sanken die Umsätze um 2,9 Prozent gegenüber 2001. Dies deute auf eine allmähliche Erholung der Passagierzahlen hin, hieß es. Die Verkehrserlöse, einschließlich dem Segment Logistik, sanken um 3,7 Prozent.

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