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Luftverkehr : Drohgebährden der Lufthansa zeigen Wirkung

  • Aktualisiert am

Auch die Lufthansa kann der Krise nicht davonfliegen Bild: dpa

Kurzarbeit und Kündigungen drohen bei der Lufthansa. Die Gewerkschaften wollen lieber erstmal weiter verhandeln.

          Die Drohgebährden der Lufthansa haben zumindest bei den Piloten ihre Wirkung nicht verfehlt. Am Dienstag hatte der Konzern bestätigt, dass Entlassungen und Kurzarbeit geplant seien. Gerüchten zufolge könnte bis zu 4.000 der insgesamt 70.000 Beschäftigten die Kündigung drohen.

          Der Sprecher der Piloten-Vereinigung Cockpit (VC), Georg Fongern, sagte nun, in der Nacht zum Mittwoch sei ein Sparpaket besprochen worden, das in den nächsten Tagen mit den Vorständen und der Tarifkommission abgestimmt werden müsse. Die Verhandlungen zwischen Lufthansa und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi blieben dagegen weiter unterbrochen, obwohl beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft betonten. Verdi forderte, die Lufthansa müsse den ersten Schritt tun.

          Kündigungen und Kurzarbeit

          Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow sprach von konstruktiven, aber weiter schwierigen Beratungen. Zur Zahl der möglichen Kündigungen wollte er sich nicht äußern. Zunächst müsse jedes Geschäftsfeld des Unternehmens entsprechend seiner momentanen Wirtschaftslage prüfen, welche Maßnahmen nötig seien, sagte er. Als erster Schritt würden Kündigungen in der Probezeit erwogen und für die Flugbegleiter Kurzarbeit beantragt.

          Sollte dies nicht ausreichen, seien auch betriebsbedingte Kündigungen nicht auszuschließen. Die Tür für den Dialog mit den Gewerkschaften sei jedoch weiter offen. Einen Termin für neue Gespräche mit Verdi gebe es aber noch nicht. In unternehmensnahen Kreisen verlautete, sollte es mit den Gewerkschaften zu einer Einigung über ein Sparpaket kommen, könne möglicherweise auch von betriebsbedingten Kündigungen abgesehen werden. „Da ist alles offen", hieß es. Am Wochenende waren Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und die Lufthansa über ein Sparpaket ergebnislos ausgesetzt worden.

          Mittlerweile hat sich sogar Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zur möglichen Stellenstreichung bei der Kranich-Linie geäußert und die Lufthansa aufgefordert, durch flexiblere Arbeitszeiten Entlassungen zu verhindern. “Wie wäre es denn, wenn ihr mal über andere Arbeitszeitmodelle diskutiert, statt die Leute nach Hause zu schicken“, sagte Eichel am Mittwoch beim SPD-Parteitag in Nürnberg. Ob und in welcher Form der Bund auf die Airline Einfluss ausüben will, ließ der Politiker offen.

          Geplatzte Verhandlungen

          Verdi hatte nach eigenen Angaben für die Beschäftigten am Boden und das Kabinenpersonal zuletzt ein Sparpaket im Umfang von 165 Millionen Mark für das kommende Jahr angeboten. Lufthansa erklärte sich demnach aber nicht bereit, im Gegenzug den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zuzusichern. Das Gewerkschaftsangebot sah unter anderem vor, die im kommenden Frühjahr anstehende Tarifrunde um ein halbes Jahr zu verschieben. Zudem wollten die Arbeitnehmer zunächst auf ein halbes Monatsgehalt verzichten, dass sie bei einer Besserung der wirtschaftlichen Situation aber entweder bar oder auch als Zeitguthaben zurückerhalten wollten.

          Auch die Gespräche zwischen der Vereinigung Cockpit (VC) und der Lufthansa waren ergebnislos abgebrochen worden. Nach Angaben von VC hatte die Lufthansa eine "teilweise und dauerhafte Revision des im Frühjahr erreichten Tarifergebnisses" verlangt. Die Pilotenvereinigung hatte hingegen eine fünfprozentige Gehaltskürzung angeboten, im Gegenzug einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gefordert.

          Einbruch im Oktober

          Mit den Einschnitten will die Kranich-Linie der weltweiten Branchenkrise begegnen, die durch die Terroranschläge in den USA verstärkt wurde. Im Oktober ging die Passagierzahl im Jahresvergleich um13,3 Prozent auf 3,8 Millionen zurück, zum Teil blieb jeder dritte Platz in den Maschinen leer. Bislang hatte die Lufthansa auf Entlassungen verzichtet und stattdessen zunächst mehrere Strecken aus dem Programm gestrichen und insgesamt 43 Flugzeuge stillgelegt.

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