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Zug-Flug-Kooperation : Lufthansa will Passagiere in Turbo-ICE setzen

Reisender am Frankfurter Flughafen-Bahnhof Bild: dpa

Inlandsflüge stehen in der Kritik. Lufthansa und Bahn kooperieren nun enger, damit Reisende zum Fernflug mit dem Zug fahren - mit durchgehendem Ticket und Express-ICE. Koffer bleiben aber ein Problem.

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          Schneller zum Langstreckenflug, aber mit dem Zug – das ist der Kern einer vertieften Kooperation, für die Harry Hohmeister, Vorstand der Deutschen Lufthansa, und sein Amtskollege Berthold Huber von der Deutschen Bahn am Montag den Startschuss geben werden. Reisende sollen statt bislang von 17 Bahnhöfen künftig von 22 Stationen mit einem durchgehenden Lufthansa-Ticket Zug und Flug nutzen können.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Und auf dem Weg von Düsseldorf, Köln, München und Nürnberg zum Drehkreuz in Frankfurt soll der Weg auf der Schiene zudem schneller zurückgelegt werden können. Denn vom Fahrplanwechsel im  Dezember an will die Bahn zwischen diesen Orten einige ICE-Züge mit kürzerer Fahrzeit einsetzen - weitere Zwischenhalte gibt es nicht.  Lufthansa nimmt nach F.A.Z.-Informationen für ihre Kunden Platzkontingente in diesen Zügen ab.

          Im Zuge der Klimadebatte waren Inlandsflüge – auch als Zubringer für Reisende zu Langstreckenflügen – stärker in die Kritik geraten. Zuletzt hatte Frankreich angekündigt, alle Inlandsflüge verbieten zu wollen, sofern sich die Strecke auch innerhalb von zweieinhalb Stunden mit dem Zug zurücklegen lässt.

          Für Kurzflüge, die nur von Aufsteigern auf Langstreckenflüge genutzt werden, soll es allerdings eine Ausnahme geben. In Deutschland wäre nach dieser Regelung kaum eine Flugverbindung vom Aus bedroht, was auch daran liegt, dass in Frankreich der TGV über längere Distanzen ohne Stopp rast.

          Wenig lukrative Inlandsflüge

          Lufthansa beteuert seit längerem, gern manche sehr kurze Strecke seltener oder gar nicht mehr fliegen zu wollen. Denn auf diesen Verbindungen wird kaum Geld verdient. Allerdings hält Lufthansa an Zubringerflügen für Langstreckenreisen bislang fest und verweist auf längere Bahnfahrzeiten zum Airport sowie Zeitverluste beim Umstieg vom Zug auf den Flug.

          Die sollen nun geringer ausfallen, weil alle Kunden, die mit durchgehendem Lufthansa-Ticket im ICE nach Frankfurt anreisen, künftig dort den Schnelldurchgang (Fast Lane) zum Fluggate nutzen dürfen. Das zweite Lufthansa-Drehkreuz in München ist derweil nicht voll eingebunden. Der Münchner Flughafen hat keinen Fernbahnhof und ist nicht mit schnellen ICE-Zügen, sondern nur mit der S-Bahn zu erreichen.

          Der deutsche Luftfahrtverband BDL hatte jüngst ein Strategiepapier vorlegt, dass Schritte hin zu weniger Inlandsflügen beschreibt. Dazu zählten „Bahnreisezeiten von nicht mehr als drei Stunden“, was mit dem neuen Turbo-ICE zwischen München und Frankfurt erreicht würde.  Außerdem wurde Verbesserungen zur Anschlusssicherheit und zum Gepäcktransport für Reisende, die vom Zug auf den Flug umsteigen gefordert.

          Problemthema Gepäck

          Zumindest die Anschlusssorgen werden in der Bahn-Lufthansa-Kooperation etwas gemildert. Wird der Anschlussflug wegen einer Verspätung verpasst, will Lufthansa Nutzer des Kombi-Angebots automatisch auf die nächstmögliche Verbindung umbuchen.

          Vorerst ungelöst bleibt aber das Problem, dass Reisende ihren Koffer vom Bahnsteig selbst ins Terminal bringen müssen. Ein durchgehendes Aufgeben von Gepäck, wie es bei zwei Flügen möglich ist, gibt es weiter nicht – trotz der vertieften Kooperation. Frühere Anläufe hatten sich als nicht kostendeckend erwiesen, da hohe Sicherheitsvorgaben zu erfüllen sind.

          Bahn droht Konflikt mit Lokführern

          Derweil steuert die Deutsche Bahn auf einen harten Konflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL zu. Der bundeseigene Konzern nannte Tarifforderungen maßlos und unsolidarisch. Das 58-Punkte-Paket hätte allein in dem Bereich, für den die GDL bislang Tarifverträge geschlossen habe, Kostensteigerungen von 46 Prozent zur Folge. „Die GDL muss jetzt aufhören, die Corona-Schäden zu leugnen, und Vernunft annehmen“, mahnte DB-Personalvorstand Martin Seiler. Die Forderungen seien angesichts der größten wirtschaftlichen Krise des Unternehmens „völlig realitätsfern“.

          Die Gewerkschaft hatte die Forderungsliste am späten Freitagabend übermittelt. Sie fordert für das gesamte direkte Personal einen Eisenbahn-Flächentarifvertrag mit einer Entgelterhöhung um 4,8 Prozent zum 1. März, eine Corona-Prämie von 1300 Euro und eine Ballungsraum-Zulage. „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kollegen mit einem Sanierungstarifvertrag mit Reallohnverlust abgespeist werden“, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky.

          Die Verschuldung der Bahn ist inzwischen so hoch wie zur Zeit der Bahnreform 1994. Die Bahn braucht einen maßvollen Tarifabschluss auch als Eigenbeitrag zu den geplanten Milliardenzuschüssen des Bundes. Der Zuschuss von 5 Milliarden Euro für 2020 hängt noch an der EU-Beihilfeprüfung.

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