https://www.faz.net/-gqe-9tu6y

Lufthansa und Ufo : Die Versöhnung bleibt aus

Lufthansa-Flug startet: Drohen wieder Streiks? Bild: AP

Der nächste Anlauf für eine große Schlichtung zwischen Lufthansa und Gewerkschaft ist gescheitert. Der Konzern machte ein Zugeständnis, doch aus Sicht der Flugbegleiter hat das einen Haken.

          3 Min.

          Ein weiterer Anlauf für eine große Friedenserklärung der Deutschen Lufthansa und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo ist gescheitert. Für Passagiere des Konzerns bleibt die Ungewissheit, ob bald wieder Flüge wegen Streiks ausfallen. „Unsere Gremien bereiten sich nun wieder auf Arbeitskämpfe vor“, sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies der F.A.Z. Dabei hatte die jüngste Wendung im Dauerkonflikt verheißungsvoll geklungen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Lufthansa hatte am Donnerstag zunächst akzeptiert, dass eine sogenannte große Schlichtung über Tariffragen bei der Kernmarke Lufthansa und weitere Streitthemen auch ohne verbindlichen Streikverzicht von Ufo für alle Tochtergesellschaften stattfinden kann. An diesem Punkt war der vorherige Schlichtungsanlauf gescheitert. Doch Ufo reagierte prompt: „Das Lufthansa-Angebot hört sich zwar nach einer Lösung an, verschweigt aber relevante Fallstricke.“ Konkret geht es dabei um diverse rechtliche Verfahren, die Lufthansa nicht aufgegeben hat. Ufo rügt daher die „alten Spielchen-Muster, die keine Sicherheit und Verlässlichkeit schaffen“.

          Tiefe Gräben bleiben

          In den vergangenen Tagen hatten der Konzern und Ufo darum gerungen, die in der vergangenen Woche geplatzte große Schlichtung noch hinzubekommen. Doch nun herrscht schon darüber Uneinigkeit, wer im letzten Gespräch zuerst aufgestanden ist. Damit bleibt es zunächst bei einer kleinen Schlichtung, die sich auf Tarifthemen wie Spesen und Regelungen für Saisonkräfte der Kernmarke Lufthansa beschränkt. Dafür haben Ufo und Lufthansa den SPD-Politiker Matthias Platzeck und den früheren Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise als Schlichter benannt. Ein Streikverbot für Tochtergesellschaften wie Eurowings ist damit nicht verbunden.

          Die Gräben zwischen Ufo und Lufthansa sind trotz der Versöhnungsanläufe tief. Äußerungen beider Seiten zu den Treffen der vergangenen Tage scheinen so, als beschrieben sie unterschiedliche Gespräche. Ufo beklagt, man hätte „mit Vertretern der Lufthansa“ nur insgesamt 20 Minuten sprechen können. Der Konzern entgegnet, von Montag bis Mittwoch habe es drei Termine mit Konzernvorstand Detlef Kayser gegeben, die zusammen mehr als fünf Stunden dauerten. Ufo bestätigt, dass man am Mittwochabend bis etwa 20.30 Uhr zusammensaß. Man habe sich eher grundsätzlich unterhalten. Für Detailfragen, die nicht den Gesamtkonzern, sondern die Marke Lufthansa betreffen, habe es nur den 20-Minuten-Termin mit anderen Vertretern gegeben. Die Fragen fielen auch nicht in Kaysers Vorstandsressort.

          Kayser ist eigentlich für Flottenmanagement und Qualitätssicherung zuständig. Personalvorstand Bettina Volkens sei verhindert gewesen wegen einer Vorstandsreise nach Amerika – unter anderem zum Flugzeughersteller Boeing, heißt es offiziell. Dass Kayser und nicht Volkens kurzfristig auf die Reise verzichtete, dürfte aber auch damit zu tun haben, dass das Verhältnis zwischen Volkens und Ufo-Vertretern als belastet gilt. Der Personenwechsel brachte dennoch keine Annäherung.

          Die Kuh soll vom Eis

          Ein Knackpunkt dürfte sein, dass Lufthansa wohl nicht verbindlich auf diverse rechtliche Schritte verzichtet hat. Der Konzern hat erklärt, seinen Antrag zur Prüfung, ob Ufo noch Gewerkschaftsstatus genießen dürfe, zurückzuziehen. Offen ist aus Sicht von Ufo aber, ob es zu Schadenersatzforderungen gegen Ufo-Vorstände wegen der jüngsten Streiks kommen kann. Von Lufthansa heißt es, sofern es zur großen Schlichtung komme, werde die Forderung fallengelassen. Nachdem sich Lufthansa im ersten Schlichtungsanlauf nicht damit begnügte, dass Ufo nur „vorerst“ auf Streiks verzichtet, genügt Ufo für den zweiten Anlauf die Konzernansage nicht.

          Nach Informationen der F.A.Z. war allerdings im ursprünglich geschlossenen Schlichtungsabkommen nur vereinbart, dass der Arbeitgeberverband Luftverkehr „darauf hinwirken“ werde, dass Lufthansa keine Schadenersatzklage erhebe. Von Ufo heißt es, diese Formulierung sei mit Blick auf die damalige einwöchige Widerrufsfrist für das Abkommen gewählt worden. Die Erklärung von Lufthansa sei dann nicht gekommen.

          Auch die bislang in der Hauptsache nicht verhandelte Frage zur Rechtmäßigkeit des Streiks – im Eilverfahren war der Ausstand erlaubt worden – wollte Lufthansa nur ruhen lassen. So steht es in dem Abkommen. Ufo verweist darauf, dass nicht die Gewerkschaft, sondern der Konzern das Abkommen widerrufen hat. Die Gewerkschaft bietet nun an, die für die kleine Schlichtung benannten Schlichter Platzeck und Weise „zur Hilfe zu holen, um die sprichwörtliche Kuh noch vom Eis zu holen.“ In dem Hickhack findet derweil wenig Beachtung, dass es auch eine Einigung gibt. Für die Tochtergesellschaft Sun Express Deutschland wurde ein Tarifvertrag Personalvertretung geschlossen. Damit ist der Weg für deren Wahl frei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Einer lernt noch schreiben, einer kann es schon.

          Corona und Gleichstellung : Wir erleben keinen Rückschritt

          Allerorten wird erzählt, durch Corona fielen die Geschlechter zurück in die fünfziger Jahre. Viele Familien erleben das gerade ganz anders. Die Erzählung vom Rückfall ist nicht nur für sie die falsche Geschichte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.