https://www.faz.net/-gqe-znxn
 

Lufthansa-Streik : Verdi will mehr als nur mehr Gehalt

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Streik bei der Lufthansa wird seine Wirkung erst mit der Zeit entfalten. Beiden Seiten geht es mehr um Grundsatzfragen und weniger um Geld. Deshalb werden die Passagiere wohl noch eine Weile unter den Streikfolgen leiden.

          1 Min.

          Gewerkschaftsmitglieder von Verdi legen am größten deutschen Flughafen in Frankfurt die Arbeit nieder - und zunächst ist fast nichts passiert: Die Deutsche Lufthansa konnte am Montag ihre Flüge fast planmäßig abfertigen. Ist das die Entzauberung der zweitgrößten Gewerkschaft in Deutschland, deren Vorsitzender Frank Bsirske pikanterweise gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des bestreikten Lufthansa-Konzerns ist? Wohl kaum.

          Denn der Streik am Montag war erst der Anfang. Am Dienstag musste die Lufthansa schon mehr Flüge streichen. Der Streik wird seine Wirkung erst mit der Zeit entfalten; trotz der Notfallpläne der Lufthansa und der Kooperationsbereitschaft vieler Passagiere, die früher als sonst zu ihren Flügen erschienen sind. Aber die meisten Urlauber und die deutschen Olympiateilnehmer werden ihre Reiseziele wohl erreichen. Ob auch Verdi ihr Ziel - eine Vereinbarung über 9,8 Prozent mehr Gehalt - erreicht, ist fraglich. Aber das Angebot der Lufthansa von 6,7 Prozent und einer Einmalzahlung wird den Arbeitskonflikt auch nicht befrieden.

          Die Lufthansa hat drei Gewerkschaften im Haus

          Denn Verdi will mehr als nur mehr Gehalt. Die Gewerkschaft will zeigen, dass sie eine starke Kraft für die Arbeitnehmer der Luftfahrtbranche ist. Sie versucht, den Abspaltungstendenzen schlagkräftiger Fachgruppen Einhalt zu gebieten. Verdi streikt auch aus organisationspolitischen Gründen. Dafür ist die vermeintlich starke Lufthansa als Besserverdiener in der internationalen Luftfahrt ein idealer Gegner.

          Die Lufthansa fürchtet, ihr Rekordergebnis des vergangenen Jahres nicht wieder erreichen zu können. Wegen der Erhöhung der Treibstoffpreise, einer abschwächenden Konjunktur und Belastungen aus dem Emissionshandel sieht sie eher schwierigere Zeiten auf sich zukommen. Um dafür gewappnet zu sein, will sie die Gehälter nur in einem Maße erhöhen, dass sie auch bei wirtschaftlichem Gegenwind zu verkraften sind, ohne Personal entlassen zu müssen. Darüber hinaus will die Lufthansa wieder mehr Ordnung in ihre Tarifverträge bringen. Denn gegenwärtig gibt es für Stewardessen deren zwei: einen mit Verdi und einen mit der Verdi-Abspaltung Ufo.

          Mit Verdi, Ufo und der Pilotenvereinigung Cockpit hat sie drei Gewerkschaften im Haus, von denen alle, bis auf Ufo, zu Streiks aufrufen. Beiden Seiten geht es also mehr um Grundsatzfragen und etwas weniger ums Geld. Deshalb werden die Passagiere wohl noch eine Weile unter den Streikfolgen leiden.

          Topmeldungen

          Amazon-Chef Jeff Bezos Mitte Januar bei einem Firmenevent im indischen Neu Delhi.

          Smartphone des Amazon-Gründers : Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

          Einem Bericht zufolge soll der Amazon-Chef von Muhammad Bin Salmans persönlichem Konto eine infizierte Whatsapp-Nachricht bekommen haben. Das wirft Fragen auf, ob es einen Zusammenhang zum ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi gibt. Und zu einem Boulevardskandal um Bezos.

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.