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Luftverkehr : American Airlines steht vor dem Konkurs

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In finanzieller Not: American Airlines Bild: dpa

Die weltgrößte Fluggesellschaft muss angeblich bereits in der kommenden Woche Gläubigerschutz beantragen. Die Airline soll kurzfristig 1,5 Milliarden Dollar benötigen, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

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          Die größte amerikanische Fluggesellschaft American Airlines wird möglicherweise schon in der kommenden Woche Gläubigerschutz beantragen. Das berichten amerikanische Medien. Der Krieg im Irak belastet die verlustmachende Fluglinie zusätzlich, weil die Passagierzahlen seit Beginn der Kämpfe drastisch zurückgegangen sind.

          American ist in Verhandlungen mit den Gewerkschaften, um Lohnkonzessionen zu erhalten. Manager von American befürchten allerdings, daß dies nicht ausreichen wird, um das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen. American hatte im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 3,5 Milliarden Dollar eingeflogen. Ein Sprecher von American sagte, das Unternehmen tue alles, um einen Konkurs noch zu vermeiden.

          Größte Pleite der amerikanischen Luftfahrtgeschichte

          Ein Konkurs von American wäre die größte Pleite in der amerikanischen Luftfahrtgeschichte. Im vergangenen Jahr hatte bereits die zweitgrößte amerikanische Fluglinie United Airlines Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Die sechstgrößte Gesellschaft US Airways fliegt ebenfalls unter dem Schutz von Chapter 11, will diesen Prozeß aber in Kürze abschließen.

          Ein Verfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts schützt Unternehmen vor ihren Gläubigern, während sie ihr Geschäft neu strukturieren. Die Unternehmen können ihren Betrieb damit weiterführen. Um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten, verhandelt das Unternehmen derzeit mit Banken über einen Kredit von rund 1,5 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs der AMR Corp., der Muttergesellschaft von American, brach am Donnerstag um 18 Prozent ein. Die Aktien haben seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 über 90 Prozent an Wert verloren.

          4 Milliarden Dollar jährlich einsparen

          Von den Gewerkschaften fordert American Konzessionen von 1,8 Milliarden Dollar im Jahr. Insgesamt will American 4 Milliarden Dollar jährlich einsparen. Die Bodenarbeiter, eine der acht Gewerkschaften bei American, haben vorläufigen Zugeständnissen in dieser Woche bereits zugestimmt. Die Pilotengewerkschaft dürfte Anfang der kommenden Woche abstimmen. In dieser Woche hatte es allerdings Unstimmigkeiten wegen der angekündigten Entlassung von 1000 Piloten gegeben.

          Im amerikanischen Kongreß hat sich vor diesem Hintergrund die Zahl der Befürworter von Finanzhilfe für die Fluggesellschaften vergrößert. Abgeordnete und Senatoren beider Parteien sprachen sich dafür aus, geldwerte Unterstützung in den Nachtragshaushalt über rund 75 Milliarden Dollar aufzunehmen, den Präsident George Bush beim Kongreß beantragt hat. Über Form und Höhe der Hilfe wird noch beraten.

          Aussetzen der Gebühren

          Im Gespräch sind ein Aussetzen der Gebühren, welche die Fluggesellschaften für Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen bezahlen müssen, sowie weitere Kreditbürgschaften. Erörtert wird auch ein weiteres Entgegenkommen des Staates bei der Beteiligung an Prämien für Kriegs- und Terrorversicherungen. Die Vorstellungen über die Höhe der Mittel liegen zwischen 3 und 9 Milliarden Dollar. Sie liegen damit niedriger als die Forderungen der Fluggesellschaften, die mehr als 13 Milliarden Dollar verlangen.

          Auch für die europäischen Luftfahrtunternehmen werden die Belastungen durch den Irak-Krieg voraussichtlich erheblich höher ausfallen als befürchtet. Die Europäische Union sollte deshalb einen Aktionsplan für die Branche auflegen: Diese Forderung der amtierenden EU-Ratspräsidentschaft Griechenlands steht im Mittelpunkt eines Aktionsplans, über den die EU-Verkehrsminister am Freitag beraten haben. Der Krieg dürfte den EU-Fluglinien einen indirekten Schaden von mindestens 2,5 Milliarden Euro zufügen, hieß es.

          "So schnell wie möglich"

          Der Plan enthält ein Bündel kurz- und mittelfristiger Hilfen: die Ausweitung der staatlichen Haftungsgarantien für mögliche Schäden, die nicht mehr von den Versicherungen gedeckt werden, und die Übernahme zusätzlicher Kosten für die Sicherheit im Flugverkehr durch die öffentliche Hand. Ferner sollen die geltenden EU-Vorschriften für die Gewährung von Start- und Landerechten (Slots) ausgesetzt werden. Sie sehen vor, daß nicht ausgeschöpfte Slots verfallen.

          Dagegen sollten die EU-Länder nur als allerletztes Mittel Direktbeihilfen genehmigen, hieß es auf dem Ratstreffen. Angemessener wäre, "so schnell wie möglich" den Verordnungsvorschlag anzunehmen, welcher der EU-Kommission ein Mandat erteilt, mit Amerika und anderen Nicht-EU-Ländern zu verhandeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach Wettbewerbsgleichheit und der Kampf gegen unfaire Preisunterbietungspraktiken im internationalen Flugverkehr.

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